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Rectify: 5 Gründe, die arte-Show zu gucken

Fernsehen
Überblick
Item Reviewed

Rectify, 1. Staffel

Author
16. Oktober 2014
Genre

Drama

Besetzung

Aiden Young, Abigail Spencer, Clayne Crawford, Adelaide Clemens, Bruce McKinnon

Drehbuch

Ray McKinnon

Spielt in

Amerikanische Südstaaten

Jahr

2013

Länge

6 x 40 Minuten

Heute Abend um 22:50 zeigt arte die erste Folge der großartigen Serie Rectify; warum es sich lohnt, so lange aufzubleiben

1. Das Thema

Seit seinem 16. Lebensjahr sitzt Daniel Holden in der „Death Row“ eines amerikanischen Gefängnisses, verurteilt wegen Mordes an seiner Freundin. Nach 19 Jahren gelingt es seinem Anwalt, mit modernen DNA-Analysen das wichtigste Beweisstück des Falls zu entkräften. Holden kommt frei und kehrt zurück in den Schoß seiner Familie.

Rectify ist kein Krimi, der mit der fieberhaften Suche nach dem Mörder das Adrenalin hochdrückt, sondern ein langsam erzähltes, intensives Drama. Die Serie konzentriert sich auf das, was nach Daniels Heimkehr in seiner Mittelstands-Familie losgetreten wird, wie die konservative Kleinstadt in den Südstaaten, in der er aufgewachsen ist, mit seiner Anwesenheit umgeht – und wie er selbst die plötzliche Freiheit verarbeitet.

2. Die Schauspieler

Das mit den Karten gilt auch für Aden Young, der Daniel Holden spielt. Die Rolle ist schwierig, weil Daniel in den 19 Jahren im Todestrakt mehr oder weniger verlernt hat, Emotionen zu zeigen. Trotzdem gelingt es Young, Daniels Gefühlsleben durch die leblose Fassade durchschimmern zu lassen. Rectify ist aber auch sonst hervorragend besetzt: Abigail Spencer spielt Daniels Schwester Amantha, Anfang 30, kühl, um nicht zu sagen verhärmt, und absolut von Daniels Unschuld überzeugt; Clayne Crawford als Daniels Stiefbruder, All-American Boy, Autohändler und zutiefst skeptisch was seinen Bruder betrifft; und vor allem Adelaide Clemens als Teds sanfte, Hardcover-christliche Frau Tawney.

3. Die Drehbücher

Rectify ist unglaublich gut geschrieben. Das gilt für das Erzähltempo, das immer genau im richtigen Moment innehält und seinen Charakteren ganz viel Raum gibt, sich zu entfalten. Für die Entscheidung, was wann erzählt wird, wann wir was über die Vergangenheit erfahren und wo es dann doch mal ein „konventionelles“ Spannungs-Element geben darf.  Dadurch sind wir immer in einer Grundspannung, ohne einer Auflösung so sehr entgegenzufiebern, dass darüber der Blick auf die Charaktere verstellt wird. Und das gilt – zumindest in der Originalversion – auch für die Dialoge. In Daniels Familie ist Offenheit nicht unbedingt üblich, und deshalb passiert ganz viel zwischen den Zeilen.

4. Der Look

Rectify sieht ungewöhnlich aus, mehr wie ein Indie-Film als wie eine Fernsehserie. Die Show geht zwar nicht in visuelle Extreme wie zum Beispiel Hannibal, lenkt aber bewusst die Aufmerksamkeit auf den Look: Handkamera, bewusste Unschärfen und asymmetrische Bildkompositionen – all das hat einen Nouvelle Vague-Vibe, und Serien-Schöpfer Ray McKinnon kreuzt das mit expressionistischen Farben, die Szenen oder Handlungsstränge bewusst mal in kalte, mal in warme Farben taucht oder ihnen – gerade in den Gefängnisszenen – alles Farbige entziehen.

*McKinnon hat Folgen für Sons of Anarchy und Deadwood geschrieben, außerdem das Drehbuch für Filme wie O Brother, where art thou.

5. Die Grautöne

Wir wissen anfangs nicht, ob Daniel das Mädchen umgebracht hat oder nicht, auch wenn diese Frage im Laufe der ersten Staffel mehr oder weniger aufgelöst wird. Aber Ray McKinnon*spielt geschickt mit unseren Erwartungen an den Charakter und lässt sich lange nicht wirklich in die Karten gucken. Noch interessanter als die Schuldfrage ist und bleibt aber, wie Daniel mit der Freiheit umgeht. Denn natürlich ist er froh, die „Death Row“ zu verlassen – aber andererseits war er ein Teenager, als er zuletzt mit der Welt draußen interagiert hat, und er wirkt wie ein aus der Zeit Gefallener. Und während er die ersten holprigen Schritte tut, beobachtet ihn eine ganze Stadt, in der jeder Einzelne genau zu wissen glaubt, wer Daniel Holden ist. Mit all diesen Themen geht Rectify sehr sensibel um, ohne auch nur einen seiner Charaktere zu verurteilen.

Die erste Staffel von Rectify hat sechs Folgen, die arte jeweils in Zweierblöcken zeigt. Wem die Serie zu spät läuft – die zweite Folge ist jeweils erst nach Mitternacht zu Ende -, der kann auch auf die DVD zurückgreifen: Die Box erscheint morgen.

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Rectify ist eine der besten TV-Shows der letzten Jahre und verdient jeden einzelnen Zuschauer.

Pop/Kultur/Schock: KULTUR

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  • 18. Oktober 2014 auf 16:44

    Die 5 Punkte motivieren mich doch nochmal mehr an der Serie dranzubleiben. Von daher danke für den Artikel! 😀
    Weil mir 22:50 Uhr doch zu spät ist, habe ich die Folgen aufgenommen und heute die erste geschaut. An und für sich finde ich das Thema sehr spannend, aber die schauspielerischen Leistungen fand ich etwas gestelzt und das Tempo war mir etwas zu langsam. Ich denke aber, dass ich dran bleiben werde – jetzt jedenfalls 😉
    Über 22:50 Uhr muss man sich wohl aber schon freuen, zuerst hieß es in der Ankündigung, dass die Folgen 0 Uhr beginnen :-/

    • Desirée Löffler
      18. Oktober 2014 auf 17:39

      Arg, ich muss das Disqus-System noch meistern… 😉
      Echt, gesteltz? Fand ich gar nicht, vielleicht liegt es an der Synchro? Aber das Tempo bleibt tatsächlich so langsam. Ich bin mal gespannt, wie’s Dir in ein paar Folgen gefällt.

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