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TV-Kritik: Hannibal Lecter in Serie

Fernsehen
Überblick
Item Reviewed

Hannibal

Author
23. April 2013
Genre

Thriller / Horror

Besetzung

Mads Mikkelsen, Hugh Dancy, Caroline Dhavernas, Laurence Fishburne

Drehbuch

Creator: Bryan Fuller

Jahr

2013-

Länge

42 Minuten, 13 Folgen pro Staffel

Subtil und komplex wie ein guter Wein: Der Vorzeigekannibale im Wochentakt

Bon appetit! Mads Mikkelsen als Hannibal

Serienkiller sind aus finanzieller Sicht ungefähr so risikoreich wie Vampire. Aktuelles Beispiel: Kevin Williamsons trashige, nicht sehr inspirierte Serie The Following, die mit spektakulären Morden und Twists, über die selbst M. Night Shyamalan den Kopf geschüttelt hätte, eine gewaltige Zuschauerschar bei der Stange hält. Erst recht gilt das, wenn besagter Serienkiller Hannibal Lecter heißt.

Auf der anderen Seite: Bryan Fuller. Ein Vorzeige-Serienschöpfer, der immer wieder brilliante Shows abliefert, derentwegen die Kritiker sich fast überschlagen – die aber leider meistens keiner guckt: Pushing Daisies, Wonderfalls, Mockingbird Lane zum Beispiel.

Hannibal, eine (Quasi-)Verfilmung von Thomas Harris‘ erstem Lecter Roman Roter Drache ist seit drei Wochen im Programm des US-Senders NBC. Dort hofft man mithilfe des berühmten Namens und der Serienkiller-Thematik die Zuschauer lange genug bei der Stange halten, bis das große Fernsehpublikum bemerkt hat was es verpasst.

Die Serie ist nämlich nicht einfach der bissige Polizeithriller, den man erwartet hätte. Und dann ist die Hauptfigur auch noch – anders als der Titel vermuten lässt – Hannibals brillianter aber emotional wackeliger Widersacher Will Graham. Wer vorher schon eine ganz klare Vorstellung davon hatte, was ihn erwartet, ist möglicherweise enttäuscht.

Wer Brian Fullers Serien kennt, hätte sich das aber denken können. In Hannibal finden sich der Witz, die Komplexität, moralische Ambivalenz, Eigenwilligkeit  und (natürlich) die Morbidität, die zu Fullers Markenzeichen geworden sind. Und die Mischung mit dem charismatischen Hannibal Lecter (Mads Mikkelsen ist kein bisschen weniger enigmatisch als Anthony Hopkins) und der Düsternis, die er mitbringt, ist explosiv.

Nicht nur sind die Dialoge brilliant, die Bilder fast schmerzhaft intensiv und poliert und die Fälle – sehr mutig – über die Folgen hinweg miteinander verknüpft, so dass richtiges Drama entsteht; vor allem zieht uns Fuller moralisch den Boden unter den Füßen weg. Selbst Dexter hat immer noch ein Gut/Böse-Schema: Dexter ist ganz klar ‚krank‘ und nutzt, um dieser Krankheit Herr zu werden, das bestmögliche Ventil. In Hannibal dagegen ist fast niemand wirklich gut – und niemand wirklich böse. Nicht Hannibal Lecter, und auch keiner der Killer, die er fangen hilft. Kratzt Bryan Fuller damit an einem der letzten gesellschaftlichen Tabus, auf die wir uns über alle Differenzen hinweg einigen können?

Hannibal ist ein Schlag in die Magengrube, optisch unglaublich poliert, und für uns eine der aufregendsten Shows der letzten Jahre. Genießen wir sie, so lange sie da ist; NBC hat die Serie am späten Donnerstagabend untergebracht; noch dazu ohne erfolgreiches „Lead-in“, also einen Quotenknaller, nach dem die Zuschauer zu faul sind, den Kanal zu wechseln.

Anspruchsvolle Dramaserien sind außerdem nicht gerade das Aushängeschild des Sitcom-Senders NBC und vielleicht kratzt Bryan Fuller einfach doch an einem Tabu zu viel.

youtube=http://www.youtube.com/watch?v=lZYtRHLX0hA

Update Oktober 2014: Zum Glück sind wir eines Besseren belehrt worden, denn Hannibal geht nächstes Jahr in die 3. Staffel.

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Unterm Strich

Vielleicht nicht die Beste, aber eine der Interessantesten Shows, die im Moment ausgestrahlt werden: Hannibal ist hochpoliert und trotzdem voller Ecken und Kanten. Gerade in der zweiten Staffel hat die Show oft mehr mit einem Kunstfilm zu tun als mit den Blockbuster/Bestseller-Thrillern, auf denen sie basiert.

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  • Daniel
    26. April 2013 auf 20:42

    Hey, danke für diesen Tip. Ich habe aufgrund deiner Rezension damit angefangen, diese Serie zu schauen und bisher gefällt es mir sehr gut!

  • 27. April 2013 auf 09:47

    Das freut mich aber =) Kleiner Tipp: Bevor Du die vierte Folge schaust – falls Du das nicht schon hast – würde ich noch die Webisodes zwischen schieben. Die 4. Folge ist nämlich eigentlich die 5., die ursprüngliche 4. wird wegen des Anschlags in Boston nicht ausgestrahlt. Und die Webisodes zeigen die wichtigen Charakter und Story-Elemente aus der Folge, die nicht gezeigt wird.

  • Myth
    29. September 2013 auf 20:28

    Anscheinend ist es bisher noch niemanden aufgefallen das die Serie einen großen Logikfehler hat. Es heißt das sie weit vor den Ereignissen in Roter Drache spielt, welche sich anfang der 80er Jahre ereignet haben. Doch wird hier in der Serie Technik gezeigt die es noch gar nicht gegeben hat. Auch wird von Ereignisen gesprochen die noch gar nicht stattgefunden haben. (Es hat den Anschein als ob es im Jahr 2013 spielt und nicht in den 70ern wie es sein müsste!)
    Dies zieht die Serie erheblich runter. Deshalb kann man höhstens 2,5 von 5 Sternen geben.

    • 29. September 2013 auf 23:08

      Hannibal spielt definitiv im Jahr 2013. Die Geschichte ist bewusst aktualisiert, so wie auch z.B. Casino Royale oder Skyfall nicht in den Sixties spielen – und Bart Simpson nicht inzwischen 40 Jahre alt ist.

  • 18. Oktober 2013 auf 20:54

    Schon witzig wie Meinungen auseinander gehen… Ich finde die Serie – gerade im Vergleich mit anderen aktuellen Beispielen – überraschend schwach. Es ist mMn von Folge 2 an ersichtlich, worauf das ganze hinausläuft, von einem „Schlag in die Magengrube“ oder gar davon, das Fuller mir moralisch den Boden unter den Füßen wegzieht habe ich traurigerweise nichts gemerkt. Die Gewaltdarstellung ist das witzigste an der ganzen Sache: Sie ist komplett überzogen, so abnormal brutal – und berührt mich nicht im geringsten. Davon, dass die Fälle über mehrere Folgen weg erzählt werden hab ich auch wenig gemerkt… Gut, es gibt den einen „großen“ Fall am Anfang, der bringt ja aber nur den Plot in Gange. Das mit dem zeitlichen Setting ist mir ziemlich egal, ich finde man sollte die Serie als das betrachten, was sie ist. Wenn ich das mache ist sie traurigerweise für mich höchstens Mittelmaß – was schade ist, angesichts der wirklich überzeugenden Darstellung von Mads Mikkelsen. Aber leider kann ich die restlichen Punkte allesamt nicht teilen, so gerne ich das auch tun würde 🙁

    • 22. Oktober 2013 auf 17:12

      Macht ja nichts. Identifikation mit bestimmten Figuren oder filmische „Schläge in die Magengrube“ sind eben sehr subjektiv.

      Dass die Gewalt komplett „over-the-top“ ist, funktioniert (für mich) perfekt im Kontext der surreal angehauchten Gothic/Traum-Atmosphäre von Hannibal, die ja oft mehr mit Tim Burton oder Neil Gaiman zu tun hat als mit einem herkömmlichen Crime-Drama.

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