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Filmkritik-Sparring: Wir sind was wir sind

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Filmkritik-Sparring: Wir sind was wir sind

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Wir waren zusammen im Kino und begeben uns wieder in den Ring. Diesmal: der mexikanische Genre-Bender „Somos los que hay“

Filmposter, Rechte: alamode Film

Kai:

Einen Mangel an Originalität kann man Jorge Michel Graus “Wir sind was wir sind” nicht vorwerfen. Das Familien-Sozialdrama zeichnet sich vor allem durch seinen schwarzen Humor und seinen oft unerwarteten Slapstick aus. Ach ja, und außerdem sind die Hauptfiguren Kannibalen.

Diese  Ausgangslage sowie ein Trupp rachsüchtiger käuflicher Damen und die unfähigsten Polizisten der jüngeren Filmvergangenheit erlauben Grau, unbekümmert Ausflüge ins Komödien- und Horrorgenre zu unternehmen und seinen Film Szene für Szene neu zu definieren. Schon die absurd-makabre Anfangssequenz lässt vermuten, dass sich „Somos lo que hay“ nicht besonders ernst nimmt; klar ist das spätestens als sich herausstellt, dass in Graus Mexico City offenbar jeder jeden kennt.

Bemerkenswert ist, dass Regisseur Grau zwischen absurden Situationen und extremen Gewaltausbrüchen – oft passiert beides gleichzeitig – Momente zerbrechlicher Schönheit findet. Und es mit dem ältesten Sohn der Familie und seiner Schwester Charaktere schafft, die es dem Zuschauer trotz ihres unkonventionellen Speiseplans erlauben, mitzufühlen.

Desirée:

„Wir sind was wir sind“ ist einer der seltenen Filme, die mir einerseits gut gefallen haben, bei denen  ich am Ende aber trotzdem froh war, gehen zu dürfen. Auch wenn ich Schlimmeres erwartet hatte, waren die Fleischerszenen nämlich doch nervenaufreibend. Allerdings nicht so sehr wie der Umgang der Kannibalen-Familie miteinander: das lautstarke Schweigen, die vorwurfsvollen Blicke und die gezischten Gemeinheiten. Regisseur Jorge Michel Grau schafft es, uns so nah an seine mörderischen Protagonisten heranzubringen, dass diese Gemeinheiten schlimmer wirken als das fließende Blut. Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich ist.

Interessant ist, dass Grau Drama und Komödie so genau trennt: Die dramatischen Szenen sind kein bisschen komisch und erinnern an bierernste britische Sozialdramen – und die komischen Szenen machen kompromisslosen Slapstick, egal wie groß der Kloß ist, den man eben noch im Hals hatte. Die Horrorelemente beschränken sich übrigens auf diese komischen Szenen, und das ist vermutlich der Grund, warum die blutgetränkten Bilder relativ gut zu ertragen sind. Absurd, dass man gerade in diesen Szenen Zeit zum Durchatmen hat -bevor die von schreienden Streichern und tickenden Uhren begleitete dysfunktionale Tragik der Kannibalen-Familie wieder über den armen Zuschauer hereinbricht.

Schockierend war übrigens auch die Tatsache, dass wir die Einzigen im Kino waren – und das am Eröffnungstag!

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Kai
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