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PopKulturChat: Ursula Poznanski (Fünf)

Buch

Ursula Poznanski hat mit ihrem ersten Roman Erebos den Jugendliteratur-Preis und spätestens mit dem zweiten, Saeculum, eine treue Anhängerschar gewonnen. Beide Romane leben davon, dass man als Leser nie so recht weiß, in welchem Genre man sich genau befindet und wohin die Autorin uns führt. Jetzt hat Ursula Poznanski ihren ersten Roman für Erwachsene geschrieben: Fünf – ein erstaunlich traditioneller Thriller mit einem umso überraschenderen Twist. In unserem Interview haben wir mit ihr über ihr neues Buch gesprochen.

PKS: Was war zuerst da bei Fünf, die Ausgangslage, die Auflösung, die Figuren?

UP: Das Thema war als erstes da. Bei schönem Wetter gehe ich gern mit meinem Sohn geocachen und damals hatten wir gerade damit angefangen, es war eine unserer ersten Touren. Ab und zu stößt man auch auf Behälter, die schon etwas länger im Freien liegen und nicht mehr ganz so schön aussehen wie zu Beginn. Das war damals der Fall und ich dachte mir beim Öffnen der Dose: Eigentlich könnte da wirklich alles drin sein. Das hatte durchaus etwas Gruseliges, und der Gedanke hat in meinem Kopf einige Zeit lang weitergearbeitet.

PKS: Aber Geocacher sind ja eigentlich relativ harmlose Menschen, oder?

UP: Absolut. Sehr häufig sind es ganze Familien oder Freundesgruppen, die sich gemeinsam auf die Suche machen. Mir ist noch nie etwas Widerliches in einem Cache untergekommen, maximal ein enthaupteter Schlumpf.

PKS: Wie haben Sie die Erzählstimme von der Kriminalbeamten Beatrice Kaspary entwickelt? Die ist ja sehr speziell.

UP: Während des Plottens kommen einem die Figuren allmählich näher, mir geht das zumindest so. Und dabei ergibt sich fast etwas wie ein Zwiegespräch, bei dem sich der Erzählstimme sehr gut „nachspüren“ lässt. Was lustig war: Beatrice war meine erste weibliche Protagonistin, in den beiden Büchern davor waren es jeweils junge Männer. Das war eine spannende Abwechslung und vielleicht ist Beatrice mir dadurch noch eine Spur unmittelbarer von der Hand gegangen, obwohl ich nicht allzu viel mit ihr gemeinsam habe.

PKS: Beatrice Kaspary ist ja nicht nur sympathisch…

UP: Nein, sie hat durchaus ihre Schwächen, und die sind nicht allesamt charmant.

PKS: Sie vertrauen aber darauf, dass Ihre Leser trotz ihrer Fehler oder gerade wegen dieser Fehler Beatrice Kaspary mögen und ihr folgen?

UP: Das hoffe ich, ja. Ich halte Beatrice auch keineswegs für eine unsympathische Figur. Ihre Schwächen ergeben sich zu großen Teilen daraus, dass sie sich zu viel aufhalst, und ich glaube, das können recht viele nachvollziehen.

PKS: Hoffmann, ihr Chef, ist ja dagegen … sagen wir mal, gar nicht sympathisch. Glauben Sie, dass das eine realistische Figur ist?

UP: Ich erzähle ja aus Beatrices Perspektive, und sie kommt mit Hoffmann überhaupt nicht zurecht. Für sie stellt er sich also genau so dar, wie er im Buch rüberkommt. Rechthaberisch, frauenfeindlich und despotisch. Ich kann mir aber vorstellen, dass Hoffmann auf andere Leute, die ein bisschen mehr auf seiner Wellenlänge sind, gar nicht so unangenehm wirkt. Mit Beatrice stimmt die Chemie aber eben so gar nicht, sie krachen jedes Mal aneinander, auf die eine oder andere Weise.

PKS: Glauben Sie, dass Frauen bei der Polizei tatsächlich nicht unbedingt einen ganz leichten Stand haben?

UP: Ich kann mir zumindest gut vorstellen, dass es da und dort so ist, ganz bestimmt ist es aber nicht zu verallgemeinern. Die Problematik besteht doch in vielen Berufswelten nach wie vor, es liegt meiner Ansicht nach aber nicht so sehr an der Art der Tätigkeit, sondern an denen, die sie ausüben. Es lässt sich also leicht vorstellen, dass ein Mensch wie Hoffmann, der eventuell zur Polizei gegangen ist, um ein Bedürfnis nach Macht zu stillen, diese Macht auch seinen Mitarbeitern und Untergebenen gegenüber auslebt.

PKS: In Fünf kommt ja sehr, sehr viel Musik vor, zwar immer nur am Rande, aber dafür konstant. Haben Sie selber diese Musik gehört, als Sie den Roman geschrieben haben?

UP: Ich höre meistens Musik beim Schreiben, aber nicht diese Art. Meiner Meinung nach baut Musik sehr starke assoziative Brücken zu früheren Erlebnissen, zumindest geht es mir oft so. Man hört ein Lied und hat sofort eine bestimmte Situation vor Augen, auch wenn sie vielleicht Jahre zurückliegt. Manche Lieder projizieren ganz starke Bilder und Erinnerungen ins Bewusstsein. Das habe ich unter anderem benutzt, um Beatrice in ihre Vergangenheit zurück zu katapultieren.

PKS: Verbinden Sie denn mit jedem Ihrer Bücher auch die Musik, die Sie dabei gehört haben?

UP: Ja, bis zu einem gewissen Grad. Ich hör immer Film-Soundtracks. Ich kann nicht schreiben, wenn jemand singt, das heißt ich brauche reine Instrumentalmusik, und da sind Film-Soundtracks einfach toll. Weil sie auch sehr stark mit Emotionen spielen. Ich habe eine ganze Sammlung von Soundtracks auf dem Computer und wechsel gerne ein bisschen ab; es gibt aber bei jedem meiner einige, die ich extrem häufig spiele ,weil sie sehr gut zur Stimmung passen. Bei Fünf habe ich zum Beispiel häufig „Inception“ und „K-Pax“ gehört.

PKS: Klappentexte sind ja bei Büchern, wie Sie sie schreiben, extrem wichtig: Spannend, von Twists getragen etc. Wie viel Mitspracherecht haben Sie denn dabei?

UP: Das ist unterschiedlich. Manchmal hab ich selbst schon eine Idee für einen Klappentext, und er wird in ähnlicher Form übernommen, manchmal hat der Verlag auch völlig andere Ideen und setzt sie um. Aber bisher war das Ergebnis immer gut.

PKS: Nach welchen Kriterien haben Sie denn bei denen, die Sie selber geschrieben haben, entschieden wie viel Sie verraten?

UP: Ich bemühe mich, möglichst viel offen zu lassen und nur die Stimmung des Buchs in den Klappentext zu verpacken, plus einigen Hinweisen zum Plot natürlich. Bei „Fünf“ habe ich den Klappentext beispielsweise gemeinsam mit meiner Lektorin verfasst und das Ergebnis ist genau nach meinem Geschmack. Es wird nicht zu viel vom Buch verraten, aber auch nicht zu wenig.

PKS: Die Konkurrenz am Thriller-Markt ist ja wesentlich größer bei Büchern für Erwachsene als bei Spannungs-Romanen für ältere Jugendliche. Was hebt Fünf ab?

UP: Ich habe eine Schwäche für Rätselplots, das merkt man in „Fünf“ wieder ganz stark und das ist möglicherweise nicht wirklich typisch für einen Thriller. Ich denke auch, dass das Thema „Geocaching“ bisher nicht in kriminalistischem Zusammenhang verarbeitet wurde. Darüber hinaus hoffe ich natürlich, dass die Figuren, die Geschichtenkonstruktion und die Auflösung „Fünf“ von anderen Spannungsromanen abheben.

PKS: Gerade Frauen, das finde ich auffällig, schreiben oft sehr, sehr brutale Thriller, wo die Gewalt sehr im Vordergrund steht. Fünf ist ja jetzt auch nicht unbedingt zimperlich. Warum, glauben Sie, ist das so?

UP: Die kurze Antwort lautet. Es trägt zu Spannung und Gänsehautfeeling bei. Um etwas weiter auszuholen: Ich würde keine „Effekte“ einbauen, wenn sie nicht zum Plot passen. Mir geht es keinesfalls darum, meinen Blutzoll so hoch anzusetzen, dass der hartgesottene Thriller-Leser auch sicher zufrieden ist; ich glaube, beziehungsweise ich hoffe, dass ich blutige Szenen nur dort einbaue, wo sie motiviert sind und am Ende einen Sinn ergeben. Ich kann mir sehr gut vorstellen, einen Krimi oder einen Thriller zu schreiben, der ganz ohne diese blutige Elemente auskommt. Aber das muss dann ebenfalls zur Geschichte passen.

PKS: Ist das wohl ein Phänomen unserer Zeit oder ist das universell mit diesem vielen Blut?

UP: Schwer zu sagen. Der Trend existiert ja schon länger, er hat, wenn ich mich nicht täusche, mit Thomas Harris begonnen, mit den Hannibal Lecter-Romanen, die richtig, richtig blutig waren. Seitdem sind Romane dieser Machart auf dem Markt und ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass sie allzu bald verschwinden werden..

PKS: Was haben Sie denn mitgenommen von Fünf?

UP: Erstens die Ermittler, die mich noch ein Stück begleiten werden – zumindest einen weiteren Roman mit den beiden wird es geben. So betrachtet ist „Fünf“ für mich nicht wirklich abgeschlossen. Außerdem mitgenommen habe ich eine sehr, sehr positive Schreiberfahrung und die Freude darüber, dass ich auch für Erwachsene schreiben kann – wobei ich das Jugendbuch nicht missen möchte. Beide Genres haben ihre unwiderstehlichen Vorteile.

PKS: Das heißt, Sie haben dem Jugendbuch jetzt nicht komplett den Rücken zugewandt?

UP: Überhaupt nicht! Ich schreibe mit Begeisterung beides und bin glücklich, dass ich das darf und beides gut angenommen wird.

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