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Buchkritik: Hilary Mantel – Bring Up The Bodies (Booker Prize 2012)

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Buchkritik: Hilary Mantel – Bring Up The Bodies (Booker Prize 2012)

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Am 16. Oktober, nur eine Woche nach der Verleihung des Deutschen Buchpreises,
findet in London eins der wichtigsten Ereignisse der internationalen
Literatur-Szene statt: Der Gewinner des Man Booker Preises 2012 wird
verkündet. Um uns auf den großen Tag vorzubereiten, stellen wir bis
Dienstag täglich einen der sechs Shortlist-Romane vor.

Worum geht’s?

Bring up the Bodies erzählt eine der berüchtigsten Episoden der englischen Geschichte neu: Den Fall der unglückseligen Anne Boleyn, die Henry VIII. im ersten Band von Hilary Mantels Trilogie (Wolf Hall, dt. Wölfe) so ungeheuer mühselig zu seiner Frau gemacht hat. Wie im Vorgänger, der vor drei Jahren den Booker gewonnen hat, ist die Hauptfigur der Geschichte und der Fokus, durch den Hilary Mantel alles betrachtet, der charismatische Thomas Cromwell, vom Sohn eines Schmieds aufgestiegen zu einem der mächtigsten Männer der Welt.

PopKulturSchock denkt…

Hilary Mantel ist ein absolutes Ausnahmetalent und lässt die Konkurrenz im Genre historischer Roman weit hinter sich zurück. Sie balanciert mit einer beängstenden Sicherheit auf der Grenze zwischen den  Formeln des Genres und hochliterarischem Gegenwartsroman.

Ein Schlüssel zu ihrem Erfolg ist der geschickt als Protagonist ausgewählte und großartig zum Leben erweckte Thomas Cromwell: Charmeur, skrupelloser Kalkulierer, liebevoller Ehemann, handgreiflicher Rohling, so impulsiv wie intelligent und berechnend. Dass sie diesen Charakter, der so viele Grautöne mit sich herumträgt, so lebendig, fast liebenswert, auf jeden Fall menschlich macht, ist nichts anderes als ein kleines Wunder. Ich hätte es kaum für möglich gehalten, aber in Bring up the Bodies wird Cromwell noch eine Spur berührbarer. Die Dämonen seiner Vergangenheit lasten auf ihm, er ist ruhiger geworden, aber nicht weicher.

Das Präsens ist ein zweiter Grund dafür, dass sich Bring up the Bodies – wie Wolf Hall – nicht anfühlt wie ein historischer Roman sondern wie aktueller, hochrelevanter Stoff. Genauso wichtig ist ihr Erzähltempo. Hilary Mantel hat offenbar ein untrügliches Gefühl dafür, wann sie das Tempo anziehen, Wochen und Monate geschickt raffen muss, und wann sie fast in Stillstand geraten und die Szene um sich herum genau betrachten kann.

Mir persönlich aber ist am wichtigsten, dass Hilary Mantel ihre Leser ganz offensichtlich für intelligent hält, und das zeigt sie, indem sie nicht alles, was sie erzählt, bis ins Detail ausbuchstabiert. Sie deutet an, lässt Leerstellen und Freiräume für Fantasie und Kombinationsgabe ihres Lesers – und damit ist das Lesen von Bring Up The Bodies kein einfaches Rezipieren mehr, sondern ein Abenteuer.

Die Chancen

Tja, ganz schwer zu sagen. Einerseits halte ich Bring Up The Bodies für den stärksten Titel auf der Liste, long oder short. Andererseits hat Hilary Mantel vor nur drei Jahren den Booker gewonnen, und das für den ersten Band der gleichen Serie. Und da bisher nur zwei Autoren den Booker zweimal gewonnen haben, und zwar für jeweils sehr unterschiedliche Werke, wäre das eine an Beweihräucherung grenzende Auszeichnung für die Serie. Die Buchmacher in England halten es für wahrscheinlich, dass die Jury sich trotzdem für Hilary Mantel entscheiden, die Kurse stehen mit ihrem 2:1 für niemanden besser. Trotzdem ist es schwer vorstellbar, dass die Jury ein so deutliches Zeichen setzt. Was man aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen kann, ist dass die Jury genau über diesen Aspekt heiß diskutiert haben wird.

 

Man Booker Preis bei PopKulturSchock

 

Man Booker Preis 2012 im Netz:
Booker-Special beim Guardian
Webseite Man Booker

 

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