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Kritik: The Walking Dead Staffel 5 Folge 1

Fernsehen
Überblick
Item Reviewed

Keine Zuflucht

Author
15. Oktober 2014
Originaltitel

No Sanctuary

Genre

Horror, Action

Regisseur

Greg Nicotero

Besetzung

Andrew Lincoln, Norman Reedus, Steven Yeun, Lauren Cohan, Chandler Riggs, Danai Gurira, Melissa McBride, Michael Cudlitz, Emily Kinney, Chad L. Coleman

Drehbuch

Scott Gimple

Kommt aus

USA

Jahr

2014

Serie

The Walking Dead

Keine Zuflucht / No Sanctuary

And we’re back…

Nicht nur The Walking Dead ist zurück, mit der mitlerweise fünften Staffel (und ohne Ende in Sicht), ich versuche auch, meine Kritiken wieder regelmäßig zu schreiben, nachdem ich irgendwann in der dritten Staffel ausgestiegen war.

TWD 501 01Die zweite Hälfte der letzten Staffel war Lehrstück für gleichzeitig fragmentarisch und zielgerichtetes Storytelling war, also den meisten Figuren ihre eigene Folge gegeben hat (à la Lost) und gleichzeitig die Suche nach dem mysteriösen Refugium „Terminus“ als verbindendes Element. Die erste Folge von Staffel fünf löst nicht nur den Cliffhanger des Finales auf, sondern erklärt was Terminus ist, erzählt in Rückblenden die Vorgeschichte des Kannibalen-Kollektivs, schließt die Handlungsfäden von Staffel vier ab (bis auf einen, dazu später mehr) und wirft außerdem neue Fragen auf. Und das alles in 40 Minuten.

Ich habe schon öfter geschrieben, dass The Walking Dead als Charakterdrama nicht in der selben Liga spielt wie Breaking Bad oder Mad Men. Besonders auffällig war das in der langatmigen zweiten Staffel (von einem Facebooker treffend „The Farming Dead“ betitelt), in der Horror und Action größtenteils in den Hintergrund gerückt sind. Seitdem sind nicht nur die Drehbücher besser  geworden, vor allem hat sich Showrunner Scott Gimple (der erste Folge auch geschrieben hat) auf die eigentlichen Stärken des Konzepts besonnen. Gibt es bei Mad Men etwa brennende Zombies und Kannibalen-Schlachthäuser? Ich glaube nicht.

Die Zombies rücken allerdings in dieser Folge erst mal in den Hintergrund; die Bedrohung sind die Bewohner von Terminus, deren tatsächlichen Motive entscheidend von ihren Werbeplakaten abweichen. In der mit Abstand unangenehmsten Szene, in der ein emotionsloser Schlachter einen Gefangener nach dem anderen mit Baseballschläger und Messer hinrichtet, werden die Hauptfiguren (vor allem Glenn, der als erster dran gewesen wäre) im letzten Moment vom Zufall gerettet, nicht nur ein, sondern zwei Mal. In „Keine Zuflucht“  passiert aber so viel so schnell, dass der doppelte Deus Ex Machina im Kontext trotzdem plausibel (oder zumindest verzeihlich) erscheint. Das liegt auch an der präzisen Regie von Effektmeister Greg Nicotero, der in seiner mittlerweile vierzehnten Walking Dead Episode (Webisodes nicht mitgezählt) keinen Moment verschwendet.

TWD 501 02„Keine Zuflucht“ punktet vor allem in einem Bereich, in dem viele Folgen vergangener Staffeln – vor allem auch Nicoteros eigene –  Die Dynamik und der Rhythmus zwischen Action, Horror und stilleren Momenten. Der Kontrapunkt zur Flucht aus beziehungsweise Zerstörung von Terminus ist ein Wortgefecht zwischen Tyrese (gewohnt grimmig: Chad Coleman) und einem gefesselten Terminus-Schergen in einer abgelegenen Hütte (die Szene endet damit, dass der Gefesselte sich befreit und das Baby umzubringen droht, während Zombies die Hütte angreifen – The Walking Dead ist eben nicht Downton Abbey).

Das Kern-Ensemble ist noch immer zu groß, zumindest für das TWD-Autorenteam, dass mit den Figuren nicht so elegant umgeht wie etwa die Game of Thrones-Autoren (die für ein geschätzt fünf mal so großes Ensemble schreiben). „Keine Zuflucht„ springt aber so rasant von Schauplatz zu Schauplatz, dass es kaum auffällt. Auf Dauer könnten die vielen Figuren wieder zum Problem werden, aber immerhin haben Kirkman & Co inzwischen erkannt, dass es auch mal in Ordnung ist, wenn Charaktere nur am Rand vorkommen – oder auch mal gar nicht.

Star der Folge ist Carol (Melissa McBride), die sich inzwischen zur vielschichtigsten Figur der Serie entwicklelt hat. Hier wird sie zur Actionheldin und stürmt Terminus mit einem Rambo-artigen Arsenal (Zombie-Camouflage, Scharfschützen-Gewehr, Sprengkörper etc.) quasi im Alleingang.

Dank Scott Gimples cleverer Struktur, vor allem der „Then“ & „Now“ Szenen an Anfang und Ende der Folge, funktioniert „Keine Zuflucht“ nicht nur als eine befriedigende Coda zu Staffel vier, sondern als runde, abgeschlossene Einheit. Kirkman & Co haben sich eine hohe Messlatte gesetzt, denn so gut hat bisher keine Walking Dead-Staffel angefangen.

https://www.youtube.com/watch?v=lO-x5FKqB6k

Anmerkungen:

  • Eine große Frage, die noch immer offen ist: Wo ist Beth?
  • War das nur meine Einbildung oder haben Kirkman, Nicotero und Gimple ungewöhnlich viele Holocaust-Motive eingebaut? Der Gefangenen-Eisenbahnwagen, ein Baby das still sein muss, um nicht entdeckt zu werden und die kaltblütige Massenhinrichtung, vor allem aber der Berg von Uhren und Stofftieren.
  • Die Zombies spielen erst in der zweiten Hälfte wirklich eine Rolle, und ich hatte fast das Gefühl dass Nicotero das kompensieren wollen. „Keine Zuflucht“ hat ein paar der brutalsten Zombie-Kills der Serie.
  • Ist der Titel eine Anspielung auf „Zuflucht“ den dritten Band der TWD-Comics (in dem es um das Gefängnis geht)? Wahrscheinlich eher nicht; der Band heißt im Original „Safety Behind Bars“, die Folge „No Sanctuary“. Trotzdem ist der Kontrast zwischen dem Anfang der dritten und fünften Staffel sicher kein Zufall.
  • Wer hat (Star Trek TNG-Veteranin) Denise Crosby erkannt (als ältere Dame, die Carol am Ende den Zombies überlässt)? Ich jedenfalls nicht.
Positives

Clever aufgebaut und sehr gut inszeniert
Kompakter, aber befriedigender Abschluss der vierten Staffel
Bombastischer Showdown

Negatives

Dialoge sind (nach wie vor) nicht Pulitzer-verdächtig
Zu viele Charaktere, die keinen dramaturgischen Zweck haben

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Unterm Strich

Nachdem die vierte Staffel die Charaktere getrennt hat, führt die erste Folge der fünften sie wieder zusammen. Ob das dramaturgisch eine gute Idee ist, wird sich herausstellen. Auf jeden Fall ist „Keine Zuflucht“ aber eine der besten Folgen der Serie und eine der wenigen, die das Potential des postapokalyptischen Szenarios zu hundert Prozent nutzen.

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