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Kritik Neel Mukherjee – The Lives of Others (Booker 2014)

Buch
Überblick
Item Reviewed

Neel Mukherjee - The Lives of Others

Author
14. Oktober 2014
Spielt in

Kalkutta

Jahr

2014

Länge

503 Seiten

Awards

Man Booker Prize: Nominiert

Verlag

Vintage

Neel Mukherjees Beitrag zum Booker ist ein kantiges aber unterhaltsames Familien-Epos aus Indien

Es ist soweit: Heute Abend um halb elf (unserer Zeit) verkündet A. 
C. Grayling, der diesjährige Vorsitzende der Booker-Jury, den Gewinner. 
Bevor es losgeht, kommt hier unsere letzte Shortlist-Kritik.

Worum geht’s?

Neel Mukherjee-The Lives Of Others; CoverKalkutta, 1967 – Familie Ghosh residiert in einem riesigen Anwesen, jedes der vier Kinder von Prafullanath und Charubala bewohnt mit seiner Familie ein Stockwerk. Aber das ist nicht annähernd genug Raum zwischen den Geschwistern, den Schwägerinnen und ihren Kindern. Überall schwelt Missgunst, Eifersucht, Falschheit, sogar Hass. Mal ganz abgesehen von dem Teil der Famlie, der zu den Dienern ins Untergeschoss verbannt worden ist. Während die Familie mit ihren kleinmütigen Streitereien beschäftigt ist, beginnt in Indien der kommunistische Aufstand der Naxaliten. Und ohne dass es irgendwer bemerkt hat, hat sich der älteste Sohn der Ghoshs in den Arbeitskampf gestürzt.

PopKulturSchock denkt

The Lives of Others ist das mit Abstand am breitesten angelegte, um nicht zu sagen epischste Buch auf der diesjährigen Shortlist. Und es macht schon auf den ersten zwei Seiten klar, dass es sich hier nicht um eine beschauliche Familiensaga mit eingebauter Liebesgeschichte handelt, à la Wer Liebe verspricht. Neel Mukherjee beginnt seinen Roman nämlich mit der hässlichsten Szene der Shortlist, und das will etwas heißen, denn auch Richard Flanagan ist in The Narrow Road to the Deep North alles andere als zimperlich.

Trotzdem bedient Mukherjee sich ganz klar verschiedener Soap-Elemente. Ich habe mich gerade auf den ersten 100 Seiten sehr an die erste Folge von Downton Abbey erinnert gefühlt: Das historische Setting, die privilegierte Familie mit beginnenden finanziellen Schwierigkeiten oben, die Dienerschaft unten, die Rivalitäten zwischen den Geschwistern, die kleinen Boshaftigkeiten und Intrigen, und dass man bei all dem vor allem darauf bedacht ist, nach außen hin das Gesicht zu wahren. Aber während die Bewohner von Downton nach der ersten Folge Rundungen bekommen und immer sympathischer werden, ist Mukherjee unerbittlich mit seinen Charakteren und legt ganz bewusst den Finger auf ihre Schwächen.

Das muss er auch, denn Mukherjee bildet am Beispiel der Familie Ghosh die Probleme der indischen Gesellschaft gegen Ende der 60er nach, und die waren gravierend, vor allem die Klassenunterschiede, die Kluft zwischen arm und reich. Genauso sehr geht es ihm um politische Fragen: Wie kann man einen Umbruch gestalten und wie sollte man ihn nicht angehen?

Diesen Teil des Romans fand ich nicht ganz so gelungen. Ich schreibe bewusst ‚Teil‘, denn fast alles zum Thema Politik und Kommunismus ist seltsam abgetrennt vom Rest, in einzelnen Kapiteln aus dem Tagebuch von Supratik, dem abtrünnigen Sohn. Seine Erzählstimme ist trocken, trotzdem detailverliebt und auch noch unsympathisch. Das zeigt zwar sehr gut, welche Probleme Mukherjee mit politischen Aktivisten einer bestimmten Couleur hat, macht aber keinen Spaß zu lesen.

Die anderen Teile – und die machen den größten Teil von The Lives of Others aus – dagegen umso mehr. Mukherjee erzählt einen Moment oft aus mehreren Perspektiven. Und das ist normalerweise nicht nur technische Spielerei, sondern ein Mittel, um zu zeigen wie weit die Familie auseinander gedriftet ist, auch wenn sie bestimmte Momente teilt. Das Geschick, mit dem er diese Quasi-Wiederholungen erzählt, ist beeindruckend, und die Soap-Elemente der Geschichte einfach wahnsinnig unterhaltsam.

Die Chancen von The Lives of Others

Meine Favoriten sind und bleiben Ali Smith und Richard Flanagan, aber Neel Mukherjee könnte ein „Dark Horse“ sein, das man nicht kommen sieht, und das am Ende trotzdem das Rennen macht. Die letzten Booker-Jurys haben sich jeweils für die großen Epen entschieden, die Mischung aus extrem hohem Unterhaltungswert und Tiefe kommt bestimmt auch gut an. Außerdem  hat die letzten fünf Jahre immer ein weißer Autor gewonnen, und da die Booker-Jury normalerweise auf political correctness achtet, könnte auch das ins Gwicht fallen. Mukherjee ist nicht mein Favorit, hätte den Sieg für mich aber trotzdem verdient.

Der Booker auf PopKulturSchock

 

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Abgesehen von den fiktiven Tagebuch-Einträgen des verlorenen Sohns ein perfekter Roman.

Pop / Kultur / Schock: Mukherjee wäre in jeder der drei Kategorien zuhause, aber da er so viel Wert darauf legt, das Indien der 60er feinsinnig zu porträtieren, entscheide ich mich für KULTUR.

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