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This Time It’s Personal – 2011 war das Jahr des Sequels

Film

„Brumm“-mance: Fast Five

Ein neuer Film einer in die Jahre gekommenen Franchise ist – bekanntermaßen – nicht automatisch ein Grund zu feiern. Im Gegenteil, wenn man sich das Nightmare on Elm Street-Remake/Reboot oder den vierten Pirates of The Carribbean-Film ansieht, kann man nur zu dem Schluß kommen, dass die meisten Serien nach zwei Teilen ihre beste Zeit hinter sich haben. Der Pate III, Die Rückkehr der Jedi Ritter und Alien3 würden zustimmend nicken – und auch Spider-Man 3, würde er nicht gerade in der Ecke stehen und sich schämen.

Aber während meistens die (oft nur gedachte) Zahl am Ende eines Titels einer Warnung entspricht, kommt ab und zu auch mal ein Casino Royale oder ein Batman Begins daher, der einer ausgelaugten Franchise eine dringend benötigte Adrenalinspritze verpasst. Dieses Jahr haben direkt drei Serien mit Qualitäts-Sequels den Stochastikern ins Gesicht gelacht.

Wenige Serien waren so schnell ausgelutscht wie The Fast and the Furious. Während der erste Teil als guilty pleasure nicht ohne Reiz war, ging es schon mit dem zweiten, Vin Diesel-freien Film steil bergab. Obwohl im vierten Teil die meisten Stars des Originals wieder an Bord waren, war die Luft augenscheinlich raus. Umso erstaunlicher also, dass (Regisseur von Teil 3 und 4) Justin Lin mit Fast Five – auch bekannt als The Fast and the Furious: Rio Heist bzw. hierzulande als Fast & Furious 5 – einen der besten Blockbuster des Jahres gedreht hat – und den mit Abstand besten Teil der Serie. Diesmal sind nicht nur die Hauptfiguren des ersten Teils, Vin Diesels Gangster mit Herz und Paul Walkers Ex-Polizist, der Autos mehr liebt als das Gesetz, von der Partie; Lin hat für die riesige Besetzung seines Action- /Crime-/Buddy-Films Charaktere aus allen vier Vorgängern versammelt. Gemeinsam rauben sie mit einem elaboraten Plan Rios mächstigsten Gangster aus. Dabei steht ihnen Hobbs (Dwayne „The Rock“ Johnson) im Weg und sorgt für die testosterongeladensten Szenen seit dem Schwarzenegger-Weathers-Handschlag in Predator – inklusive Muskeln, Schweiß und homoerotischer Untertöne.

Auch wenn es nach wie vor um Verbrecher in schnellen Autos geht, stellt Fast Five mit seinem Heist-Plot das Konzept der Serie auf den Kopf und funktioniert als eine Art prollige Version von Oceans Eleven – etwas dümmer, aber dafür mit mehr Explosionen. Oder, mit anderen Worten: Der perfekte Sommer-Film.

Die zweite große Überraschung war das (Re-)Reboot Rise of the Planet of the Apes – der deutsche Titel Prevolution hat sich einen Platz auf dieser Liste verdient -, das Tim Burtons Version ignoriert und stattdessen eine Vorgeschichte zum Original von 1968 erzählt. Während der erste Film ein oft zitierter B-Klassiker war, hatte die Serie schon mit dem zweiten Teil eine kreative Talfahrt angetreten und ab dem dritten Film versucht, die narrative Lücke zwischen der Gegenwart und dem ersten Film zu schließen. Genau das tut auch Rise, allerdings ist er dabei überzeugender als die alten Affen-Sequels.

Dank Motion-Performance Technologie und einer unglaublich filigranen Performance von Andy Serkis (nach King Kong zum zweiten Mal als Affe) wird die Grenze zwischen Mensch und Primat noch gekonnter verwischt als in früheren Filmen der Serie; dank Serkis ist der Affe Cesar ein so starkes emotionales Zentrum des Films, dass man die menschlichen Darsteller (u.a. James Franco) zeitweise fast vergisst. Im letzten Drittel beeindruckt Rise mit einer elaboraten Actionsequenz auf der Golden Gate Bridge; vielleicht um zu erinnern, dass man es bei aller Subtilität mit einem der größten Blockbuster des Jahres zu tun hat. Als Reboot ist Rise of the Planet of the Apes nicht nur gespickt mit Anspielungen auf das Original, es hat auch – und das ist kein kleines Lob – fast dessen filmisches Kaliber.

Urlaubsvertretung für Spider-Man: Ethan Hunt

Wer die Karriere von Brad Bird verfolgt hat, für den ist der dritte Eintrag in dieser Liste keine Überraschung; eine umso größere Überraschung war dafür, dass der ehemalige Simpsons-Produzent und-Autor sich bei seinem ersten Realfilm direkt in einer der größten Franchises Hollywoods austoben darf. Mit seinem Erstling Der Gigant aus dem All (siehe auch hier) hat Bird direkt ein zeitloses Meisterwerk geschaffen und wurde darauf von Pixar (Toy Story) abgeworben, für die er mit Die Unglaublichen und Ratatouille seine riesige Bandbreite unter Beweis stellen konnte – von Nagetier bis Superheld. Mit derselben Kompetenz inszeniert er Ghost Protocol (Phantom Protokoll), den vierten Mission:Impossible-Film und stellt dabei seine Vorgänger Brian DePalma, John Woo und J.J.Abrams (der Teil 4 mitproduziert hat) in den Schatten.

Während die Handlung diesmal, anders als in früheren Abenteuern der „Impossible Mission Force“ (IMF), relativ gradlinig verläuft, übertrifft Ghost Protocol mit seinen perfekt getimten, parallel geschnittenen Action- und Suspense-Szenen(in erfrischendem 2-D!) nicht nur die drei Vorgänger, sondern jeden anderen Action-Film dieses Jahr.

Nüchtern betrachtet ist M:I4 nicht ganz ohne Schwächen: Der Bösewicht (Michael Nyquist, bekannt aus der schwedischen Verfilmung der Millenium-Trilogie) ist blass und nichtssagend und Tom Cruises Charakter Ethan Hunt ist noch immer ein eindimensionaler Held ohne Ecken und Kanten. Dafür sind die Dialoge pointiert und die Inszenierung verschwendet keine Sekunde, weder in den Actionszenen noch in den stilleren Momenten, und fühlt sich mindestens eine halbe Stunde kürzer an als er tatsächlich ist.

Eine richtige Entscheidung war auch die komplette Umstrukturierung der IMF. Simon Pegg (Hot Fuzz) hat diesmal eine größere Rolle und die M:I-Newcomer Jeremy Renner (demnächst in den Avengers) und Paula Patton sorgen für eine angenehm frische Dynamik. Mission Impossible: Ghost Protocol ist spannend, witzig, clever und unendlich unterhaltsam – und damit in einer Liga mit Blockbuster-Klassikern wie Der Weiße Hai und Stirb Langsam.

Nächstes Jahr stehen unter anderem Marc Webbs Spider-Man-Reboot, Stallones Expendables 2, ein neuer American Pie und David Finchers Verblendung an – als Remakes/Sequels eigentlich allesamt Kryptonit für Cineasten. Nach dem Kinojahr 2011 kann ich aber sagen, dass ich mich – ohne Einschränkungen und ganz unironisch – auf alle diese Filme freue.

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  • 19. Dezember 2011 auf 21:15

    Alien 3 war eine Katastrophe! Endlich mal jemand, der es ähnlich sieht!!
    „in erfrischendem 2-D“ – da musste ich schmunzeln. Eine Selbstverständlichkeit ist das ja leider nicht mehr!

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