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TV-Kritik: The Walking Dead – Der Strick des Jägers / This Sorrowful Life (Staffel 3, Folge 15)

Fernsehen

Merle Dixon steht im Mittelpunkt der kompetenten und trotzdem etwas enttäuschenden vorletzten Folge

Rechte: TWD ProductionsDie bisher längste Staffel von The Walking Dead neigt sich dem Ende zu; noch eine Woche bis zum Staffelfinale und der schon lange anstehenden Konfrontation zwischen den beiden Gegenpolen der Geschichte, Rick und dem Governor. Serien bringen traditionell so kurz vor Staffelende einen „Game Changer“ ins Spiel – entweder eine schockierende Wendung, die das anstehende Finale bestimmt, oder eine lange Rückblende, die frühere Ereignisse in einem neuen Licht zeigt und so den Showdown einleitet (wie etwa im vorletzten Band von Joe Hills meisterhaftem Locke & Key).

The Walking Dead dagegen konzentriert sich in der vorletzten Folge der dritten Staffel fast vollständig auf einen Charakter, der im großen Gefüge keine große Rolle spielt- und der im Staffelfinale nicht einmal vorkommen wird.

Die letzten Wochen ist Michael Rookers Merle Dixon eher ein Randfigur gewesen, die außer ein paar guter Szenen mit Norman Reedus nicht viel zum Geschehen beigetragen hat.  Aber auch wenn Merles sprunghafte Entwicklung in diese Woche im Kontext der Serie aus dem Nichts kommt, innerhalb der Folge ist sie clever angelegt und konsequent ausgeführt.

Moralischer Kompass

Rechte: TWD ProductionsÜberhaupt drehen sich Haupt- und Nebenhandlung in „This Sorrowful Life“ um Moral und Gewissen, um richtige und falsche Entscheidungen. Rick erkennt, dass sein „weniger Demokratie wagen“- Experiment schief gelaufen ist und sein Verrat an Michonne nicht nicht nur vollkommen out-of-Character, sondern außerdem auch eine schlechte Idee ist.

Bevor er allerdings zu dieser Erkenntnis gelangt, ist Merle Dixon der Mittelpunkt und unerwartete moralische Kompass der Episode. Seine Szenen mit Daryl, Michonne und vor allem mit Carol sind so nuanciert geschrieben und gespielt, dass sie zu meinen Lieblingsmomenten der gesamten Staffel gehören. Wer sich allerdings gefreut hat, dass Michael Rooker endlich mehr zu tun hat, als im Hintergrund grimmige One-Liner zu knurren, dem vermiesen Kirkman und demnächst-Ex-Showrunner Mazzara am Ende der Folge konsequent die Freude.

Große Szene, kleine Wirkung

Rechte: TWD ProductionsWarum also hat mir der Schluss von „This Sorrowful Life“, das Ende von Merle Dixon, nicht das Herz gebrochen? Vor allem, weil die Autoren von The Walking Dead, trotz der massiven Verbesserungen dieses Jahr, das Serienformat noch immer nicht optimal nutzen. Anstatt Merle Dixons Wandel über Wochen vorzubereiten, und dem Zuschauer den Charakter „schleichend“ ans Herz wachsen zu lassen, bekommt er urplötzlich eine neue Dimension – und stirbt noch in der selben Folge. Das ist zwar kompetent von Effekt-Magier Greg Nicotero inszeniert, der als Regisseur eine zunehmend sichere Hand beweist,  und auch von Komponist Bear McCreary großartig untermalt. Letztendlich aber ist das Effektivste an Merles Tod die Reaktion seines Bruders Daryl.

Am Ende der Folge haben Robert Kirkman & Co. die dramatischen Schrauben kaum fester angezogen, und der Showdown erscheint genauso weit weg wie noch vor Wochen. Auch wenn sich Figuren wie Daryl, Andrea, Milton oder Tyrese hin und wieder neu orientieren, stehen sowohl Rick als auch der Governor mehr oder weniger genau da, wo sie am Anfang des Jahres waren. Als Standalone ist „This Sorrowful Life“ eine der besten Folgen der Serie – emotional, elegant aufgebaut und spannend; im Gesamtkontext der Staffel ist sie dagegen vor allem eine vertane Chance.

 

Anmerkungen:

  • Tipps für den postapokalyptischen Alltag: Heute lernen wir, wie man in der schnell und preiswert einen Verlobungsring auftreibt
  • Die Folge hatte für meinen Geschmack zu viel unecht aussehendes Computer-Blut – erstaunlich, da ausgerechnet Greg Nicotero auf dem Regiestuhl sitzt
  • Vielleicht hab ich es eh als einziger vermutet, aber die Frage ob Michael Rookers Charakter ein Spion war, wäre damit wohl beantwortet. R.I.P. Merle

Die Walking Dead laufen in Deutschland Freitags beim Bezahlsender Fox, kurz nach der Ausstrahlung beim US-Sender AMC.

Trailer:
http://www.youtube.com/watch?v=4R1N0tATMDc &w=480&h=270

 

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  • Daniel Neubecker
    2. April 2013 auf 12:49

    Schöne Review. 🙂 Mir hat die Folge (wie auch die letzte) gut gefallen. Auch wenn es schon stimmt das der „Hauptkonflikt“ nicht im Fokus stand. Aber ich hab so eine kleine Befürchtung das es am Freitag vielleicht gar nicht zum Showdown kommt und es erst mit Staffel 4 weitergeht.
    Und zum Thema Merl = Spion: Du warst bestimmt nicht der einzige der so gedacht hat. Aber ich war da die ganze Zeit am Zweifeln. Hatte von Anfang an den Eindruck der will nicht wirklich zum Gefängnis mit Darryl. Das einzige mal wo die Idee wieder aufblitzte war als Darryl ihn in der letzten Episode im Gefängnis am Telefon gefunden hat. Aber da war ja kurze Zeit später klar was er mit dem Telefonkabel wollte. 😉
    Und zum Schluss: Schade das er genau jetzt stirbt. Das wäre ne interessante Sache gewesen von seiner weiteren Entwicklung in der Gruppe. Andererseits: TWD zeigt weiterhin man darf bei niemanden sicher sein das er weiterhin mitspielt. Und das finde ich mindestens genauso gut! Weil bei vielen anderen Serien weiss man einfach: Egal wie hoch die Gefahr ist, da wird jetzt ziemlich sicher keiner draufgehen. Hier fiebert man wirklich immer mit und hat Angst um seine „Lieblinge“. 😉

  • 5. April 2013 auf 22:52

    Ich muss leider anmerken… das große Finale hat mir überhaupt nicht gefallen. Das hat Kirkman in den Comics dann eben doch besser gelöst. Schade.

    • 6. April 2013 auf 00:31

      @Ménard: Ging mir ähnlich, ich fand es auch eher enttäuschend. Schade dass die Staffel auf der Zielgeraden jetzt doch wieder ein bisschen abgesoffen ist.

      @Daniel: Sehr treffende Vorhersage – ein richtiger Showdown war das nicht.

      Ausführliche Besprechung des Finales folgt die nächsten Tage.

  • Chris
    6. April 2013 auf 01:27

    Für mich war es eine Freude, mal meine beiden Lieblingscharaktere Merle und Michonne interagieren zu sehen. Michonne durfte einmal mehr als zwei Worte am Stück sagen.
    Umso geschockter war ich als Merle durch die Hand des Governors starb.
    Eine sehr spannende Folge, die Note 2 finde ich zu tief gegriffen. Überhaupt gibt die Serie zum Ende hin dramatugisch Gas.
    Für das Finale rechne ich mit keinem Wunder oder einer Endlösung des Konfliktes, weil der in nur noch einer verbleibenden Folge kaum lösbar ist. ICh hoffe nur, dass die Gruppe endlich das triste Gefängnis verläßt, dieser Ort ist einfach zu langweilig.

    • 6. April 2013 auf 16:17

      Chris – Ich gebe dir insofern recht, als dass die Folge an sich gut aufgebaut war und ein paar sehr gute Szenen hatte. Aber was den Gesamtkontext angeht, finde ich, dass die letzten paar Folgen eher nachgelassen haben. Eine „2“ ist ja auch keine schlechte Note; die Qualität ist nach wie vor weit über Season 2, aber es müsste einfach mehr drin sein.

      Der ständige Showrunner-Wechsel hilft da sicher auch nicht…

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