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Lissa Evans – Miss Vee, oder Wie man die Welt buchstabiert

Buch
Überblick
Originaltitel

Crooked Heart

Genre

Historisches Vielleicht-Feel-Good-Drama

Spielt in

London und Umgebung

Jahr

2015 (Originalausgabe: 2014)

Länge

346 Seiten

Verlag

List

Lissa Evans-Miss VeeAls ich den Titel und das liebevoll gestaltete Cover von Lissa Evans‘ neuem Roman zum ersten Mal gesehen habe (warum sprechen mich Cover in Hellblau eigentlich so an?), dachte ich, ich wüsste, was ich vor mir habe: eine warmherzige, harmlose Geschichte, perfekt für den Sommerurlaub. Aber nichts da! Warmherzig ist Miss Vee oder wie man die Welt buchstabiert tatsächlich – aber ganz bestimmt nicht harmlos.

Noel ist zehn, als seine Patentante Mattie – eine ehemalige Suffragette mit Sinn für Schönheit, Freiheit und Kreativität – dement wird und schließlich stirbt. Kurz darauf wird der Junge aus London evakuiert, denn wir befinden uns im Jahr 1939, und die Nazis beginnen die Stadt zu bombardieren.

Noels neuer Vormund ist Miss Vee, die sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Mit unterbezahlten Jobs ernährt sie sich selbst und ihren verwöhnten Sohn sowie ihre kiebige Mutter. Ein weiteres Maul, das es zu füttern gilt, ist ihr eigentlich gar nicht recht – andererseits zollt ihr die Nachbarschaft dank Noel endlich einmal wenigstens einen Hauch von Respekt.

Eigentlich klingt das, als würde sich eine mittlere Katastrophe anbahnen. Aber zu ihrer eigenen Überraschung sind der hochbegabte Noel und Vee ein ziemlich gutes Team, und gemeinsam setzen sie den Herausforderungen, Schrecklichkeiten und Chancen des Krieges so einiges entgegen.

Lissa Evans geht mit ihren Charakteren ganz ähnlich um wie William Somerset Maugham, der die Fehler seiner Figuren immer sehr genau im Blick hatte, ohne sie dafür zu verurteilen. Lissa Evans versteckt nicht, dass Noel seine Unsicherheit oft hinter Arroganz verbarrikadiert und dass Vee eiskalt sein kann, aber sie zeigt uns, warum das so ist, und was die beiden trotzdem liebenswert macht.

Fast noch besser als die beiden Hauptfiguren gefällt mir der ‚Supporting Cast‘. Vees Mutter zum Beispiel, die nicht spricht, aber strenge Briefe an Winston Churchill schreibt, in denen er (und wir) jede Menge über das Landleben im Krieg erfährt und Tipps erhält, wie die Regierung am besten zu führen sei. Der ganz große Coup ist aber Noels Großtante Mattie, die nur ganz kurz im Prolog selbst auftritt, aber einen so starken Eindruck hinterlässt, dass ihre Abwesenheit über den ganzen Rest der 350 Seiten hinweg schmerzt.

Egal ob es um die Figuren geht oder um das Leben im 2. Weltkrieg – Lissa Evans erzählt mit Witz und Esprit, ohne zu beschönigen, und bringt Komik und Tragik in Balance. So zeigt sie eindrucksvoll aber trotzdem ganz ohne Melodramatik, was das Leben im Krieg in all seinen Facetten für Leute bedeutet hat, die kaum Fußspuren hinterlassen haben – und welche ganz unerwarteten Formen der Gemeinschaft er trotz allem ermöglicht hat.

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