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Kritik: Patrick Rothfuss – The Slow Regard of Silent Things

Buch
Überblick
Item Reviewed

Patrick Rothfuss: The Slow Regard of Silent Things

Author
21. November 2014
Originaltitel

The Slow Regard of Silent Things

Autor

Patrick Rothfuss

Spielt in

Temerant

Jahr

2014

Länge

159 Seiten

Verlag

DAW Books

Endlich Neues von Patrick Rothfuss – aber diesmal hat er kein Fantasy-Schlachtschiff geschrieben, sondern eine langsame, poetische kleine Novelle

Patrick Rothfuss - Slow Regard od Silent ThingsDreieinhalb Jahre ist es her, dass Patrick Rothfuss’ Roman Die Furcht des Weisen erschienen ist. Zu dem Zeitpunkt galt er schon als einer der Großen des Genres, und der zweite Band seiner Königsmörder-Trilogie bescherte ihm neue Heerscharen loyaler Leser (der Roman hat auf der englischsprachigen Social Buch-Seite Goodreads eine der höchsten Wertungen überhaupt). Seitdem warten diese Fans – zunehmend ungeduldig – auf das Ende der Geschichte.

Kleiner Zwischenruf: The Slow Regard of Silent Things ist nicht dieses Ende. Der dritte Band soll The Doors of Stone heißen und laut Patrick Rothfuss vielleicht 2015, aber wahrscheinlich eher 2016 erscheinen. Aber dieser Termin ist schon gefühlte 300 mal nach hinten verschoben worden ist.

Trotzdem war die Ankunft dieser kleinen Novelle aufregend genug, dass man es in den entsprechenden Foren förmlich sirren gehört hat vor lauter Aufregung. Jetzt ist The Slow Regard of Silent Things da – und entzieht sich allen Schubladen, und meinen Bewertungskriterien gleich mit.

Rothfuss konzentriert sich in The Slow Regard of Silent Things ganz auf Auri, die seltsame kleine Person, die in den Katakomben der Universität haust – ein zartes Wesen, das eine Elfe in Menschengestalt sein könnte, aber genauso gut autistisch. Auri ist eine geheimnisvolle Figur, über die wir in den ersten beiden Bänden der Königsmörder-Chroniken so gut wie nichts erfahren, obwohl sie immer wieder auftaucht. Auri lässt sich nicht fassen oder begreifen, sie rinnt einem beim Lesen quasi durch die Finger.

Trotzdem ist Auri eine beliebte Figur, und viele Fans haben gehofft, in diesem Band mehr über sie zu erfahren. Einerseits, ja, ist das so – aber andererseits wiederum gar nicht. Ihre Geschichte, ihre Herkunft – all das bleibt im Dunkeln. Dafür erfahren wir, wer sie ist: Alex, ein Goodreads-User, hat die übersichtliche Handlung von The Slow Regard of Silent Things so knapp und auf den Punkt zusammengefasst, dass ich ihn zitieren muss: 150 pages of a girl running around in the sewers doing Feng Shui and kissing inanimate objects.

Es gibt tatsächlich kaum Handlung, abgesehen davon, dass Auri sich auf den Besuch eines Freundes vorbereitet (Kvothe wird es wohl sein, vor kommt er nicht). Das heißt konkret: Sie sucht nach einem Geschenk. Auri will – nein, kann – aber dabei das Gleichgewicht der Dinge nicht aus der Balance bringen. Denn in ihrer Welt hat alles seinen Platz, auf den Millimeter genau, und nur wenn alles da ist, wo es hingehört, ist die Welt mit sich im Reinen. Damit Auri also aus einem der unzähligen unterirdischen Räume, durch die sie streift, ein Objekt mitnehmen darf, muss sie den Raum erst mit sich selbst ins Reine bringen. Oft werden dazu Objekte aus ganz anderen Teilen ihrer Welt gebraucht, keine leichte Aufgabe also. Mit ein bisschen Glück wird dafür etwas ‘frei’ und kann mitgenommen werden: ein besticktes Taschentuch, ein Flaschendeckel, ein Kieselstein.

Was Auri da tut, hat nichts – oder zumindest nicht viel – mit der Magie zu tun, die durch die ersten zwei Bände der Königsmörder-Chroniken weht. Eher ist es deren Antithese. Auri manipuliert die Welt nicht, damit sie ihr zu Diensten ist, sie ist ihr selbst zu Diensten, damit sie ganz werden kann.

Das klingt poetisch, und das ist es auch – trotzdem hat meine Leseerfahrung mit The Slow Regard of Silent Things anfangs eher einem Wrestling-Turnier geähnelt als der Begegnung mit einem neuen Freund. Auri öffnet die Tür zu ihrem Reich nicht jedem, da muss man sich schon ein bisschen anstrengen. Aber wenn man es dann geschafft hat und die Tür offen ist, poltert man quasi durch, mit ganz viel Schwung, und dann ist das Lesen ein Kinderspiel.

Das liegt nicht an der Sprache, obwohl Rothfuss jedes Wort genauso vorsichtig platziert wie Auri ihren Kram. Trotzdem ist die Sprache nicht schwierig, im Gegenteil. Rothfuss wählt einfache Worte, einfach Satzkonstruktionen, und ordnet sie nur gelegentlich auf unerwartete Weise – dann aber mit großem Effekt.

Eher liegt es daran, dass nichts, aber auch gar nichts erklärt wird. Auris Welt ist nicht so komplex – aber so anders als jede Fantasy-Trope, als jedes Klischee, und mit unserer Welt gibt es sowieso so gut wie keine Berührungspunkte. Und dass Rothfuss uns nicht bei der Hand nimmt, sondern blind in seine Novelle hinein stößt, macht es nicht leichter. Ist aber sicher Absicht: Auf den ersten Seiten springt Auri in eiskaltes Wasser, und das ist bestimmt kein Zufall.

The Slow Regard of Silent Things ist ein seltsames Buch, das macht Rothfuss schon im Vorwort klar. Und dann nochmal im Nachwort – auf ärgerliche Weise, wie ich finde: Das Argument, dass man jemand Besonderes sein muss, sozusagen Mitglied des Clubs der kaputten Seelen, um sein Buch zu verstehen, ist mir nicht sympathisch.

Tatsächlich ist die Novelle alles andere als durchschnittliche Fantasy-Kost. Und sie unterscheidet sich auch nicht – wie Rothfuss’ beiden Romane – vor allem qualitativ von der Herde, sondern auch durch Struktur, Erzähltempo, Sprache und Themen. Aber es ist trotzdem kein so großer literarischer Ausreißer: Langsam erzählte Charakter-Vignetten, die weniger durch Handlung, sondern durch Beobachtung und Detail getrieben werden, gibt es schon – nur eben eher in der zeitgenössischen “hohen”* Literatur als im Genre.

Ich will nicht schwindeln: The Slow Regard of Silent Things ist harte Arbeit, vor allem anfangs, und selbst später ist Rothfuss’ erste Novelle weder spannend, noch macht sie Spaß auf die Art, die wir von den furiosen ersten zwei Bänden der Königsmörder-Trilogie gewohnt sind. Aber zwei Dinge machen das in meinen Augen wett: Die Poesie von Rothfuss’ Geschichte, die keine ist, und das tröstliche Gefühl, das sich im Bauch ausbreitet, während Auri ihre Welt in Ordnung bringt. Was sie kann, so fühlt es sich an, können wir nämlich auch.

*Dieser Begriff missfällt mir, wie so vielen anderen, aber mir fehlt ein treffendes Äquivalent. Weiß jemand Rat?

Die deutsche Ausgabe erscheint am 21. Februar und heißt "Die Musik der Stille"

 

 

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Unterm Strich

The Slow Regard of Silent Things ist ein interessantes Experiment, dem eine ganze eigene sanfte, präzise Poesie inne ist. Aber Rothfuss' Novelle ist auch langsam und ermüdend, und das Nachwort ärgerlich. Wenn man es mit diesem Buch probiert sollte man jedenfalls viel Geduld mitbringen.

Rothfuss weicht sehr weit von dem ab, was man erwartet hat - ein kleiner SCHOCK.

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