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PopKulturChat: Felix Mertikat (Steam Noir)

Comic

Im Rahmen unserer Steampunk-Tage haben wir uns mit Felix Mertikat, Zeichner und Co-Autor der neuen Comic-Serie Steam Noir unterhalten: Über die Entstehung von Steam Noir, das Genre Steampunk und die Zusammenarbeit mit seinem neuen Autor.

PopKulturSchock: Euer Comic spielt in einer ungewöhnlichen Welt…

Felix Mertikat: Wir haben vier verschiedene Schollen aus Stein, die im Äther schweben, und der Äther ist wie Wasser, nur dass er eben ein Nebel ist, in dem man immer noch atmen kann. Du kannst von Scholle zu Scholle mit Schiffen fahren, oder halt über ein Stahlgerüst laufen.

PKS: Steam Noir ist ja als vierteilige Serie geplant. Wenn die abgeschlossen ist, seid ihr dann damit fertig, oder habt Ihr noch weitere Pläne für Landsberg?

FM: Das musst du mich in zwei Jahren nochmal fragen. Ich fänd’s super, wenn wir weiter mit der Welt was machen. Wir sind jetzt auch in Verhandlungen wegen Romanen und ich hab gerade mit Autoren gesprochen wegen Kurzgeschichten. Ob es eine neue Comic-Serie geben wird, kann ich derzeit nicht sagen, das ist einfach zu weit weg. Aber auf jeden Fall hab ich Bock was zu machen. Ich sage deshalb ich, weil Benjamin Schreuder das Projekt aus zeitlichen Gründen mir überlassen will.

PKS: Das heißt, Du schreibst die nächsten Ausgaben des Comics alleine?

FM: Mit einem neuen Autor.

PKS: Aber ihr habt das schon zusammen entwickelt?

FM: Die Idee war größtenteils von mir, weil sie ja auf dem Rollenspiel Opus Anima basiert. Und dann haben wir erst Opus Anima, den Comic, entwickelt und festgestellt dass die Welt, die wir da hatten, viel zu kompliziert ist, als dass man sie in einem Comic darstellen könnte und haben sie deswegen runtergebrochen auf die jetzige Welt, die ein Leser mit einem Blick auch erfassen und verstehen kann. Und dementsprechend kommt ein Großteil schon von mir.

PKS: Aber es ist schon noch die gleiche Welt?

FM: Doch, doch. Aber wir haben viel verändert, sogar die Namen. Und effektiv haben wir nachher gesagt: Jetzt haben wir diese Sachen schon geändert, jetzt noch die Welt gleich zu lassen und gleich zu benennen wäre unsinnig. Aber wer beide Welten kennt, wird die Parallelen und auch die Unterschiede sehen.

PKS: Warum ist es eine Steampunk-Welt geworden?

FM: Bei Steampunk hast Du eine wahnsinnige ästhetische und logische Freiheit, die in fast keinem anderen Genre vorhanden ist. Bei Steampunk kannst du ein Fahrzeug zeigen mit einem einzigen Rad, und wenn ein Schornstein dabei ist, sagt der Leser: „Sieht cool aus; auch wenn es nicht funktioniert, aber das ist mir egal!“ Genauso bei ’nem Roboter. Du kannst einen Roboter zeichnen, hängst nen Schornstein dran, und schon sagen alle es ist cool, auch wenn er gar nicht funktionieren könnte. In klassischer Science-Fiction musst Du immer super-logisch bleiben. Also da muss ein Roboter eine extrem hohe Prozessorleistung haben und diesen Schnickschnack, und da noch irgendwelche Quantenmechanik eingebaut haben.

PKS: Warum, meinst du, gibt es eigentlich so wenig Steampunk-Filme?

FM: Eigentlich gibt es unzählige Steampunk-Filme, wenn du die reine Ästhetik ranziehst. Aber Steampunk-Geschichten gibt es sehr wenige. Ich glaube, weil die Geschichten im Steampunk einfach schwieriger an den Mann zu bringen sind als die reine Ästhetik. Im neuen Drei Musketiere gibt es eine Steampunk-Ästhetik, bei Stadt der verlorenen Kinder gibt es eine Dieselpunk-Ästhetik, und bei Hiyao Miyazaki (japanischer Regisseur, Anm. d. Red.)gibt es das auch immer wieder zu sehen. Und auch bei In 80 Tagen um die Welt mit Jackie Chan; sogar beim dritten Teil von Zurück in die Zukunft gibt es Steampunk-Elemente.

PKS: Deine Kurzbio sagt, dass du nie Comiczeichner werden wolltest. Ist das immer noch so? Man sollte ja meinen, Comiczeichner ist ein Traumberuf…

FM: Mittlerweile ist Comic-Zeichner auch ein Traumberuf, aber ich hab mich vorher nie damit beschäftigt. Da wollte ich Biologe und dann Filmemacher werden.

PKS: Steckt nicht in deinem Beruf auch was vom Filmemacher?

FM: Ganz viel. Ich hab ja viereinhalb Jahre studiert, an der Filmakademie, und ich hab gar keine Comic-Erfahrung, auch nicht als Leser, und ich bring sehr viel mehr Filmästhetik mit, was vor allem vom Storyboarden kommt.

PKS: Was sind denn deine visuellen Einflüsse?

FM: Die kommen deshalb eher aus dem Film als aus dem Comic. Filme, die mich sehr beeindruckt haben, sind Der Koch, der Dieb, seine Frau und der Liebhaber, von Peter Greenaway, dann Die Stadt der verlorenen Kinder, dann finde ich auch wahnsinnig gut Die Incredibles von Pixar… Es gibt so viele Filme, die ich jetzt nennen könnte! Ich fand Spider-Man kein bisschen interessant, aber Iron Man spricht mich total an.

PKS: Vielleicht weil er auch ein bisschen diese Ästhetik hat?

FM: Vielleicht, aber ich glaube auch, dass die Geschichte einfach anders angegangen wurde; auch The Dark Knight oder Inception, das sind so Filme, wo man merkt dass Christopher Nolan sehr, sehr viel Liebe und Zeit in die Projekte reinsteckt.

PKS: Autoren wie Art Spiegelman oder Craig Thompson machen grundsätzlich alles selber, sowohl schreiben als auch zeichnen. Welche Vor- und Nachteile hat es, mit einem Autor zu arbeiten?

FM: Ich empfinde das als großen Vorteil. Zum Beispiel kann ich mich sehr viel mehr und sehr viel früher auf die Bilder konzentrieren, weil der Autor ja selbstständig am Text arbeitet. Du hast immer jemanden, mit dem du dich absprechen kannst, der einen zweiten Blick auf die Bilder hat. Man kann sich gegenseitig natürlich Ideen zuschubsen, Ideen weiterentwickeln. Du hast doppelte Kontrolle über die Geschichte, aber das ganze hat auch eine Eigendynamik. Der Autor bringt Wissen oder Ideen mit, auf die du nie zugreifen könntest, weil du dich mit bestimmten Themen vielleicht nicht beschäftigt hast. Der neue Autor zum Beispiel hat extrem viele deutsche Filme gesehen, auch deutsche Fernsehfilme, damit kenne ich mich kaum aus. Und da merkt man wie plötzlich eine ganz andere Art in den Comic kommt, die früher nicht da war, während Benjamin und ich einen sehr ähnlichen Filmgeschmack haben.

PKS: Apropos deutsche Filme: Eure Welt Landsberg ist eine bewusst deutsche Steampunk-Welt, was eher ungewöhnlich ist – normalerweise ist es ja eher das viktorianische England. Ist das eine bewusste Entscheidung?

FM: Ja, schon. Ich finde für den Großteil der deutschen Geschichte muss man sich nicht schämen; für eine kleine Episode schon, aber wir haben ja bewusst die Zeit genommen von 1900 bis zum ersten Weltkrieg, die frühindustrielle Zeit, wo Kaiser und Adel noch vorhanden sind. Wir haben das schon bewusst gemacht, weil diese Zeit zum Glück sehr unverbraucht ist in der Kunst.

PKS: Könntest du dir vorstellen, selber in dieser Zeit zu leben?

FM: Ich glaube, in der Theorie schon. In echt wäre mir das zu anstrengend, mit den heutigen Moralvorstellungen oder der heutigen Interpretation von Moral und Gewissen.

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