Paste your Google Webmaster Tools verification code here

TV-Kritik: Doctor Who Folge 1 – Fünf vor Zwölf (The Eleventh Hour)

Fernsehen
Item Reviewed

TV-Kritik: Doctor Who Folge 1 – Fünf vor Zwölf (The Eleventh Hour)

Author

PopKulturSchock bespricht die fünfte Staffel von Doctor Who, einer der kreativsten (und in Deutschland am sträflichsten vernachlässigten) Sci-Fi-Serien überhaupt – mehr oder weniger frei von Spoilern für die aktuelle Episode, möglicherweise aber mit Details zu früheren Folgen. You have been warned.

Der Doctor, letzter der Time-Lords, Charmeur, Helfender und Chaot, hat ein neues Gesicht – das elfte, seit die BBC ihn 1963 zum ersten Mal auf die britischen Bildschirme gebracht hat.

Matt Smith, nicht nur der jüngste sondern nach einer aktuellen Umfrage auch der attraktivste Doctor aller Zeiten, hängt in der spektakulären Anfangsszene der neuen Staffel nur noch mit den Fingerspitzen an seiner telefonzellen-förmigen Zeitmaschine, der TARDIS, die unkontrolliert auf London zusteuert.

Matt Smith als Doctor

Diese Szene ähnelt verdächtig dem traditionellen Doctor Who-Vorspann, der zwar technisch aufgemotzt ist, aber immer noch genau das gleiche zeigt wie in den 60ern: die haltlos durch Raum und Zeit stürzende TARDIS. Steven Moffat, Autor der Folge und seit dieser Folge Showrunner von Doctor Who, verbeugt sich also vor seinen Vorgängern und outet sich gleichzeitig als Fan

Als Moffat Doctor Who kennengelernt hat, war er noch ein Kind, und vielleicht ist das ein Grund dafür, dass seine Doctor Who-Folgen (deren diese die fünfte ist) auffällig oft aus der Perspektive eines Kindes beginnen.

So ist es auch hier: TARDIS und Doctor landen einigermaßen wohlbehalten im Vorgarten von Amelia Pond, die darauf mit ihren 10 Jahren erstaunlich stoisch reagiert (andererseits nehmen Kinder ja wesentlich mehr hin als Erwachsene). Gemeinsam mit Amelia lernen wir in den nächsten zehn Minuten – je nach Kenntnisstand – den Doctor oder Matt Smith als Doctor kennen; mit seinen Eigenheiten (oder zumindest einigen von ihnen), seiner Spontaneität (Amelia ist von den zweien definitiv die Erwachsenere) und seinen Vorzügen (Zeitmaschine, Unsterblichkeit, praktischer halb-magischer Allzweckschraubenzieher, übernatürliche Cleverness). Und obwohl der Doctor von seiner „Regeneration“ (dem Übergang von einem Schauspieler zum nächsten) noch geschwächt ist, erleben die beiden kurz darauf schon das erste gemeinsame Abenteuer.

Steven Moffat hat die perfekte erste Folge geschrieben, von der Hommage am Anfang bis zu der (wesentlich ergreifenderen) kurz vor Schluss. Er gibt Matt Smith Gelegenheit, seinen Doctor vorzustellen und den neuen Zuschauern, sich in dessen Welt einzufinden. Gleichzeitig stellt er die Weichen für ganz viel von dem, was in den nächsten zwei Staffeln passieren wird. Denn das kleine Mädchen wächst noch in dieser Folge zur neuen Begleiterin des Doctors heran, und der düstere übergreifende Handlungsbogen der Staffeln wird bedeutungsschwanger angedeutet.

Als Autor ist Moffat brilliant. Schon in den vier vorigen Staffeln hat er jeweils eine Folge bzw. Doppelfolge beigesteuert, und diese Folgen gehören zu den besten Folgen der fünfzigjährigen Doctor Who-Geschichte. Moffat hat dafür nicht nur einen Haufen Preise gewonnen, sondern auch die Aufmerksamkeit Steven Spielbergs erregt, der ihn lange bekniet hat, das Drehbuch für seinen Tim und Struppi-Film zu schreiben.

Und im Vergleich dazu ist Fünf vor Zwölf etwas blass. Zwar ist die Fallhöhe enorm (immerhin droht die Welt, zerstört zu werden) und Doctor Whos Lösungsweg beeindruckend clever, aber der Bösewicht ist „nur“ solide – nicht, wie sonst bei Moffat, eine ans Tageslicht gezerrte Inkarnation unserer am tiefsten vergrabenen Ängste.

Steven Moffats Albtraumpotenzial

Aber Steven Moffat hatte hier eben zum ersten Mal nicht die Freiheit, mit seiner Episode zu tun und zu lassen was immer ihm beliebt, sondern er musste eine Menge Bälle in der Luft halten, und wie gut das gelungen ist, ist beeindruckend. Allein sein Verdienst ist das aber nicht: Matt Smith und Karen Gillan haben eine tolle Dynamik, liefern ihre Dialog witzig und schnell ab, und werden vom Rest des Ensembles auf dem gleichen Niveau unterstützt. Nur das Special Effects-Department hat schon besseres geliefert – bis auf die beängstigenden Zähne kurz vorm Schluss, die auch gleich andeuten, wozu Steven Moffats Vorstellungskraft noch fähig ist.

 

Doctor Who läuft mittwochsabends auf Fox. Wer keine Lust auf Bezahl-Fernsehen hat, die Serie aber trotzdem sehen möchte, kann immerhin einen UK-Import dieser Staffel erwerben (Achtung, es ist die fünfte, nicht die sechste.)

Nächstes Mal: Der Sternenwal →

Bewertung
Wir finden:
Ihr findet:
Hier bewerten
Total
Gesamtwertung
User-Bewertung
Du hast dies bewertet
Eure Meinung zum Artikel
0%
0%
0%
0%
kommentieren
Antworten
  • Hanna
    31. Dezember 2011 auf 00:41

    Super, dass ihr Doctor Who besprecht. Die Serie hat in Deutschland wirklich mehr Aufmerksamkeit verdient. Ich fand „The Eleventh Hour“ auch sehr gut. Zwar sind die Aliens wirklich nicht besonders beeindruckend, aber Steven Moffats Dialoge in dieser Episode sind einfach unschlagbar. Und Matt Smith’s Doctor ist großartig. Was mich interessieren würde: Wie gut ist denn die deutsche Synchronisation? Oder kennt ihr auch nur das englische Original?

    • 2. Januar 2012 auf 11:49

      Die Synchronisation ist m.E. okay, es gibt da wesentlich schlimmeres. Das basiert aber auch nur auf Stichproben, wir gucken eigentlich die Originalfassung.
      Der Sprechstil von Matt Smith lässt sich immerhin einigermaßen passabel synchronisieren – anders als David Tennant. Ob wohl deshalb Staffel 3 und 4 bei uns nicht gelaufen sind?

  • 2. Januar 2012 auf 11:44

    Ja, ich mag Matt Smith auch sehr als Doctor, ich hoffe er bleibt uns noch die ein oder andere Staffel erhalten. Zur Synchronisation kann ich leider nichts sagen, die kenne ich nicht; aber ich kann mir vorstellen, dass die Übersetzung eine Herausforderung war.

  • 20. April 2012 auf 17:38

    Ich bin gerade mit David Tennant fertig und habe mich bisher geweigert, mit Matt Smith anzufangen. Aber ihr habt mich fast überzeugt… 🙂
    Toller Blog, übrigens. Weiter so!

    • 21. April 2012 auf 10:18

      Oh, danke für das nette Lob!
      Ich finde, dass Matt Smith sich wirklich nicht hinter David Tennant verstecken muss, auch wenn der vielleicht noch ein bisschen sympathischer war (findet zumindest Kai, ich kann mich nicht so recht entscheiden). Zumindest was Exzentrik betrifft, stehen sie sich auf jeden Fall in nichts nach. Und die Storyline wird so großartig nach den ersten paar Folgen! Lohnt sich wirklich.

Antwoten

Total

}