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PopKulturChat: Javier Márquez Sánchez

Buch
Rechte: Laura Muñoz

Javier Márquez Sánchez

Javier Márquez Sánchez, Journalist, Film-Fan und Autor des Mystery-Thrillers Das Fest des Monsieur Orphée (mit Schauspieler Peter Cushing in der Hauptrolle und einer finsteren Geschichte um die ersten Tage der Hammer Studios) hat sich mit uns über seine Leidenschaft für Horror-Filme und sein neues Projekt unterhalten.

PKS: Der Verlag bewirbt Das Fest des Monsieur Orphée als Mischung von Edgar Wallace und Quentin Tarantino. Sehen Sie das auch so?

JMS: Vielleicht. Es ist nahe an dem was ich mir vorgestellt habe, als ich das Buch geschrieben habe. Edgar Wallace ist ganz klar ein wichtiger Einfluss, schon allein weil die Geschichten von Wallace sehr ähnlich sind wie die der Hammer-Filme, und die sind sozusagen das Dekor des Projekts. Das Buch ist eine Art Hommage an das britische Horror-Filmstudio, und ich habe versucht die perfekte Geschichte für einen Hammer-Film zu schreiben. Tarantino ist auch ein interessanter Vergleich, nicht wegen der Gewalt aber wegen all der Anspielungen auf andere Filme, Comics und Popkultur allgemein, die in seinen Filme stecken. Ich mache in meinem Roman etwas ganz ähnliches, ich benutze auch Anspielungen auf Filme und auf Charaktere.

PKS: Warum gerade Hammer-Filme?

JMS: Ich mag Horror, sowohl Filme als auch Bücher. Und die Hammer Studios haben etwas ganz besonderes, eine Art Unschuld. Sie hatten nicht viel Geld, und haben deshalb zum Beispiel immer im gleichen Schloss und im gleichen Wald gedreht, haben aber trotzdem versucht etwas Besonderes, Neues zu machen. Und das haben sie geschafft, sie haben mit The Curse of Frankenstein schließlich den ersten Horrorfilm in Farbe gedreht. Das war das erste Mal dass Leute rotes Blut in einem Film sehen konnten, das war sehr beeindruckend. Ich mag aber auch den Vibe dieser Filme und die Schauspieler, Peter Cushing, Christopher Lee und den Rest der Hammer-Familie; die Farben, die Musik, das Geheimnisvolle.

PKS: Wann haben Sie Ihren ersten Hammer-Film gesehen?

JMS: Das war The House of Baskerville. Ich war noch ein Kind, vielleicht acht oder neun, und meine Mutter mochte die Filme auch, überhaupt Mystery als Genre, und als dieser Film im Fernsehen lief, hat meine Mutter gesagt: Hey, Du musst diesen Film sehen, das ist der beste Sherlock Holmes. Also habe ich gesehen wie Peter Cushing Sherlock Holmes spielt und ich habe es geliebt, den Film, den Charakter, den Schauspieler, alles.

PKS: Also ist es kein Zufall, dass Peter Cushing in Das Fest des Monsieur Orphée auch ein Detektiv ist, der gar nicht so anders ist als Sherlock Holmes?

JMS: Für mich ist Peter Cushing der perfekte Held. Er ist weise und er ist gleichzeitig ein Mann der Tat, aber er ist auch sehr gelassen. Es ist interessant, er hat in seinem ersten Hammer-Film Dr. Frankenstein gespielt, also einen sehr düsterer Charakter. Dabei war Peter Cushing ein sehr netter Mensch. Er liebte seine Frau, er war zu jedem sehr freundlich. Also wollte ich Peter Cushing nicht als Sherlock Holmes oder als Abraham van Helsing darstellen, sondern einfach den Mann Peter Cushing. Ich habe überlegt wie jemand, der sehr viele Helden verkörpert hat, selbst einen Kriminalfall lösen würde. Für mich ist das wirklich interessant, wir sehen John Wayne zum Beispiel als Cowboy. Aber John Wayne war kein Cowboy, sondern ein normaler Mann! Also stecke ich Schauspieler, die wir als Helden sehen, gerne in solche Geschichten.

PKS: Also basiert Ihre Version von Peter Cushing auf dessen Biographie?

JMS: Ja. Weil ich Hammer-Filme so großartig finde, habe ich vor ein paar Jahren eine Menge Bücher über die Filme und Peter Cushing gelesen, Interviews mit ihm angesehen und einige Dokus. Und als ich mit dem Projekt angefangen habe, habe ich all das nochmal gelesen, um ihm möglichst nahe zu kommen. Für Peter Cushing waren Horrorfilme übrigens nur Fantasy. Der echte Horror war der 2. Weltkrieg, der Tod von Millionen Menschen, aber Dracula, Frankenstein und all das, das war nur Spaß, nur Phantastik.

PKS: Hammer macht jetzt nach 30 Jahren wieder Filme. Gefallen die Ihnen?

JMS: Ja, der letzte, The Woman in Black, war interessant. Mir gefällt dass die Filme ein bisschen altmodisch sind und einen sehr spannenden Showdown. Ich freue mich definitiv auf mehr neue Hammer-Filme.

PKS: Mögen Sie überhaupt neue Horrorfilme, oder schauen Sie nur die Klassiker?

JMS: Horrorfilme haben heute ein großes Problem: Das Publikum ist ganz anders als noch vor 50 Jahren. Wir sehen heute im Fernsehen und in der Zeitung eine Menge schrecklicher Bilder, sterbende Kinder etc. Und wenn wir ins Kino gehen, sind wir schwieriger zu beeindrucken. Also haben die Regisseure, wenn Sie richtig Eindruck machen wollen, nur zwei Möglichkeiten: Entweder eine richtig, richtig gute Geschichte – oder mehr Blut. Und viele neue Horrorfilme – nicht alle – tendieren dazu, mehr Blut auf die Leinwand zu bringen. Und das mag ich nicht. Ich bevorzuge eine gute Story und gute Schauspieler.

PKS: Was ist denn Ihr Lieblings-Horrorfilm?

JMS: The Exorcist. Ich glaube nicht an Übernatürliches, aber dieser Film und auch das Buch haben eine sehr interessante Erzählperspektive. Sie nehmen ein übernatürliches Phänomen – ein Mädchen, das von einem Dämonen besessen ist –, und erzählen alles aus dem Blickwinkel eines Polizisten, also aus einer sehr logischen Perspektive. Und ich glaube, dass das der Grund ist, warum Der Exorzist immer noch so viele Leute erschreckt, 30 Jahre nachdem der Film gemacht wurde.

PKS: Sie sind auch Journalist und schreiben über verschiedene Medien: Musik, Literatur, Film – welches mögen Sie am meisten?

JMS: Ich muss sagen, Filme sind meine große Leidenschaft. Selbst als ich geschrieben habe, obwohl ich natürlich Bücher schreibe und versuche, das so gut zu machen wie ich kann, habe ich selbst das Gefühl gehabt dass ich eigentlich einen Film schreibe. Ich versuche, Bilder zu beschwören, so dass die Leser sie vor ihrem inneren Auge sehen.

PKS: Können Sie sich vorstellen, dass Ihre Bücher tatsächlich verfilmt werden?

JMS: Ich glaube nicht. Ich schreibe sozusagen Filme, die nie zu Filmen gemacht werden können. Peter Cushing und Boris Karloff kommen ja zum Beispiel in Das Fest des Monsieur Orphée vor, und das ist heutzutage natürlich schwierig. Es würde mir gefallen, aber ich glaube nicht dass es passiert.

PKS: Sie haben in Spanien gerade eine neues Buch veröffentlicht?

JMS: Ja, das neue Buch, das nächstes Jahr auf Deutsch erscheint, heißt Letal como un solo de Charlie Parker (Tödlich wie ein Solo von Charlie Parker), und es spielt in Las Vegas in den 50ern. Es ist insofern ähnlich wie Das Leben des Monsieur Orphée, als wieder historische Persönlichkeiten vorkommen: John Wayne, Frank Sinatra, Dean Martin und Mafia-Gangster wie Johnny Roselli. Es geht um einen Privatdetektiv und ist ein klassischer Thriller im Stil von Raymond Chandler.

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