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Kritik: Pink Floyd – The Endless River

Musik
Überblick
Item Reviewed

The Endless River

Author
14. November 2014
Genre

Prog, Rock, Psychadelic

Künstler

Pink Floyd

Jahr

2014

Der langsame Abschied – ein Kritikversuch in fünf Phasen

Pink Floyd - The Endless River Rechte: WarnerWas für eine Überraschung, als die legendären Pink Floyd Mitte des Jahres plötzlich ankündigten, dass es noch einmal ein neues Album geben soll. “Neu” ist hier relativ; die Aufnahmen zu The Endless River stammen größtenteils aus den Sessions zum bis dato letzten Album The Division Bell, das ursprünglich einmal als Doppelalbum geplant gewesen war. Lange lagen die Aufnahmen im Archiv, bis (so Schlagzeuger Nick Mason) die Geschwister Wachowski auf der Suche nach Musik für ihren aktuellen Film Jupiter Ascending dafür interessiert haben. Daraus wurde zwar nichts, aber Gilmour und Mason haben den Anlass genutzt, um aus den fragmentarischen Aufnahmen ein Album zu machen. Das hab ich inzwischen geschätzte zwanzig Mal gehört. Hier also der erste, zweite, dritte, vierte und fünfte Eindruck.

1. Verdrängung

Ist das wirklich das Ende von Pink Floyd? David Gilmour sagt ja, Nick Mason sagt vielleicht und Roger Waters sagt schon lange nichts mehr zu diesem Thema. Jedenfalls ist The Endless River ein Lebenszeichen, und was für eins. Die psychadelischen Keyboard-Teppiche und kreischenden Gitarren sind zwar über die Jahre von unzähligen Bands, ob Pop, Prog oder Metal, imitiert worden, aber die echten Floyd kann man sofort heraushören. Das ganze Album ist ein nostalgisches Geschenk für Floyd-Fans und wenn am Ende in „Louder Than Words“ David Gilmours ikonische Stimme erklingt, ist es schwer, nicht emotional zu werden.  (Wertung: 4 1/2 Sterne)

2. Wut

Besagtes „Louder than Words“ haben David Gilmour und Nick Mason – nach dem Tod von Keyboarder Richard Wright im Jahr 2008 die einzigen verbleibenden Bandmitglieder – vorab als Single veröffentlicht. Es klingt wie ein klassischer Pink Floyd-Song, vielleicht ein bisschen langweiliger, ist aber purer Etikettenschwindel: Der Rest von The Endless River besteht komplett aus Instrumentalschnipseln, mal mehr, mal weniger ausgearbeitet, von denen man höchstens eine Handvoll Tracks mit viel gutem Willen als Songs bezeichnen könnte.

Wären es Vorschau-Clips, wie man sie bei amazon und ähnlichen Websites hören kann, würde die Musik durchaus Lust auf das Album machen. Das Problem in diesem Fall ist aber, die Clips SIND das komplette Album. So fragt man sich zu Recht: Das ist alles? (Wertung: 1 1/2 Sterne)

3. Handel

Können wir uns ernsthaft beschweren, dass wir ein neues Album von Pink Floyd bekommen? Noch dazu das wohl unvorhersehbarste und experimentellste seit dem Weggang von Roger Waters vor mehr als drei Jahrzehnten, und das erste seitdem, das nicht wie ein Soloalbum von David Gilmour klingt. Abgesehen von „Louder Than Words“ der auch auf The Division Bell oder auf David Gilmours On An Island gut aufgehoben gewesen wäre, dominiert The Endless River nämlich Keyboarder Richard Wright. Und der konnte sich seit Animals auf keinem Pink Floyd Album mehr so richtig verwirklichen. Dabei war er, obwohl gerne unterschätzt, das vielleicht wichtigste Mitglied der Band. Seine drei Soloalben sind in vieler Hinsicht interessanter als die letzten beiden Floyd-Alben und dasselbe gilt auch für Endless River. (Wertung: 4 Sterne)

4. Depression

In vieler Hinsicht ist Pink Floyd mit dem Weggang von Roger Waters gestorben, vielleicht sogar noch früher. The Wall klingt wie ein Waters-Album, vom lakonische The Final Cut ganz zu schweigen, und die beiden Nachfolger wie Soloalben von Gilmour. Aber nur mit Gilmour und Waters und natürlich Wright (und Mason sowieso) konnten zeitlose Meisterwerke wie Dark Side of the Moon, Animals und Wish You Were Here entstehen. Auf The Endless River erklingen zwar immer mal wieder ein paar Takte, die an genau diese drei Alben erinnern, aber das Resultat ist eher nostalgische Pink Floyd-Fanfiction als an ein echtes Floyd-Album. (2 Sterne)

5. Akzeptanz

Ähnlich wie die Beatles oder Led Zeppelin sind Pink Floyd inzwischen so legendär, dass ein Album mit neuer Musik fast unwirklich erscheint. The Endless River wirklich objektiv zu bewerten, ist – zumindest für mich – so gut wie unmöglich. Ich kann eigentlich nur bewerten, ob ich mir das Album wohl noch oft anhören werde. Die Antwort ist ja, wenn auch nicht so oft wie Animals oder Wish You Were Here. Pink Floyd haben mit dem Album weder ihr Vermächtnis demoliert, noch haben sie die Bandgeschichte mit einem großen Knall beendet. Statt dessen ist The Endless River, passend zu Titel und Cover des Albums, ein ruhiger, geschmackvoller und unspektakulärer Ausklang, ein würdiger Schlußstrich unter eine der ganz großen Legenden der Musikgeschichte.  (Wertung: Siehe unten)

 

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The Endless River ist ein sonderbarer Fall, bei dem das, was der Hörer mitbringt fast genauso wichtig ist wie die Musik. Einerseits sind die 18 zum Teil sehr kurzen Tracks mehr Resteverwertung als ein wirklich stringentes Album, aber die vielen musikalischen Ideen, zum Teil Jams, zum Teil ausgearbeitete Songs, sind eine respektvolle Verbeugung vor dem verstorbenen Rick Wright und ein gelungener Abschied von einer mythischen Band.

Pop/Kultur/Schock: KULTUR

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