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Grabbelkiste: Sommerlektüre

Buch

Wenn er nicht von selbst kommen will, lesen wir ihn halt herbei! 

Frustriert vom Wetter, habe ich in den letzten Tagen zwei Bücher gelesen, deren Cover – natürlich in hellblau – proaktiv die Sonne herbei beschwören. Das eine, Véronique Olmis In diesem Sommer hat mich etwas enttäuscht, das andere dagegen inspiriert mich zu dieser Liste. Es hatte nämlich genau den gewünschten Effekt: Mein Wohnzimmer war plötzlich kein bisschen grau und trist mehr.

williams-im-herzen-des-sturmsBeatriz Williams – Im Herzen des Sturms

Nachdem ich Beatriz Williams‘ Debüt-Roman gar nicht viel abgewinnen konnte, war ich skeptisch – aber diese Geschichte hat mich mühelos in eine andere Welt transportiert. Eine, wo ewig die Sonne scheint (zumindest, bis der Sturm kommt) und wo die großen Gefühle noch ein bisschen größer snd als in unserer Welt. Im Herzen des Sturms ist eine perfekte Sommer-Soap in Buchform, mitreißend und sprachlich viel schöner als der größte Teil der Konkurrenz. Hat mich daran erinnert, dass solche Romane manchmal einfach sein müssen.

Fannie Flagg – Das wundersame Leben der Daisy Fay

Leider ist dieser extrem charmante Sommerroman nur noch gebraucht zu haben, oder im englischen Original. Die Mühe lohnt sich aber für die Geschichte einer abenteuerlichen Kindheit im Mississippi der 50er Jahre.  Daisy navigiert zwischen Fischertouren mit dem Vater – der immer wahnsinnigere Pläne ausheckt, um doch noch irgendwie das ganz große Geld zu machen – und Mrs Dort, die aus Daisy unbedingt eine respektable junge Dame machen will. All das in einer Kleinstadt, in der sich auch die Gilmore Girls zuhause fühlen würden. Ein feel-good Entwicklungs-Roman, der wie so viele andere den amerikanischen Traum beschwört und ansonsten nicht viel mehr will als ein paar Stunden glücklich machen. Dank der authentischen, witzigen Erzählstimme und der skurrilen, durchweg mehrdimensionalen Figuren gelingt das extrem gut.

Elizabeth von Arnim – Verzauberter April

Zugegebenermaßen spielt diese bezaubernde Geschichte nicht direkt im Sommer, aber die italienische Küste im April hat den gleichen Effekt – vor allem im Kontrast zum grauen London, den Elizabeth von Arnim immer wieder heraufbeschwört. In ihrem Roman von 1922 beschließen vier sehr unterschiedliche Damen, einen Monat lang an der italienischen Küste dem Grau zu entfliehen. Aus Kostengründen teilen sie sich ein Castello, obwohl sie sich kaum kennen und unterschiedlicher nicht sein könnten. Und kaum sind sie angekommen, beginnt das Castello seine Magie zu entfalten und das Beste aus jeder Einzelnen hervorzukitzeln. Ich liebe den Verzauberten April so sehr, dass ich ihn jedes Jahr im Frühling wieder hervorkrame und bei den ersten Sonnenstrahlen des Jahres auf dem Balkon genieße.

Mark Childress – Der Bruchpilot

Childress ist ein Autor, der berührend genauso mühelos kann wie bekloppt. Dieser Roman ist auf den ersten Blick vor allem Letzteres, aber hinter der ganzen Verschrobenheit verbirgt sich jede Menge Gefühl. Der „Bruchpilot“ ist ein Rockmusiker, ein Megastar, der in den 70ern bei einem Flug in seinem Schuhkarton von Privatjet einfach verschwindet. Die Welt hält ihn für tot, aber de facto ist Ben „Superman“ Willis gesund und munter. Er findet sich auf einer karibischen Insel wieder, wo er jede Menge Bekannte trifft. Marilyn Monroe zum Beispiel. Und Elvis. Sehr originell und so sommerlich, dass einem selbst bei 15 Grad das Eis zu schmelzen droht.

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Libba Bray – Beauty Queens

Auch Libba Bray, Urheberin sowohl einer nichtssagenden Young Adult-Serie als auch von einem meiner Lieblingsbücher, lässt ihre Protagonisten auf einer Insel stranden – nur sind es bei ihr keine verstorbenen Promis, sondern angehende Schönheitsköniginnen. Die 50 Mädchen sollen in einem nationalen Beauty Contest gegeneinander antreten und haben sich entsprechend gern. Klingt wie eine Parodie von Der Herr der Fliegen, aber Libba Bray gelingt es, mit der der Geschichte ganz woanders hinzugehen. Leider ist Beauty Queens bislang nicht auf Deutsch erschienen, die englische Ausgabe ist aber sehr gut zu lesen.

Mark Twain – Tom Sawyer

Die Kritiker mögen sich ja einig sein, dass Huckleberry Finn das mit Abstand wichtigere Werk ist (die Geburt der modernen amerikanischen Literatur, fand Hemingway). Mir ist Tom Sawyer trotzdem lieber. Ein unmöglicher Zehnjähriger, der in einem langen Südstaaten-Sommer jede Menge Mist ausheckt, ein früher Michel aus Lönneberga – wie soll man da widerstehen? Und Twains Sprache, das musikalische Argot seiner Heimat, macht die Sache gleich noch atmosphärischer.

Dodie Smith – I Capture the Castle

Im englischsprachigen Raum ein Klassiker, ist I Capture the Castle bei uns völlig unbekannt – es gibt eine deutsche Ausgabe mit dem Titel Mein Sommerschloss, die aber nur noch gebraucht zu haben ist. Dabei ist diese Coming-of-Age-Geschichte (von der Autorin der 101 Dalmatiner übrigens) so großartig! Die eigenwillige Cassandra erzählt darin in einem ganz eigenen, witzigen und warmen Ton von ihrer exzentrischen Familie, die in einem verfallenden Schloss auf dem Land residiert und sich jeden Cent vom Mund absparen muss. Besonders warm ist der Sommer auch im England der 30er Jahre nicht – aber eine zentrale Szene des Romans spielt in einer lauen, romantischen Mittsommernacht. Und außerdem liegt mir I Capture the Castle so sehr am Herzen.

Astrid Lindgren – Ferien auf Saltkrokan

Warum eigentlich verströmen die Bücher von Astrid Lindgren den Geruch von ewigem Sommer, nach warmem Heu, Sommersprossen und kühler Limonade? Vielleicht ist ihre Form der Nostalgie deswegen so ansteckend, weil sie ihre eigenen Kindheitserfahrungen in ihren Büchern verpackt hat. In witzigen Episoden und mit Protagonisten, von denen man einfach weiß, dass sie ein Smartphone oder einen Gameboy achtlos im Sand liegen lassen würden, um stattdessen die nächste Höhle zu erkunden. Und keins ihrer Bücher ist so sommerlich wie Ferien auf Saltkrokan, einem idyllischen Inselabenteuer, ein etwas ewachseneres Bullerbü am Meer.

jansson-das-sommerbuchTove Jansson – Das Sommerbuch

Janssons Sommerbuch ist bei uns in Deutschland kaum bekannt, dabei hält es, was der Titel verspricht. Die Mumin-Schöpferin erzählt darin – leicht fiktionalisiert – von den endlosen Inselsommern mit ihrer Großmutter, einer grantigen Künstlerin, in einem gemütlichen Haus auf einer kleinen Insel irgendwo im Finnland der 50er Jahre. Die kleine Tove erkundet ihre Welt und strapaziert die Nerven der Sommergäste, diskutiert mit ihrer Oma existenzielle Fragen und lernt sie zu lieben. Das Sommerbuch ist gerade erst wieder auf Deutsch erschienen, pünktlich zum 100. Geburtstag von Tove Jansson.

Jerome K. Jerome – Drei Mann in einem Boot (ganz zu schweigen vom Hund)

Nicht nur einer meiner liebsten Titel, dahinter verbirgt sich ein ebenso witziges Buch, ein Flussabenteuer mitten im gediegenen England des späten 19. Jahrhunderts. Die „drei Mann“ verstehen sich auf dem Boot plötzlich nicht mehr so gut wie noch vor der Reise, geraten in Streit und in die absurdesten Abenteuer und stellen fest, dass das Leben in freier Wildbahn (auf – und am Ufer – der Themse, um genau zu sein) sich so einfach gar nicht gestaltet. Und der Hund ist sowieso das Beste an der ganzen Sache, ein unsterblicher Held der Literaturgeschichte.

christie-boese-unter-der-sonneAgatha Christie – Das Böse unter der Sonne

Agatha Christie scheint ihre beträchtlichen Fähigkeiten noch zu übertreffen, sobald sie ihre Romane auf einer Insel ansiedelt. Das gilt für Miss Marples Karibische Affaire, noch mehr für ihr bestverkauftes (und für mich auch bestes) Buch Und dann gabs keines mehr – das nur deshalb nicht auf dieser Liste steht, weil die Insel an dem betreffenden Wochenende ungewöhnlich verregnet ist. Und die Regel gilt auch für Poirots 23. Abenteuer in einem Urlaubsresort für die Reichen und Schönen. Agatha Christie nimmt mit viel Humor die britische High Society auseinander, und ihr belgischer Detektiv mit dem großen Schnurrbart löst einen sauspannenden Fall.

 

 

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