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Buch-Kritik: Juliet Marillier – Die Erben von Sevenwaters

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Buch-Kritik: Juliet Marillier – Die Erben von Sevenwaters

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Seit die Australierin Juliet Marillier mit Die Tochter der Wälder Grimms Märchen um die sechs Schwäne geschickt neu interpretiert hat, ist ihr Name langsam aber sicher auf die A-Liste der Fantasy Romance-Autoren gerutscht und jedes ihrer Bücher hat sich besser verkauft als das letzte.

Rechte: KnaurTrotzdem hat die keltische SevenwatersTrilogie, die Marillier vor zwölf Jahren mit Tochter der Wälder begonnen (und in den darauffolgenden zwei Jahren mit Der Sohn der Schatten und Das Kind der Stürme abgeschlossen) hat, für die meisten Fans eine besondere Magie. Juliet Marillier spielt darin nämlich aus, was sie am besten kann:

  • starke, glaubhafte junge Protagonistinnen aus der Sevenwaters-Clans, die in eine Situation geworfen werden, wo sie sich behaupten müssen
  • ein atmosphärisch dichtes, lebendiges und historisches Szenario, wo jeder Baum des alten Sevenwater-Waldes seine eigene Geschichte hat
  • ein Netz teils charismatischer, teils einfach nur sympathischer Familienangehöriger, die sich durch alle drei Teile zieht, der jeweiligen Protagonistin Rückhalt und dem Leser ein wohliges Gefühl von Vertrautheit und Couchfaktor geben
  • eine mal mehr, mal weniger magische, aber im Kontext der Geschichte immer glaubwürdige und fast ausweglos scheinende, dafür aber umso faszinierendere  Bedrohung, die sich aus Elementen keltischer Mythologie speist
  • ein Love-Interest, das in irgendeiner Form unpassend oder unerreichbar ist (und trotzdem… aber lassen wir das)

Auch Marilliers spätere Bücher spielen fast alle mit diesen Elementen, aber in der Sevenwaters-Trilogie – besonders in den ersten beiden Bänden – gelingt es ihr, aus dieser Formel etwas erstaunlich Lebendiges herauszuschütteln. Gegen Ende hat mich jedes Buch so gefesselt, dass ich vergessen habe zu blinzeln.

Entsprechend erfreut waren die Fans (und ich), als sieben Jahre nach dem letzten Sevenwaters-Band völlig unerwartet noch ein vierter Teil angekündigt wurde: Die Erben von Sevenwaters, der jetzt, nochmal zwei Jahre später, endlich auch auf Deutsch erscheint.

Auch dieser Band funktioniert nach der vertrauten Formel, mit ein paar kleinen Modifikationen: Protagonistin Clodagh ist, anders als ihre Vorgängerinnen, nicht mit besonderen Fähigkeiten oder Charaktereigenschaften gesegnet; sie ist einfach ein nettes Mädchen. Trotzdem ist ihre Geschichte die ungewöhnlichste der Sevenwaters-Serie: Als ihr kleiner Bruder entführt wird, muss sie ihm – ähnlich wie Jennifer Connelly in Jim Hensons 80er Kultfilm Die Reise ins Labyrinth – in eine gefährliche Feenwelt folgen, um ihn den Klauen eines attraktiven aber arroganten Elfenkönigs zu retten.

Anders als in den drei Romanen der ursprünglichen Sevenwaters-Trilogie treten also nicht Elemente der ewig präsenten Parallelwelt „Faerie“ in die Welt der Protagonistin herein, sondern diesmal muss sie sich auf dieses unbekannte Terrain wagen. Vielleicht ist das der Grund, warum Die Erben von Sevenwaters ein ganzes Stück finsterer ist als seine Vorgänger.

Juliet Marillier macht also einiges ein bisschen anders als gewohnt. Trotzdem fühlt sich Die Erben von Sevenwaters (das Original heißt übrigens „Der Erbe von Sevenwaters“, was sich auf den entführten kleinen Bruder bezieht und auch nicht so nach „Die Erben des Medicus“ klingt) viel formelhafter an als seine Vorgänger.

Vielleicht liegt es an Clodagh, die nicht das Feuer ihrer Tanten und ihrer Großmutter hat oder an dem vergleichsweise lahmen Love-Interest. Oder es ist die Tatsache, dass Juliet Marillier in diesem Teil der Serie zum ersten Mal zwar die wichtigsten Handlungsstränge zu Ende bringt, aber ständig suggeriert, dass zum Thema MacDara (der finstere Elfenlord) das Interessanteste noch nicht gesagt ist. Dadurch gewinnt Clodaghs Geschichte nämlich eine Art Brückenfunktion und funktioniert zwar als Teaser auf Band 5 (den es auf Englisch auch schon gibt), ist aber für sich genommen nicht so stark wie die ersten zwei Bände.

Fans der Marillier-Formel dürfte Die Erben von Sevenwaters trotzdem glücklich machen, und als nostalgische Guilty Pleasure, der einen noch mal in die Welt des Sevenwaters-Clans mitnimmt, funktioniert es hervorragend. Wer Sevenwaters noch nicht kennt und der Formel noch nicht verfallen ist, dem empfehle ich trotzdem, die ersten beiden Bände zu lesen und danach konsequent zu sein und sich eigenständigeren, originelleren Büchern zuzuwenden – sofern es denn noch geht.

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  • BigBrother
    10. Juli 2011 auf 23:14

    Klingt nicht unspannend – lohnt es sich wenn man die ursprüngliche Triologie nicht kennt?

    • 11. Juli 2011 auf 11:01

      Doch, doch, es lohnt sich schon. Großartiges Vorwissen wird nicht vorausgesetzt, zumal es zum ersten Mal direkt in dieser Feenwelt spielt . Aber der erste Band ist trotzdem besser =)

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