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Steampunk 101, Teil 2 – Die Vorläufer

Buch

Steampunk gibt es offiziell seit 1987, aber die ersten Vorläufer finden sich viel früher. Für so wichtig wie lesenswert halten wir die folgenden:

Mary Shelley – Frankenstein (1818)

Frankenstein ist kein Monster, Viktor Frankenstein ist Wissenschaftler – fanatisch ist er allerdings, und von Ehrgeiz und Wissensdurst zerfressen. An der Universität Ingolstadt frönt er seiner Obsession, künstliches Leben zu schaffen – und schließlich gelingt es ihm, seinem Monster solches einzuhauchen.

Mary Shelley schreibt nicht aus der Perspektive des viktorianischen Zeitalters, denn als der Frankenstein erschien, war Queen Victoria noch nicht geboren. Eigentlich wollte Mary Shelley eine Gothic-Geschichte schreiben – das war die Aufgabe, die sie, ihr späterer Ehemann Percy, Lord Byron und ein paar Freunde sich in einem verregneten Sommer am Genfer See stellten. Das Monster und die zerrissene Hauptfigur waren typisch für die Schauerliteratur. Aber Mary Shelley war nicht nur Romantikerin, sondern auch politisch und gesellschaftlich interessiert. In dem Versuch, ihre Einstellung zu Aufklärung und Wissenschaft im Frankenstein zu verpacken, schafft sie unbeabsichtigt ein Genre: Science Fiction.

Vor allem deshalb ist der Frankenstein einer der wichtigsten Vorläufer des Steampunk, aber daneben hat er ihm auch ein Motiv vererbt: das des wahnsinnigen Wissenschaftlers, der nicht nur seine Integrität, sondern oft genug auch Leben (bevorzugt die anderer) für seine Idee opfert.

Jules Verne – 20.000 Meilen unter dem Meer (1869)

Auf der Suche nach einem Seeungeheuer reisen Professor Aronnax und sein Diener Conseil in den Nordpazifik. Als sie das Ungeheuer schließlich finden stellen sie fest: Es ist aus Stahl. Captain Nemo und seine Mannschaft haben der Menschheit entsagt und erforschen von dem U-Boot Nautilus, einem technischen Wunderwerk, aus die Meere. Nachdem die Nautilus ihr Schiff zerstört hat, nimmt Nemo den Professor und seinen Diener mit auf eine Reise um die Welt.

Jules Verne hatte zu Beginn seiner Karriere Probleme, einen Verleger zu finden – die Verlagshäuser fanden seine Roman zu wissenschaftlich. Tatsächlich ist 20.000 Meilen unter dem Meer der prominenteste von Jules Vernes Science Fiction-Romanen, aber auch die anderen vier Bände, die in der Reihe „voyages extraordinaires“ (außergewöhnliche Reise) erschienen sind, stecken voller technischer Wunder bis hin zur Reise ins All. Nicht nur Professor Aronnax und Captain Nemo, sondern fast alle wichtigen Figuren in dieser Serie sind wissenschaftlich interessiert oder einfach neugierig, und sie entscheiden sich oft selbst, ins Abenteuer zu ziehen. Diese Abenteuerlust ist, genau wie viele von Vernes Erfindungen, zu einem ikonischen Steampunk-Motiv geworden.

H. G. Wells – Die Zeitmaschine (1895)

Schwer vorstellbar, aber bevor der junge H. G. Wells im Sommer 1893, ans Bett gefesselt und gelangweilt, diese Novelle schrieb, gab es das Wort Zeitmaschine nicht – und selbst das Konzept der Zeitreise war nur ein paar Wissenschaftlern überhaupt in den Sinn gekommen. Kaum hatte Wells seine Time Machine aber veröffentlicht, war das Konzept in aller Munde.

Wells ging es um ganz andere Themen als die meiste Steampunk-Literatur: Seine Visionen der Menschheit der Zukunft sind allesamt finster, seine Novelle ist Konsum- und Gesellschaftskritik. Aber die Zeitmaschine aus Messing und Kupfer, mit Zahnrädern, Federn und riesigen Hebeln, hat dem Design des Steampunk einen dicken Stempel aufgedrückt. Das gilt ganz besonders für George Pals Verfilmung von 1960.

Honorable Mentions:

Mervyn Peake – Titus Alone (1959)

Im dritten und letzten Teil von Mervyn Peakes zehnbändig geplanter Fantasy-Serie Gormenghast verlässt Protagonist Titus seine Heimat, das mittelalterliche Schloss Gormenghast, und stolpert in eine futuristische Stadt. Kein Steampunk, nimmt aber einige seiner Themen vorweg – und spielt, anders als die oben stehen Titel, nicht in der Gegenwart.

Brazil (1985)

Endlos lange, dampfende Rohre und winzige Schwarzweiß-Fernseher sind das Nonplusultra des technischen Fortschritts in diesem dystopischem Meisterwerk, das Regisseur Terry Gilliam kurz vor der literarischen Geburt des Steampunk gedreht hat. Im gleichen Zug kann man auch Time Bandits und Adventures of Baron Munchhausen nennen; Gilliam hat den Steampunk einfach im Blut.

Steampunk 101, Teil 1 – Das Genre, die Themen, die Nachbarn

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