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Kritik: Steam Noir – Das Kupferherz

Comic
Überblick
Item Reviewed

Steam Noir - Das Kupferherz 1

Author
6. November 2011
Genre

Science Fiction, Steampunk

Autor

Felix Mertikat, Benjamin Schreuder

Zeichner

Felix Mertikat

Kommt aus

Deutschland

Jahr

2011

Der erste Band von Steam Noir – Das Kupferherz ist, wie schon der Titel andeutet, eine Fusion von Film Noir und Steampunk. Nach ihrem erfolgreichen Debüt Jakob haben sich Autor/Zeichner Felix Mertikat und Autor/Texter Benjamin Schreuder mit ihrer zweiten Graphic Novel eine ambitionierte Geschichte vorgenommen, in der die Welt der Schatten, schiefen Winkel und Geheimnisse auf die von Zahnrädern, Dampf und viktorianischen Abendkleidern trifft.

Steam Noirs schwebende Welt sieht von weitem aus wie das Cover eines Yes-Albums aus den 70ern. Aus der Nähe betrachtet ist „Landsberg“ aber nicht besonders psychadelisch, sondern eine Retro-Sci-Fi-Variante von Deutschland in den Anfangsjahren des letzten Jahrhunderts.

In diesem Setting untersucht Ermittler Heinrich Lerchenwald, der aussieht als könnte er ein Bad vertragen, den Fall einer verschwundenen Kinderleiche und den Diebstahl des namensgebenden mechanischen Organs. Ähnlich wie seine Film Noir-Vorbilder wie Sam Spade oder Jake Gittes schnüffelt er in schattigen Ecken herum, holt Informationen von zwielichtigen Charakteren ein und sticht dabei unweigerlich in ein Wespennest – am Anfang der Geschichte bricht ein martialischer Polizeitrupp die Tür von Heinrichs Wohnung auf, bevor die Geschichte zu einem erklärenden Flashback ausholt.

Konzept und Design sind die große Stärke von Steam Noir und werden sehr gut von Mertikats Sepia-gefärbten Zeichnungen komplementiert.  

Auf der anderen Seite sind die Bildkompositionen sehr überzeugend und die Figuren sehr konsistent gezeichnet. Manchmal sagt Steam Noir zu viel im Text, anstatt zu zeigen und seinen (oft faszinierenden) Bildern – und dem Medium Comic – zu vertrauen.

Außerdem hätte ich mir hier und da ein bisschen mehr erzählerische Eleganz gewünscht: Auch wenn man am Anfang erst mal ins kalte Wasser der unbekannten, fremden Welt gestoßen wird, fällt an manchen Stellen die Exposition zu geschwätzig aus, und Schreuders oft etwas gestelzte Sprache hilft da nicht. Auch die Figuren bleiben ein bisschen blass, wir erfahren zwar etwas von Heinrichs Tagesablauf und seiner Vergangenheit, aber von seiner Persönlichkeit tritt nicht viel zu Tage. Das schadet der Geschichte kaum; die erinnert eh oft an eine Fantasy-Version des großen britischen Noir Der Dritte Mann, deren Hauptfigur Holly Martins (Joseph Cotton) ist einer der blassesten Charaktere der Filmgeschichte ist. Was Steam Noir aber bisher fehlt, ist ein Antagonist, der es mit Orson Welles aufnehmen kann.

Trotzdem ist den Autoren mit dem Kupferherz ein sehr lesenswerter erster Akt der Steam Noir-Geschichte geglückt, und das liegt vor allem an der Welt.  Die Verbindung von Steampunk-Ästhetik, Motiven aus Brazil und Hellboy und das an quasi-deutsche Setting, in dem es – wie in der Weihmarer Republik – bedrohlich unter der Oberfläche brodelt, ist originell und unverbraucht. Vor allem aber machen die wandelnden „Seelen“, die geheimnisvolle Toteninsel „Vineta“ und die zyklisch wiederkehrenden „Blinden Tage“, an denen sich die Welten Landsberg und Vineta berühren, neugierig auf eine weitere Expedition in die Welt von Steam Noir.

Bis es soweit ist, dauert es aber noch eine Weile – der zweite Band, den Mertikat gerade mit einem neuen Texter konzipiert – ist für Mitte 2012 angekündigt.

Mehr zur Welt von Steam Noir erzählt Co-Autor und Zeichner Felix Mertikat in unserem Interview.

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