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September 2011: Der Metal-Monat

Musik

Der September ist dieses Jahr nicht nur von dystopischer Literatur und Endzeit-Filmen geprägt, sondern auch entschieden metallisch. Nicht nur von Dream Theater und Opeth gibt es neue Alben, auch die Thrash-Veteranen Anthrax, die sludgigen Mastodon, Oldschool-Metaller Machine Head und die „Fates Warning-Splitterfraktionen“ Matheos/Arch und Redemption haben nachgelegt und treiben Metal-Fans an den Rand des finanziellen Ruins.

Das golden glänzende Worship Music von Anthrax ist eine riesige Überraschung. Nach dem Bruch mit Sänger John Bush und seinem extrem kurzlebigen Nachfolger Dan Nelson steht jetzt wieder Joey Belladonna aus dem „klassischen“ 80er-90er Lineup am Mikro. Nach dem ständigen Hin- und Her und Drama der letzten acht Jahre hat eigentlich niemand mehr damit gerechnet, dass das neue Album überhaupt noch erscheint, geschweige denn dass es hörenswert ist. Jetzt steht es in den Regalen und verbindet elegant die thrashige Härte von Among the Living mit den Hooks des John Bush-Ära-Albums Sound of White Noise. Auf Songs wie „Fight ´Em Till You Can’t“,  „In The End“ und „Crawl“ zeigt Belladonna, dass seine Stimme nicht nur genau so kräftig und sicher klingt wie vor 25 Jahren, sondern besser. Jeder der Tracks auf Worship Music hat so viele mitreißende Riffs und Hooks, dass er auf den letzten Alben das einsame Highlight gewesen wäre. Aber neben dem aufgemotzten Songwriting klingen nicht nur Belladonna, sondern auch Drummer Charlie Benante, Riff-Meister Scott Ian und Bassist Frank Bello so frisch wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr, möglicherweise revitalisiert durch das Zusammenspiel mit Kollegen Metallica, Slayer und Megadeth bei den „Big Four“ Shows. Auf dem letzten Album hat sich die Band mit Rob Caggiano zum ersten Mal seit den frühen 90ern einen neuen Leadgitarristen in die Band geholt und auf Worship Music zahlt sich die Entscheidung aus: Die Soli sind die besten seit Among the Living. Wenn eine in die Jahre gekommene Band wie Anthrax es nach einem Vierteljahrhundert schafft, an ihre besten Zeiten ranzukommen, dann Hut ab!

Bonus: Das limitierte Digipack zeichnet sich neben dem hübschen Look (shiny!) dadurch aus, dass der Hidden Track jetzt als Bonus Track direkt anwählbar ist. That’s it.

(**** 1/2)

Auf dem neuen Album von Redemption geht es etwas ruhiger und gemäßigter zu. Kein Wunder, Gitarrist/Keyboarder/Mastermind Nick van Dyk kämpft seit ein paar Jahren mit einer besonders tückischen Krebs-Variante und ist erst kürzlich – gegen alle ärztlichen Prognosen – dem Tod von der Schippe gesprungen. Die Songs von This Mortal Coil drehen sich also um Tod und Sterblichkeit. Aber auch wenn die Texte noch nachdenklicher und introspektiver sind als auf dem letzten Album, hat sich musikalisch nicht viel verändert. Wie schon auf den letzten Alben machen Redemption gut produzierten und oft emotionalen Prog-Metal auf hohem technischem Niveau. Leider tritt Van Dyk musikalisch oft auf der Stelle und der eine oder andere Songs hätte genau so auch auf den Vorgängeralben sein können. Einzelne Tracks heben sich trotzdem heraus; vor allem „Dreams from the Pit“, die Ballade „Let it Rain“ und das epische „Departure of the Pale Horse“, Redemptions bester Song seit „Sapphire“. Insgesamt steckt This Mortal Coil voller einprägsame Momente, nicht zuletzt dank Fates Warning-Sänger Ray Alder, der Van Dyks manchmal etwas generischen Melodien viel Seele einhaucht. Als Redemptions erstes Album wäre This Mortal Coil fast als Meisterwerk durchgegangen.  So ist es immerhin ein rundes, solides Werk geworden, das seinen Vorgängern in nichts nachsteht.

Die Deluxe-Version mit Bonus CD kann man sich übrigens schenken – die sechs Cover-Songs (u. A. Elton John, Toto und Journey) übernehmen größtenteils genau die Arrangements der Originale ohne deren Qualität zu erreichen. Und wer (wie ich) gehofft hat zu hören, wie Ray Alder Tori Amos singt, wird bitter enttäuscht.  Statt dessen ist Gastsängerin Anna Kristina am Start und macht als drittklassige Tori-Kopie das eigentlich großartige „Precious Things“ zum überflüssigsten Track der Doppel-CD.

(*** 1/2) [Album]

(* 1/2) [Bonus]

Während sich Redemption manchmal den Vorwurf gefallen lassen müssen, wie „Fates Warning light“ zu klingen, kann davon bei Arch/Matheos nicht die Rede sein. Zumindest vom light-Teil, denn das Album Sympathetic Resonance klingt 100%ig nach Fates Warning. Das ist kein Zufall: Für das Arch/Matheos Projekt hat das aktuelle Fates Warning-Lineup (minus Sänger Ray Alder) die Bandpause genutzt, um sich mit Ur-Sänger John Arch zusammenzuschließen und sechs Tracks aufzunehmen, die locker als der reifere und besser klingende Nachfolger des 86er Fates Warning-Albums Awaken the Guardian durchgehen. Trotzdem ist Sympathetic Resonance kein Retro-Prog. Schon der Opener „Neurotically Wired“ zeigt eindrucksvoll wie gut Fates Warning 2011 klingen könnte – modern, voller vertrackter Riffs und trotzdem eingängig. Auch bei den restlichen Tracks kommt durch das kreative Songwriting und die abwechslungsreiche Dynamik nie Langeweile auf – bis das Album mit der Halbballade „Incense And Myrrh“ perfekt zuende geht.

Trotzdem hat Sympathetic Resonance eine Achillesverse: John Arch singt nicht nur, als wäre es noch immer 1986, er klingt dabei schrecklich nasal und eintönig. Sein Nachfolger Ray Alder hat zwar auch als reiner „Kreischer“ angefangen, hat sich aber auf Alben wie Parallels und später A Perfect Shade of Gray die tieferen Register erschlossen. Arch dagegen bleibt das ganze Album über in einer Lage, die forciert und kraftlos klingt, und so omnipräsent ist, dass sie das ganze Album nach unten zieht. So bleibt Sympathetic Resonance eher ein Teaser für das nächste „echte“ Fates Warning-Album mit Ray Alder, aber immerhin einer mit tollen Songs in kraftvollem, glasklarem Sound. Und für Fans, die sich wünschen, John Arch hätte nie die Band verlassen, geht mit dem Album ein Traum in Erfüllung.

(****)

Mastodons neues Album hat keine solchen Probleme. Das Quartett aus Atlanta singt zwar bei Konzerten notorisch schief (tragisch auf Live At The Aragon dokumentiert), im Studio ist davon aber glücklicherweise nichts zu spüren. The Hunter ist deutlich weniger ambitioniert als die letzten beiden Alben, Blood Mountain und der progressive Meilenstein Crack the Skye. Mastodon wollten ein einfacheres, Riff-lastigeres Abum aufnehmen, eine Art Metal-Version der frühen Led Zeppelin und haben genau das getan. Die 13 Songs auf The Hunter (fast doppelt so viele wie auf Crack the Skye) sind deutlich kürzer und kommen schneller auf den Punkt. Trotzdem tun Mastodon nicht so, als hätte es die beiden Vorgänger nie gegeben – der Gesang ist noch immer melodisch (anders als in den frühen Jahren) und auch die Psychedelic-Klänge der letzten zwei Alben sind fester Bestandteil des Sounds – vor allem beim genialen „Stargasm“ und dem letzten Track „The Sparrow“. Auch wenn The Hunter kein epochales Meisterwerk geworden ist: Mastodon sind sich treu geblieben, haben ihren individuellen Sound konsequent weiterentwickelt und dabei ein straightes und sehr grooviges Metal-Album ohne großartige Schnörkel abgeliefert. Was will man mehr?

Bonus: Auf der Bonus-DVD sind drei Videos, ein kurzes Making of und Kommentare zu allen Tracks. Sehenswert.

(**** 1/2)

Vier Jahre nach dem genialen The Blackening landen Machine Head mit Unto The Locust einen erneuten Schlag in die Magengrube. Anstatt zum poppigeren Nu-Metal Sound früherer Jahre zurückzukehren, ist die neue Platte eher noch brutaler und „oldschooliger“ ausgefallen. Der vorab veröffentlichte Quasi -Titelsong „Locust“  ist die beste Single seit „Davidian“ und ein sehr guter Indikator für die Richtung des Albums.

Während Sänger Robb Flynn genauso kraftvoll kreischt wie eh und je, hat er auf ein paar der Songs Gelegenheit, gefühlvoller zu singen. Am Anfang von „Darkness Within“ klingt er so sehr nach Pearl Jams Eddie Vedder, dass ich einen Moment versucht war, im Booklet nachzuschlagen. Insgesamt knüpft der Sound von Unto the Locust ziemlich direkt an den Vorgänger an;  allerdings sind die Songs noch abwechslungsreicher und Machine Head haben gleichzeitig die ausufernden Intros zurückgestutzt und so die Songs (und auch das Album) etwas kürzer gehalten. Das ist keine Beschwerde: Unto the Locust hat die perfekte Länge und ist kein bisschen schwächer als The Blackening. Ein definitiver Kandidat für das Metal-Album des Jahres.

 

Bonus: Das limitierte Digipack lohnt sich bedingt, der zusätzliche Inhalt ist nett, aber nicht weltbewegend. Das 20 Minütige Making of ist kurzweilig, und die drei Bonus Songs haben immerhin Kuriositätswert (und sind um Längen besser als das Bonus-Metallica-Cover auf The Blackening): Die alternative Version von „Darkness Within“ ist das Highlight und lässt einen ungewöhlich entspannten Flynn hören (nur von akustischer Gitarre begleitet). Das Judas Priest-Cover „The Sentinel“ klingt sehr vorhersehbar. Dagegen stellt sich der Rush-Klassiker „Witch Hunt“ als schlechte Idee heraus, führt aber immerhin mit seinen sludgigen Riffs und Flynns grässlich unpassenden Vocals  zu einer überraschenden Erkenntnis: Machine Head + Rush = Ozzie-Ära Black Sabbath.

(*****) [Album]

(**) [Bonus]

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