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Buch-Kritik: Robert Galbraith alias J. K. Rowling – Der Ruf des Kuckucks

Buch
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Buch-Kritik: Robert Galbraith alias J. K. Rowling – Der Ruf des Kuckucks

Author
10. August 2013
Originaltitel

The Cuckoo's Calling

Jahr

2013

Länge

638 Seiten

Serie

Cormoran Strike #1

Verlag

Blanvalet

Mehr Potter als „Todesfall“ – aber trotzdem ganz eigen

J. K. Rowling: The Cuckoo's Calling - Der Ruf des KuckucksAlso doch! Es war also doch kein Zufall, dass J. K. Rowling, als sie im Februar 2012 einen Verlagswechsel ankündigte, ausgerechnet mit David Shelley zusammenarbeiten wollte. David Shelley, der Lektor von Autoren wie Val McDermid und Denis Lehane, spezialisert auf Krimis und Thriller. Denn Ein plötzlicher Todesfall war zwar trotz des Titels kein Krimi sondern eine Gesellschaftssatire, aber jetzt hat Rowling nachgelegt: Unter dem Pseudonym Robert Galbraith hat Rowling nur ein halbes Jahr nach ihrem letzten Roman heimlich ein Buch veröffentlicht, das ganz klar im Kriminal-Genre zu Hause ist.

Wo dort genau ist allerdings nicht ganz so klar. Die Frau, die Harry Potter erfunden hat, hat ein typisch amerikanisches Setting gewählt: das klassische Hardboiled-Milieu, in dem ein von Geldsorgen und Frauenproblemen geplagter Privatdetektiv in der Welt der Reichen und Schönen herumschnüffelt. Und zwar hier, um die Umstände des angeblichen Selbstmord eines Topmodels aufzuklären. In diesem Setting, das kaum typischer sein könnte, konstruiert sie einen Krimi, der im Rhythmus und mit dem Tonfall eines britischen Whodunit voranschreitet, inklusive der langen Rede am Ende, in der der Detektiv in Marple-Manier Motiv und Tathergang auseinandernimmt.

Aber anders als bei Hardboiled (und auch vielen klassischen Whodunits) üblich erzählt Rowling sehr langsam. Vor allem am Anfang ist das problematisch, weil es nicht ganz einfach ist, sich für den unspektakulären Selbstmord einer Figur zu interessieren, die wir als Leser gar nicht kennen. Nicht nur sind Vertreter beider Subgenres erstens meistens maximal 300 Seiten lang, im Hardboiled überschlagen sich normalerweise die Ereignisse, und im Whodunit ist der Mord selbst normalerweise interessant genug, um uns über die langsame erste Phase der Ermittlungen zu tragen. Hier braucht man ein bisschen Geduld; zumal sich die charakterlichen Qualitäten von Galbraith/Rowlings Protagonisten Cormoran Strike erst nach einer Weile offenbaren.

Aber natürlich gibt Rowling sich Mühe, uns durch die Durststrecke am Anfang zu schleusen. Und um uns die Sache etwas zu erleichtern, stellt sie uns Robin zur Seite: Robin ist frisch verlobt, einfallsreich und sehr, sehr nett, damit erschöpft sich ihr Charakter mehr oder weniger. Das macht aber nichts, weil Robin offenbar nicht als ‚echter‘ Charakter gedacht ist, sondern als Vermittlerin zwischen uns Lesern und Cormoran Strike. Aus ihrer Perspektive begegnen wir ihm zum ersten Mal – an ihrem ersten Arbeitstag, sie jobbt in seiner kleinen, desolaten Detektei -, und auch wenn wir ihn später besser kennen lernen werden als Robin selbst, sehen wir ihn immer auch aus ihrer wohlwollenden Perspektive. Im Laufe des Romans entpuppt sich Strike dann tatsächlich als interessanter Charakter, der in der Lage ist, die 600 Seiten zu tragen. Und als Bonus haben die gemeinsamen Szenen der Beiden etwas sehr Vertrautes. Wer die Wärme von Harry Potter in Ein plötzlicher Todesfall vermisst hat: Hier ist sie.

Wer aber atemlose Spannung erwartet, nach den späteren Potter-Bänden ja auch nicht grundlos, wird wahrscheinlich von The Cuckoo’s Calling enttäuscht sein. Einen bedächtigeren Hardboiled-Thriller habe ich nie in der Hand gehalten. Was J. K. Rowling aber dafür zugute kommt, ist die Fähigkeit, tausend Handlungsfäden im Griff zu behalten und 200 Seiten später winzige Details wieder aufzugreifen, die auf einmal, aus einer neuen Perspektive, furchtbar wichtig werden. Das war einer meiner Lieblingsaspekte in Harry Potter, und Rowling beherrscht diese Fertigkeit auch in diesem Genre ähnlich virtuos wie die Grandes Dames des britischen Kriminalromans.

Es ist erhellend, wie schlecht sich The Cuckoo’s Calling verkauft hat, als noch niemand wusste, wer Robert Galbraith ist und wie schlagartig sich das geändert hat. So wird uns mal wieder vor Augen geführt, wie willkürlich Erfolg und Misserfolg in dieser Branche sind.

Die Aktion war mutig vom Verleger (bzw. von Rowlings Lektor David Shelley, der beim Verlag als einziger eingeweiht war) und ganz sicher befreiend für J. K. Rowling, die schon seit Jahren gesagt hat, sie würde sich gerne wieder ‚frei‘ fühlen. Die Frau ihres Anwalts hat das große Geheimnis schließlich gelüftet, indem sie es – unter dem Siegel der Verschwiegenheit ihrer besten Freundin erzählt hat.

Trotzdem: Schön, dass es zumindest für eine Weile geklappt hat. Denn dass es in diesem Krimi immer wieder um Paparazzi geht und um Berühmtheiten, die auf Schritt und Tritt beobachtet werden, ist sicher kein Zufall. Genauso wenig wie dass The Cuckoo’s Calling mit folgendem Zitat des römischen Dichters Lucius Accius beginnt: Is demum miser est, cuius nobilitas miserias nobilitat – Unglücklich ist der, dessen Berühmtheit sein Unglück berühmt macht.

 

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Das Buch bleibt klar in seinem Genre, ist aber gut erzählt und hat die Wärme, die Harry Potter so veredelt hat. Auch super: Die Ironie, dass "Der Ruf des Kuckucks" sich ausgerechnet mit den Tücken der Popularität befasst.

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