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Pop 5: Simon Borowiak

Buch

„Wie unschwer zu erkennen, zählen Makler zu meinen natürlichen Feinden. Ich verstehe nicht, warum ein Typ in Ölanzug, mit Ölfrisur und Ölstimme einhunderttausend
Euro dafür bekommt, dass er eine Tür aufschließt. Ich bin der Meinung, sämtliche Makler gehören erstens arbeitslos gemacht und dann zweitens in ein Resozialisierungsprogramm. Wo ihnen engagierte Sozialarbeiter das Maklervokabular austreiben sowie ein Gefühl für ehrliche, sinnvolle Arbeit vermitteln.“

Gerade ist das fünfte Buch Simon Borowiaks in sechs Jahren erschienen, die „rabenschwarze Komödie“ Du sollst eventuell nicht töten. Die Geschichte über eine verschrobene WG in der sich eine junge, möglicherweise unerwidert Liebe entwickelt und in deren Mitte plötzlich eine Leiche auftaucht, ist überraschend unbeschwert. Nicht überraschend ist dagegen Borowiaks bunter, dicht gepackter Stil, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er jedes Klischee weiträumig umgeht. Kein Zufall offenbar. Wir haben den Satiriker nach seinen fünf liebsten Kultur- oder Popkultur-Dingen gefragt, und wie selbstverständlich setzt sich dieses Prinzip dort fort.


1. Beethoven, die Klavierkonzerte und sämtliche Sonaten, gespielt von Emil Gilels. Meine Eltern hatten kaum Kohle für Schallplatten, daher hörte der Haushalt bis zu meinem ca. 5. Lebensjahr fast ausschließlich diese beiden Schuber durch. Und das beinahe täglich. Ergebnis: Beethoven ist meine Verankerung, wenn mir Nerven & Gemüt abdrehen wollen. Und auch seit ich ihn selber spielen kann – und dies auch regelmäßig tue – ist er mir immer noch neu & heftig & zum Durchknallen beruhigend.

 

2. Unter den Zeitgenossen bringt mich der Pianist & Komponist Moritz Eggert in fast beethovenartig gute Zustände. Besonders liebe ich „Hämmerklavier“ – man möchte kaum glauben, was so ein Piano alles anstellen kann. Und welche Neuronen dabei ins Glühen geraten.

3. Paul Berna, Das Pferd ohne Kopf: Ein makelloser Krimi in Kinderbuch-Gestalt. Habe ihn inzwischen etwa 30 mal gelesen. Müßte streng genommen als „film noir“ gehandelt werden. Spielt zur Nachkriegszeit in einem französischen Vorort und bietet das, was ich seit der ersten Lektüre immer wieder auch in Erwachsenen-Büchern suche, aber selten finde: Eine starke, hermetische Atmosphäre, in der man extrem wohlig & gespannt quasi kopfüber steckenbleibt.

 

4. Hörbuch: Oskar Werner liest Mörike, Trakl, Saint-Exupéry u.a. Seinerzeit ist mir erst nach dem dritten Anhören aufgefallen, daß ich NIX von Text & Inhalt mitbekommen hatte – Oskar Werners Stimme ist keine Stimme, sondern etwas nicht näher zu beschreibend Überirdisches. ( Beiseit: Und nur von i h m gesprochen kann man sich auch die überirdisch schlechten, geradezu grausligen Gedichte von St. Exupéry anhören…) Aber Oskar Werners Stimme PLUS Heine oder Trakl – das ist fast schon ein Overkill an Melancholie.

 

5. Helmut Käutners Verfilmung des Lustspiels Das Glas Wasser – mit Gründgens, Krahl und der blutjungen Sabine Sinjen. Die erste „Komödie“ meines Lebens. Ich weiß noch, daß ich ob dieser prallen Perfektion an Spiel/Komik/Musik & Inszenierung völlig überfordert war. Und zwar quasi überfordert vor Vergnügen. Eine reine Freude.

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