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PopKulturChat: Pete Trewavas (Marillion, Transatlantic)

Musik

Der Marillion-Bassist spricht über Prog, Filesharing, das neue Album und die Rückkehr von Transatlantic

Benannt haben sie sich ursprünglich nach J.R.R. Tolkiens Silmarillion, aber mit Fantasy- und Sagen-Prog wie dem Epos „Grendel“ haben Marillion schon seit Jahrzehnten nichts mehr am Hut. Den selbigen hat Gründungsmitglied Fish 1989 genommen; seitdem hat die Band mit Steve Hogarth einen neuen Sänger und einen anderen Sound. Derzeit sind sie mit der Tour zu ihrem aktuellen Album Sounds That Can’t Be Made unterwegs. Nachdem ich mich mit Bassist Pete Trewavas vor ein paar Wochen über seine Einflüsse unterhalten habe, ist hier – mit etwas Verzögerung – der Rest des Interviews.

PopKulturSchock: Marillion sind im Moment wieder unterwegs. Wie läuft die Tour bisher?

Pete Trewavas: Es läuft wirklich, wirklich gut. Es ist schön, endlich ein neues Album zu haben und auf der Bühne neue Musik zu spielen. Und die Reaktionen sind sehr positiv.

PKS: Das neue Album ist auch bei den Fans und Kritikern sehr gut angekommen. Warum mögen die Leute es wohl mehr als die letzten paar Alben?

PT: Wir versuchen halt immer kreativ zu bleiben und ums immer neu zu erfinden. Und ich glaube mit Sounds That Can’t Be Made ist uns eine gute Balance gelungen, zwischen neuen Ansätzen, neuen Ideen und unseren Stärken. Eine davon ist, wie wir zusammen spielen und dass dabei oft mehr rauskommt als nur Musik und Texte. Leute können sich wirklich in die Songs hineinversetzen, so dass sie zu etwas Persönlichem werden. Das ist natürlich toll, es heißt wir machen mit unserem Songwriting etwas richtig, wenn es die Leute bewegt. Und dieses Album scheint die Leute sehr zu bewegen.

PKS: Wo wir gerade vom Songwriting sprechen: War „Gaza“ von Anfang an als eine Art Suite geplant?

PT: Das Konzept kam daher, dass wir viele Ideen hatten, die in eine ähnliche Kategorie fallen, also einen leicht nahöstlichen Klang hatten, was für uns ungewöhnlich ist. Und auch die Thematik von Gaza ist ja eher ungewöhnlich und schwierig…

PKS: …womit wir beim Thema wären…

PT: …klar. Ich möchte aber über „Gaza“ nicht allzuviel sagen, man sollte den Song einfach hören. Ich glaube, ein paar Leute hat der Name erst mal abgeschreckt, die sind dann davon ausgegangen, dass wir uns mit „Gaza“ auf eine Seite schlagen. Aber im Song geht es wirklich eher um die humanitäre Katastrophe.

PKS: Aber der Song ist schon politisch…

PT: Nein, er ist nicht politisch, er betrachtet einfach ein Problem.

PKS: Gab es denn Kritik?

PT: Interessanterweise viel weniger als wir erwartet hatten. Und gerade von den Menschen aus der Region war das Feedback sehr positiv. Eigentlich wollte Steve (Hogarth, Anm. d. Red.) selbst nach Gaza reisen, aber das hat sich schnell als unmöglich herausgestellt. Immerhin konnte er mit vielen Menschen reden, die dort leben und arbeiten, und sich so ein Bild von den Zuständen machen.

„Vielleicht werden wir einfach nur alt“

PKS: Sounds That Can’t Be Made ist kein Konzeptalbum, richtig?

PT: Richtig, und das ist auch gut so. Für mich ist es quasi eine Art „Schwester“ von Afraid of Sunlight; auf beiden Alben steht jeder Song für sich, und jeder hat das Potential, ein Favorit zu werden.

PKS: Es gibt so einen melancholischen Vibe, der sich durch das ganze Album zieht. War das beabsichtigt oder lese ich jetzt zu viel in die Musik hinein?

PT: (lacht) Vielleicht werden wir einfach nur alt. So hatte ich es noch nicht gesehen, aber jetzt wo du es sagst… die Songs klingen wirklich alle ein bisschen melancholisch, nicht wahr? Vielleicht liegt es an den Keyboard-Sounds. Man kann ja mittlerweile alte Synthesizer oder Mellotrons sehr gut mit Software emulieren und sich dadurch auf eine Art Zeitreise begeben, zumindest klanglich.

PKS: Begegnen Dir eigentlich nach mehr als 20 Jahren immer noch Fans, für die Steve Hogarth der „Neue“ ist und für die nur die Marillion der Fish-Ära die „echte“ Marillion waren?

PT: Sehr selten. Steve ist jetzt so lange in der Band, es ist langsam Zeit für die Leute, damit abzuschließen. Weißt du, ich war zum Beispiel ein riesiger Beatles-Fan. Aber irgendwann war ich an dem Punkt, als noch alle gelebt haben, wo ich gedacht habe, dass eine Reunion gar nicht unbedingt eine so gute Idee wäre. Und die Leute, denen die „alten“ Marillion viel bedeutet haben… ich meine es ist toll, die Erinnerungen zu haben, aber irgendwann ist es Zeit loszulassen.

„Ich bin mir nicht sicher, ob wir je wirklich progressiv waren“

PKS: Habt ihr denn damals überlegt, den Namen der Band zu ändern?

PT: Ja, und wir haben auch Jahre später noch diskutiert, ob es richtig war, den Namen zu behalten. Aber damals war es für uns ein gutes Sprungbrett für einen neuen Anfang, und unser Label war begeistern, dass sie mit dem Namen eine „neue Version“ der Band vermarkten konnten.  Aber ja, vielleicht hätten wir den Namen besser geändert.

PKS: Habt ihr auch überlegt, euch vom Begriff „Prog“ zu distanzieren?

PT: Klar, wir schon, andere Leute aber nicht. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wo ich unsere Musik einordnen würde. In letzter Zeit kommt „Prog“ seltsamerweise wieder in Mode, nicht zuletzt durch das „Progressive Rock Magazine“, aber ich weiß nicht, ob wir progressiv sind. Ich bin nicht mal sicher, ob wir je wirklich progressiv waren. Als wir unseren ersten Plattenvertrag unterzeichnet haben, konnten Bands noch etwas mehr experimentieren und auch Fehler machen, bevor sie ihren Stil gefunden haben. Als wir angefangen haben, haben wir selbst gerade viel Prog gehört, aber unser Sound hat sich ziemlich schnell geändert, und wir waren eher eine Rock-Band als eine Prog-Band. Aber Leute verpassen uns gerne das Etikett Prog…

PKS: …Leute lieben Etiketten…

PT: …das tun sie wirklich, und das ist schade. Aber es ist halt bequem, wenn man die Musik die man hört, irgendwo einordnen kann. Ich kann das verstehen.

PKS: Die Musikszene hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt; zum Beispiel werden nicht mehr viele CDs verkauft. Was hat sich für Marillion verändert?

PT: Wir arbeiten noch immer genau so hart und wir haben inzwischen unser Schicksal selbst in der Hand. Wir sind natürlich auch in einer einzigartigen Situation; wir haben überall auf der Welt treue Fans, so dass wir regelmäßig auf Tour gehen und auch Merchandise verkaufen können. Klar, CDs verkaufen sich schlechter, aber andere Sachen verkaufen sich dafür besser. Vor ein paar Jahren gab es eine große Panik, dass sich Singles nicht mehr verkaufen. Aber dafür kaufen die Leute jetzt andere Sachen, zum Beispiel Klingeltöne. Es ist also nicht so, dass plötzlich nichts mehr gekauft wird – Leute geben zum Beispiel ein Vermögen für Apps aus; man muss sich halt dem Markt anpassen. Das Geld kommt nicht mehr unbedingt von verkauften Alben.

PKS: Aber hat man als neue, unbekannte Band heutzutage noch eine Chance?

PT: Wenn man einen Plattenvertrag bei einem der großen Labels will, dann nein, das ist so gut wie unmöglich. Aber dafür kann man seine eigene Website haben, und auch ohne Plattenfirma gibt es unabhängige Anbieter, die deine Musik vertreiben, zum Beispiel über iTunes und Spotify. Es kann also funktionieren, aber am wichtigsten ist, dass man Musik macht, die Leute wirklich hören wollen. Wenn Leuten Musik gefällt, dann wollen sie sie nach wie vor kaufen. Ich bin kein Fan von Filesharing-Websites wie Pirate Bay, aber das Internet ermöglicht, dass deine Musik entdeckt wird. Vielleicht wird sie kostenlos entdeckt, aber wenn den Leuten gefällt was sie hören, dann kaufen sie es am Ende trotzdem, selbst wenn es nur für ein paar Cents auf iTunes ist.

„Wir geben die ganze Zeit an“

PKS: Wie sieht es eigentlich mit deiner anderen Band aus, Transatlantic?

PT: Ich weiß gar nicht, ob ich dazu… sagen wir so, es gibt ein Zeitfenster Anfang bis Mitte nächsten 2013, wo ich glaube, dass alle Zeit haben. Wir planen also uns zu treffen, wahrscheinlich wieder in Amerika, in Nashville bei Neal (Morse, Anm. d. Red.), so wie letztes Mal, und möglicherweise ein neues Album aufzunehmen. Wenn jetzt also nicht Flying Colors oder eine von Neal und Mike (Portnoy)s  anderen Bands plötzlich riesigen Erfolg hat und keine Zeit bleibt, dann wird da hoffentlich was draus.

PKS: Hast du von Transatlantic irgendetwas mitgenommen zu Marillion?

PT: Nein, ich glaube nicht. Ich hatte musikalisch schon immer diese Seite. Als ich mit Bass spielen angefangen habe, mit ungefähr 12, habe ich vor allem Yes und Genesis und Camel und Caravan gehört. All diese Bands wie Jethro Tull und Pink Floyd. Ich hab damals Bass gelernt, indem ich die Bass-Parts von diesen Alben gelernt habe; wenn ich etwas nicht spielen konnte, habe ich solange geübt, bis es geklappt hat. Was ich von Transatlantic mitgenommen habe ist, dass ich besser vorbereitet zu den Proben komme. Bei Transatlantic haben wir so wenig Zeit zusammen, dass man perfekt vorbereitet sein muss. Wir proben nur zwei oder drei Tage vor einer Tour, auf der wir dreieinhalb Stunden Musik spielen. Wenn man da nicht seine Hausaufgaben gemacht hat, wenn man einfach erscheint und sich denkt „hmm, wie spielt man wohl diesen Song“, dann …

PKS: … das ist fast schon unheimlich, wie man sich derart lange Songs merken kann.

PT: Es ist hart, keine Frage. Ich habe vor der letzten Tour mehr als einen Monat alleine geübt. Und es war halsbrecherisch, die Tour war wirklich hart. Aber ich bin wirklich stolz auf das was wir geleistet haben. Außerdem hat es riesigen Spaß gemacht. Mit guten Musikern zusammenzuarbeiten, macht immer Spaß; deshalb bin ich auch so gerne bei Marillion. Marillion und Transatlantic haben beide ihre Stärken. Bei Transatlantic geben wir halt die ganze Zeit an, es ist eine Art Show-Band. Bei Marillion geht es mehr um die Songs, nicht darum, wie schnell wir spielen können. Manchmal reicht es, einen einzigen Ton zu spielen.

Ofizielle Website: http://www.marillion.com/

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