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Filmkritik: Children of Men

Film
Überblick
Item Reviewed

Children of Men

Author
5. September 2012
Genre

Science Fiction, Drama

Regisseur

Alfonso Cuarón

Besetzung

Clive Owen, Michael Caine, Chiwetel Ejiofor, Julianne Moore, Charlie Hunnam, Danny Huston, Maria McErlane, Clare-Hope Ashitey

Drehbuch

Alfonso Cuarón, Timothy J. Sexton

Spielt in

England

Jahr

2006

Rechte: Universal2006 war das Jahr des mexikanischen Kinos: Fast gleichzeitig haben Guillermo del Toro, Alejandro González Iñárritu und Alfonso Cuarón, drei auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Regisseure, ihren jeweils bis dato ambitioniertesten Film veröffentlicht (auch die Filme sind auf den ersten Blick sehr verschieden, aber die drei befreundeten Regisseure betonen, dass die Geschichten thematisch verwandt sind). Während Iñárritus episches Episodendrama Babel und Del Toros surreales Kriegsmärchen Pans Labyrinth riesige (Programmkino-)Wellen geschlagen haben, hat das Publikum Cuaróns Children of Men nur wenig Beachtung geschenkt. Vielleicht weil er mit seiner Dystopie ein paar Jahre zu früh kam – im Kielwasser der Hunger Games hätte sich der Film vermutlich von selbst vermarktet – oder vielleicht, weil das Publikum dem Regisseur des kleinen Roadmovies Y Tu Mamá También und des dritten Teils der Harry Potter-Serie keine ernsthafte Science Fiction zugetraut hat. Außerdem wußte das Studio offenbar nicht, wie es den Film vermarkten sollte – zumindest wenn man nach dem unten angehängten Trailer geht. Trotz gelungener Musikuntermalung (u.a. Sigur Ros und ein orchestrales Arragement des Rolling Stones-Klassikers Gimme Shelter) verrät der Trailer verrät zu viel von der Handlung, ohne auch nur ansatzweise die Atmosphäre von Cuaróns Film einzufangen. Dabei war Children of Men nicht nur einer der herausragenden Filme seines Erscheinungsjahres, sondern in meinen Augen der beste Science-Fiction-Film seit Ridley Scotts (in seiner Zeit ebenfalls unterschätztem) Blade Runner.

Children of Men basiert auf dem gleichnamigen Roman der britischen Crime-Autorin P.D. James, mit dem er aber außer seiner Grundidee wenig gemeinsam hat: In der nahen Zukunft werden plötzlich keine Kinder mehr geboren, so dass die Gesellschaft unweigerlich immer älter wird und die Menschheit auf ihr Aussterben zusteuert. Die Folge ist ein xenophobes, faschistisches System, das zu gleichen Teilen von Nazi-Deutschland und einer überspitzten Version der USA unter dem Patriot Act inspiriert scheint – zumindest in England, denn andere Gesellschaften sieht man nur flüchtig in britischen Propagandafilmen, wo sie als postapokalyptisches, anarchistisches Ödland dargestellt werden.

Rechte: UniversalDer Zuschauer betrachtet die Welt des Jahres 2027 (18 Jahre nach der letzten Geburt) durch die Augen von Theo (Clive Owen), einem ehemaligen politischen Aktivisten, den die Jahre zum Zyniker gemacht haben. Als eine alte Bekannte (Julianne Moore) mit einer Bitte an ihn herantritt, muss er zwischen seinem gesunden Selbsterhaltungstrieb und seinem Sinn für Gerechtigkeit wählen.

Owens Charakter ist in vielerlei Hinsicht ein Echo von „zögerlichen“ Filmhelden wie Han Solo oder Rick Blaine; während aber in Hollywood-Märchen wie Star Wars, Casablanca oder Mad Max 2 dem geläuterte Zyniker am Ende anerkennend von seinem Umfeld auf die Schulter geklopft wird, ist in der prä-apokalyptischen Welt von Children of Men kein Platz für Helden: Sich für das Wohlergehen anderer zu interessieren ist der sichere Weg in die soziale Isolation.

Allerdings ist Children of Men mehr als ein Zerrbild einer paranoiden, egozentrischen „post-9/11“-Gesellschaft. Cuarón verpackt seine Satire in einem packend inszenierten, suspensegeladenen Sci-Fi-Thriller. Auch wenn der Film unendlich weit entfernt von poliertem „Effektkino“ wie Avatar ist, bringt Cuarón eine Handvoll spektakulärer, ungebrochener Kamerafahrten unter, die trotz ihrer technischen Brillanz beim ersten Gucken wahrscheinlich unbemerkt bleiben – genau wie ein Blutfleck auf der Kamera, der nach einiger Zeit, nach einem (unsichtbaren) Schnitt, langsam verblasst.

Children of Men ist bis in die Nebenrollen spektakulär besetzt – u.a. mit Chiwetel Ejiofor, Charlie Hunnam und Danny Houston. Das Herz des Films ist allerdings neben Clive Owen ein gegen seinen Typ besetzter Michael Caine als Alt-Hippie Jasper, ein ebenfalls desillusionierter Freund aus Theos Aktivismus-Tagen. Das große Kunststück ist die augenzwinkernde Leichtigkeit, mit der Cuarón seine tragische Geschichte immer wieder unterwandert – sei es mit Seitenhieben auf Prominenten-Verehrung oder einer cleveren Hommage an das Cover von Pink Floyds Animals. So desolat die Welt von Children of Men auch sein mag, der Film selbst ist alles andere als deprimierend, sondern der seltene Fall wo eine hochintelligente Satire und ein adrenalintreibender Thriller aufeinandertreffen und zusammen mehr als die Summe ihrer Teile ergeben.

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Alfonso Cuaróns dystopisches Meisterwerk bleibt auch ein knappes Jahrzehnt später ein unerreichter Genre-Meilenstein

Pop/Kultur/Schock: SCHOCK ...und, nicht zuletzt dank King Crimson und Pink FLoyd im Soundtrack, natürlich KULTUR

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  • Daniel
    5. September 2012 auf 19:19

    Klingt nicht schlecht. Habe mir schon die ein oder andere Anregung von euch geholt und den setze ich nun auch auf meine Liste.

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