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Spiel-Kritik: Dishonored – Die Maske des Zorns

Auch ohne offene Welt gibt der neue Titel des Skyrim-Entwicklers dem Spieler ungewohnte Freiheit

Spätestens seit dem riesigen Erfolg des epischen open-world Rollenspiels Skyrim reitet das amerikanische Studio Bethesda auf einer Erfolgswelle. Auch das neue Spiel ist alles andere als ein Geheimtipp: Dishonored – Die Maske des Zorro Zorns wurde auf der Gamescom mit Preisen überschüttet und ist eins der meistbeachteten Spiele des Jahres.

Oberflächlich haben Bethesda die quasi-Steampunk-Ästhetik von Bioshock mit der Schleichmord-Spielmechanik der Assassin’s Creed-Serie kombiniert. Sprich, bevor man zuschlägt, belauscht  man in schattigen Gassen und auf morschen Dächern seine Opfer, während es im Hintergrund dampft, funkt und zischt.

„Whale-Punk“

Der Spieler schlüpft in die Rolle des kaiserlichen Leibwächters Corvo in der fiktiven viktorianischen Küstenstadt Dunwall. Nachdem die Kaiserin ermordet wird und Corvo die Schuld in die Schuhe geschoben bekommt, muss der zunächst aus dem Gefängnis entkommen, und wird dann Teil einer Verschwörung. Das Ziel: den selbsternannten Regenten zu stürzen und durch die Tochter der ermordeten Kaiserin zu ersetzen.

Rein technisch kann sich die Grafik nicht mit dem realistischen Look von Uncharted 3 oder Crysis 2 messen, aber Dishonored punktet dafür mit dem Design der ehemals blühenden Walfang-Metropole Dunwall (die Hauptenergiequelle ist Walöl, daher die Bezeichnung „Whale-Punk“), die von Seuchen und Ungeziefer geplagt wird. Dishonored versetzt den Spieler in ein atmosphärisch dichtes, interaktives Ölgemälde, in dem alles passt; ob nebelige Gassen und verfallene Gemäuer, oder das diffuse Sonnenlicht, das sich mühsam durch die Industrie-verqualmte Skyline quält oder der Wind, der dem Spieler in luftigen Höhen um die Ohren heult – und für ein erstaunlich realistisches Schwindelgefühl sorgt.

Revolutionäre Entscheidungsfreiheit

Während Grafik, Sound und die dichte Ambient-Streicher-Musik von Daniel Licht (Dexter) für viel Atmosphäre sorgen, macht es vor allem die Spielmechanik schwer, den Controller aus der Hand zu legen. Dishonored baut auf dem Prinzip von Deus Ex: Human Revolution auf und lässt den Spieler tiefgreifenden Einfluss auf seine eigene Entwicklung und die der Welt nehmen. Indem Corvo sich im Schatten versteckt und Konfrontationen meidet oder aber einen Haufen Leichen hinterlässt, beeinflusst er den „Chaos-Wert“, und damit das Spielgeschehen und sein Umfeld in späteren Leveln. Spielt man Corvo als Massenmörder, wird auch die Welt deutlich ungastlicher: Die Straßen sind finsterer und voller Ratten; und Charaktere, die ihm sonst geholfen hätten, greifen an, rufen um Hilfe oder laufen schreiend davon. Es gibt endlos viele Möglichkeiten, Situationen zu bewältigen, und Fähigkeiten und Ausrüsstung lassen sich durch ein effektives Upgrade-System entsprechend anpassen.

Kein O-Ton

Der einzige große Haken ist für mich die Lokalisierung der deutschsprachigen Version (USK und PEGI). Bethesda hat hier wie schon bei Skyrim auf den O-Ton verzichtet. Warum man bei einer Neuerscheinung im Jahr 2012 diese Option nicht hat, ist schwer nachvollziehbar, zumal die englische Besetzung mit Susan Sarandon, Brad Dourif (Herr der Ringe), Lena Headey (Game of Thrones), John Slattery (Mad Men), Michael Madson (Kill Bill), Chloë Grace Moretz, und South Park-Haussprecherin April Stewart ungewöhnlich hochkarätig ist. Wer in den Genuss der englischen Fassung kommen will, muss importieren.

Die Sprecher (ein kleines Synchronsprecher-Who-is-Who) machen ihre Sache immerhin fast durchweg sehr gut. Trotzdem werden die Charaktere nicht so recht lebendig, und die Dialoge klingen, gerade im Vergleich zur englischen Fassung, oft nach aufgesagten Textzeilen. Wer seine PS3 auf Englisch gestellt hat, hat ein zusätzliches Problem: Dishonored erzwingt die Installation zusätzlicher Sprachdateien und läuft dann auf Französisch, ohne dass man die Sprache im Spiel umstellen kann. Der einzige Ausweg ist ein Neustart, der wiederum jedes mal eine langwierige Installation mit sich bringt – offenbar überschreiben sich die französischen und deutschen Sprachdateien gegenseitig.

Revolutionäres Spiel trotz konventioneller Geschichte

Die gradlinig in Kapitel unterteilte Geschichte – inklusive obligatorischem Twist im dritten Akt – bietet zwar nichts atemberaubend Neues, funktioniert aber als effektives Vehikel für die Spielmechanik. Die extreme Freiheit von Dishonored ermutigt einen Groundhog Day-Ansatz: Man möchte bestimmte Situationen immer und immer wieder spielen, um herauszufinden, welches Ergebnis die verschiedensten Strategien haben. Auch wenn sich Dishonored nicht als Grafik-Demo eignet, entsteht durch die atmosphärische Welt und die nie vorher dagewesene Freiheit ein revolutionäres Spielgefühl, das kommende Generationen von Spielen mit Sicherheit maßgeblich beeinflussen wird.

Erschienen für: PC, Xbox360, PS3

Getestet: PS3

Anmerkungen:

  • Bei allem Gemecker über die Synchronisation: Auch die Übersetzung hat manchmal ihren Charme. Beispiel: „Ich werde dich finden, du Hexenfisch!“
  • Wird die USK altersmilde? Die einzigen Schnitte im Spiel sind die von Corvos Messer: Zum Beispiel, wenn man einen überraschten Soldaten mit dem frisch abgehackten Kopf seines Kollegen bewirft.
Negatives

Schwache Übersetzung und keine Option für O-Ton

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