Paste your Google Webmaster Tools verification code here

Kritik: Rush – Time Machine 2011: Live in Cleveland (DVD / Blu-ray)

Film
Item Reviewed

Kritik: Rush – Time Machine 2011: Live in Cleveland (DVD / Blu-ray)

Author

Das kanadische Trio Rush ist schwer zu beschreiben. Mal klingen sie wie Led Zeppelin, mal wie Yes und dann wieder nach The Police; oft alles gleichzeitig. Während der unverwechselbare hohe Gesang manche Hörer abschreckt, werden Geddy Lee, Alex Lifeson und Neil Peart von so grundverschiedenen Bands wie Dream Theater und den Smashing Pumpkins als Vorbilder zitiert.

Mit Time Machine ist die Band zum ersten Mal in ihrer fast 40-jährigen Karriere ohne ein neues Album getourt. Ganz ohne neues Material waren sie allerdings nicht unterwegs; direkt vorher hat das Trio noch zwei neue Songs aufgenommen, die schon mal  einen Vorgeschmack auf das 2012 erscheinende Konzeptalbum Clockwork Angels geben.

Ob die Namensähnlichkeit mit Cassandra Clares Steampunk-Roman Clockwork Angel zufällig oder gewollt ist, die Optik der aktuellen Tour ist jedenfalls ganz dem Steampunk gewidmet. Die Bühne ist nicht nur mit Zahnrädern und Retro-Mechanik aus Messing und Holz dekoriert, sondern auch ständig in Dampf – und Feuer – gehüllt. Eine passsende Untermalung für den neuen Track „Caravan“:

In a world lit only by fire
Long train of flares under piercing stars
I stand watching the steamliners roll by

Rush waren Jahrzehntelang Outsider im Musikbusiness; trotz einer großen und sehr treuen Fangemeinde haben die großen Musik-Magazine die Kanadier lange Zeit nicht ernst genommen und – dank ihrer überlangen Songs und intellektuell angehauchten Sci-Fi-Texte – als Geek-Musik gebrandmarkt; Musik für männliche Geeks, um genau zu sein.

Das hat sich in den letzten Jahren zumindest teilweise geändert. Spätestens seitdem Rush an prominenter Stelle in der Jason Segel/Paul Rudd Buddy-Komödie I Love You, Man (Trauzeuge gesucht) gefeatured waren und Comedy/Talk/Satire-Superstar Steven Colbert sie in seinen Colbert Report geholt hat – der erste Fernsehauftritt der Kanadier sehr mehr als 30 Jahren. Das Rolling Stone Magazine ergeht sich in Lobeshymnen über die Band, die das Blatt 30 Jahre lang verspottet hat, und Guitar Hero-Spieler können sich in Warriors of Rock an Rushs 20-minütiger Prog-Hymne 2112 versuchen.  Dazu kommt, dass das Documentary Beyond the Lighted Stage von Scot McFayden und Sam Dunn (Flight 666, Metal- A Headbanger’s Journey) offenbar die weiblichen Fans der Band vervielfacht hat.

Das sieht man auch bei Time Machine 2011 – Live in Cleveland, auch wenn man ein bisschen das Gefühl hat, dass die Regisseure (wieder McFayden und Dunn) bei ihren Kamerafahrten ins Publikum die weiblichen Fans überproportional oft zeigen. Aber ob nun die Frauenquote verfälscht ist oder nicht, Time Machine fängt sehr gut die Atmosphäre eines Rush-Konzerts ein. Die Inszenierung ist stimmungsvoller als bei der letzten DVD/Blu-Ray Snakes & Arrows Live, und auch die Band selbst hat deutlich mehr Energie als in den letzten Jahren.

Die Songauswahl ist größtenteils wie erwartet, aber ein paar lange nicht gehörte „Juwele“ haben sich trotzdem in die Setliste verirrt – zum Beispiel „Marathon“ und das Titelstück des 1989er Albums Presto. Herzstück des Abends ist das komplette, essentielle Rush-Album Moving Pictures. Songs wie „Tom Sawyer“ und „Limelight“ sind ohnehin fester Bestandteil von Rush-Konzerten, aber „Vital Signs“ und vor allem das Epos „The Camera Eye“ hat man lange nicht mehr live gehört – und beides klingt fantastisch.

Geddy Lees Bass klingt deutlich aggressiver als bei früheren Liveaufnahmen von Rush, während der Gitarrensound differenzierter ist als sonst.  Das ganze Klangbild ist – bis auf ein zu aufdringliches Bass-Pedal in einem Teil von „The Camera Eye“ – ausgewogen, klar und gleichzeitig druckvoll. Lees Stimme ist in den 30 Jahren seit Moving Pictures zwar tiefer geworden, klingt aber – von sporadischen schiefen Tönen abgesehen – noch immer überzeugend. Er kreischt zwar nicht mehr wie in den 70ern, dafür klingt die Stimme wärmer, und seine Gesangstechnik hat sich deutlich verbessert. Was die Bildqualität angeht, ist die Blu-ray weniger scharf als der Vorgänger Snakes & Arrows live; dafür hat das Konzert einen sehr warmen, Film-artigen Look, der sehr die Atmosphäre herausarbeitet.

Wie dringend man wirklich eine vierte (!) Live-DVD in nur acht Jahren braucht, ist eine andere Frage. Wer von Rush nicht genug bekommen kann oder einen geeigneten Einstieg in die Welt der Kanadier sucht, kann mit Time Machine 2011 – Live in Cleveland aber definitiv nichts falsch machen.

Bewertung
Wir finden:
Ihr findet:
Hier bewerten
Total
Unterm Strich

Pop/Kultur/Schock: POP

Gesamtwertung
User-Bewertung
Du hast dies bewertet
Eure Meinung zum Artikel
0%
0%
0%
0%
kommentieren
Antworten
  • 15. November 2011 auf 23:56

    Ich kenne weder die Band, noch „Trauzeuge gesucht“, wo sie gefeatured wurden :O

    • 16. November 2011 auf 02:49

      Da bist du bestimmt keine Ausnahme 🙂 Rush kennt hierzulande kaum jemand, OBWOHL sie große Hallen füllen. Wie das genau funktioniert weiß ich auch nicht.
      Ich kann dir auf jeden Fall „Beyond the Lighted Stage“ empfehlen; meiner Meinung nach eine der besten Musik-Dokus, die es gibt.
      Der Film ist auch witzig. Mit Jason Segel und Paul Rudd kann man ja eigentlich nicht viel falsch machen.

      • 16. November 2011 auf 09:56

        Da ich in eine der großen Halle geschleppt worden bin – *hust* – kann ich Dir genau sagen, wie das funktioniert: Da waren die Rush-Fans von ganz Europa versammelt. Zumindest von Mitteleuropa. Die sind wahrscheinlich so enthusiastisch, dass sie zu jedem Konzert im Umkreis von 2000 Kilometern fahren.

        Beyond the Lighted Stage finde ich auch sehr empfehlenswert. Ich wollte die Doku eigentlich gar nicht gucken, aber als ich einmal davor saß, konnte ich mich nicht wieder losreißen.

Antwoten

Total

}