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Buchkritik: Cecelia Ahern – Hundert Namen

Buch
Überblick
Originaltitel

100 Names

Genre

ChickLit

Jahr

2012

Länge

400 Seiten

Verlag

Fischer

Cecelia Ahern kommt mal ohne ihr Markenzeichen aus. Und das Ergebnis ist gar nicht schlecht.

hundert_namen_kleinWenn es um Cecelia Ahern geht, bin ich zwiegespalten. Einerseits hat sie mein persönliches Lieblings-Stück ChickLit geschrieben, die Beste-Freunde-oder-doch-Liebe-fürs-Leben-Geschichte Where Rainbows End. Andererseits hat mir seitdem keins ihrer furchtbar süßen übersinnlichen Märchen mehr gefallen. Die Engel, magischen Bücher und unsichtbaren Bekanntschaften waren mir immer eine Spur zu viel Puderzucker.

Aber dann, nach der Babypause, kündigte Ahern endlich wieder einen Roman an, in dem nichts von alldem vorkommen sollte. Statt um fliegende Teppiche geht es in Hundert Namen um eine vom Berufsethos ab- und in Ungnade gefallene Journalistin, die versucht hinter ein Geheimnis zu kommen, das ihre verstorbene Mentorin ihr vererbt hat: Eine Liste mit hundert Namen, mit deren Hilfe Kitty den Artikel schreiben soll, der ihre Berufsehre wieder herstellt.

Aus dieser Prämisse entwickelt Cecelia Ahern eine episodische Geschichte, die ein bisschen an Tatsächlich Liebe erinnert: Kitty kontaktiert eine nach der anderen die Personen, die sich hinter den Namen verbergen, lernt sie kennen, hört sich ihre Geschichten an und greift kräftig in ihre Leben ein. Es gibt also von Anfang an ein verbindendes Element, nämlich Kitty.

Kitty, das Miststück

Die ist nicht gerade die typische ChickLit-Heldin (und auch nicht typisch für Cecelia Ahern). Man ahnt von Anfang an, dass sie das Herz letztendlich doch am rechten Fleck hat, und natürlich rehabilitiert sie sich am Ende. Trotzdem ist Kitty mindestens 75 Prozent des Romans über fast schon abstoßend egozentrisch: Selbst ob der Geschichte des Mannes, dessen Leben sie durch schlechte Recherche zerstört hat, sieht sie vor allem ihr eigenes Leid.

Das macht die Geschichte nicht unbedingt schlechter, denn es lässt den Leser einen Schritt zurück treten und Abstand gewinnen, so dass der Effekt später, wenn diese Distanz dann doch verloren geht, noch größer ist. Und es bewahrt sie vor so viel Süße.

Dramaturgisch solide, stilistisch weniger

Cecelia Ahern hält die vielen Charaktere und Geschichten routiniert zusammen und konstruiert die Geschichte sehr geschickt auf den Höhepunkt zu. Die ein oder andere Länge hätte der Lektor herausstreichen können, aber im Großen und Ganzen ist Hundert Namen dramaturgisch sehr solide.

Vom Erzählstil kann man das leider nicht behaupten. Teilweise könnte das an der Übersetzung liegen (unterstellen möchte ich das aber nicht, ich habe nicht verglichen), anderes stammt offensichtlich aus der Originalversion. Zum Beispiel neigt Ahern dazu, uns Leser zu unterschätzen und auch Dinge auszusprechen, die längst zwischen den Zeilen klar geworden sind.

Trotzdem war Hundert Namen um einige Längen besser als ich erwartet hatte: Cecelia Aherns Botschaft – jeder Menschen ist ein spannendes Geheimnis – lässt einen die Mitfahrer in der U-Bahn und an der Schlange im Supermarkt mit anderen Augen sehen und das Ende ist wirklich herzerwärmend. Vor allem an einem kalten, ekelhaft grauen Winter-Sonntag, wenn man ein bisschen Wärme besonders gut gebrauchen kann. 

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