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Jahresrückblick: Popkultur 2011 – unsere Favoriten

Buch

Desirée:

Meine Liste ist – zugegebenermaßen wenig überraschend – relativ papierlastig ausgefallen. Aber dieses Jahr gab es auf der großen Leinwand auch erschreckend wenig, was mir wirklich die Schuhe ausgezogen hätte – aber immerhin erfreulich viel, was ich wirklich gut fand. Zum Beispiel bin ich ganz unerwartet zum Mission Impossible-Fan mutiert und habe das Gefühl, während The Tree of Life eine Art Hypnosetechnik entdeckt zu haben. Auch Game-technisch fand ich das Jahr nicht so überragend wie manch anderer; die beste (dafür aber auch überragende) Spielerfahrung dieses Jahr war für mich Dragon Age, und das ist schon ein paar Jährchen alt. Hier also meine Lieblinge:

Adam Gidwitz – Eine dunkle und GRIMMige Geschichte – Der englische Untertitel (den die deutsche Ausgabe kommentarlos geschluckt hat) lautet: „Once upon a time fairytales were awesome“ Das sind sie nun wieder, dank Adam Gidwitz‘ brillanter Uminterpretation der grimmschen Märchen. Und ganz nebenbei hat er eine der originellsten Erzählstimmen der letzten zehn Jahre geliefert. Was Kreativität, Witz und Finsternis betrifft, spielt Gidwitz in einer anderen Liga als die meisten Kinderbuchautoren, nämlich in der von Barrie und Carroll.

Ane Brun – Hat ein großartiges Album herausgebracht und mein Lieblingskonzert des Jahres gespielt. Sie mag optisch wesentlich bodenständiger sein als manch andere Pop-Elfe des Nordens (und auch musikalisch weniger experimentell), aber für ihre Stimme gilt das nicht, fürs Songwriting genauso wenig. Die haben beide Flügel. PS: Zweiter unter meinen Musikern des Jahres ist William Fitzsimmons, dessen neues Album fast aber nicht ganz so tröstend, wohltuend und gleichzeitig herzzerreißend ist wie die beiden Vorgänger.

Black Swan – Nicht nur clever, finster und mit tollen Performances, sondern auch so ästhetisch, dass er ein genauso eindringliches Plädoyer dafür ist ins Ballett zu gehen, wie kein Ballett zu tanzen. Mein Lieblings-Blockbuster dieses Jahr.  Hatte The King’s Speech den Oscar wirklich mehr verdient? Ich finde nicht.

A Game of Thrones – Was an dieser Serie war nicht überragend? Selbst erklärte Fantasy-Gegner haben sich damit in einen Rausch geguckt, von Genre-Fans mal ganz zu schweigen. Hat das Zeug, Fantasy salonfähig zu machen und ist mühelos auf dem Niveau des Herrn der Ringe.

Raum – Emma Donoghue schafft es, uns einen völligen Perspektivwechsel erleben zu lassen. Und sobald der vollzogen ist, boxt sie ihren Lesen mit der Faust ein paarmal kräftig in den Unterleib. Gleichzeitig ist Raum eins der unterhaltsamsten und charmantesten Bücher des Jahres. Unwiderstehliche Kombination!

Sherlock – Marc Gatiss und Stephen Moffat (die sich vom fast genauso brillanten Doctor Who kennen) haben Sherlock Holmes so elegant ins Heute katapultiert, als wäre Arthur Conan Doyle ihr bester Freund von nebenan: mit cleveren Fällen, kreativen Ideen und vor allem einem überragenden jungen Holmes-Darsteller namens Benedict Cumberbatch. Wer’s verpasst hat, kann auf die DVD zurückgreifen, die mittlerweile erschienen ist.

Habibi – Craig Thompson war schon nach seiner autobiographischen Graphic Novel Blankets einer der größten Namen im Comic-Geschäft, und mit Habibi hat er seinen Ruf als brillanter Auteur zementiert: Eine der epischsten Liebesgeschichten der letzten Jahre, ein graphisches Wunder und ein kluger Kommentar auf die okzidentale Sicht des Orients. Kein Wunder, dass er acht Jahre lang damit in den Wehen gelegen hat.

Ohne.Ende.Leben – Der deutsche Titel gewinnt nicht den Preis für die geschickteste Übersetzung (Original: Going Bovine), aber Libba Brays Wandel von der braven Autorin paranormaler Romantik mit viktorianischem Twist zur brillanten (und halb wahnsinnigen) Analytin des pubertierenden Hirns ist originell, witzig und unterhaltsam. Jugendbuch des Jahres!

The Divide – Der schmutzigste, böseste und brillanteste Film, den ich dieses Jahr gesehen habe; ein postapokalyptisches Kammerspiel mit Killer-Schauspielern (unter anderem Milo Ventimiglia aus den Gilmore Girls und Heroes in einer beängstigend anderen Rolle) und so viel Intensität, dass einem die Hände an den Lehnen vom Kino-Sitz festkrampfen. Regulär ist The Divide noch nicht gelaufen, ich hoffe dass die deutschen Verleihe das nächstes Jahr nachholen.

Stuck Rubber Baby – Keine echte Neuerscheinung, sondern ’nur‘ eine Neuübersetzung, aber allein dafür gebührt dem Verlag Dank. Außerdem dafür, dass Stuck Rubber Baby, anders als die anderen großen Graphic Novels der letzten Jahre, auch in der deutschen Ausgabe tatsächlich bezahlbar ist. So öffnet diese emotionale Geschichte über ein Coming-Out im amerikannischen Bürgerkrieg vielleicht einem neuen Publikum die Tore zum immer noch unterschätzten Genre der Graphic Novel. Wer sich in Howard Cruse’s autobiographische Geschichte, seine warmherzigen, klugen Dialoge und seine ausdrucksstarken Figuren mit den viel zu großen Händen und den seltsam deformierten Köpfen nicht schleunigst verliebt, dessen Herz ist vermutlich ein paar Nummern zu klein.

Enttäuschung des Jahres

Das Labyrinth der Träumenden Bücher – Da ich alles gesagt habe, was ich zum neuen Roman des sonst so genialen Walter Moers denke, verkneife ich mir jeden weiteren Kommentar.

Übersehene Popkultur

Winnie the Pooh – Normalerweise, wenn es einen neuen Disney-Film gibt, läuft die Werbemaschinerie auf Hochtouren, kaum eine Litfasssäule bleibt ohne bunte Bilder und die Trailer laufen vor jedem größeren Film. Warum Disney Winnie the Pooh einfach so hat in der Versenkung verschwinden lassen wie ein schmutziges kleines Geheimnis, ist mir ein völliges Rätsel. Natürlich richtet er sich – anders als die meisten Disney-Filme – hauptsächlich an ein sehr junges Publikum; aber das macht nichts, der Film ist trotzdem reine Disney-Magie! Und die Version von 1974 steckt er locker in die Tasche.

Das Ende der Geschichten – Scarlett Thomas ist eine der kreativeren Schriftstellerinnen der westlichen Hemisphäre, und Das Ende der Geschichten gehört zu den besten Büchern des letzten Jahres. Dass es niemand gelesen hat, hat vielleicht damit zu tun, dass es nach dem Vorgänger Troposphere von vielen Buchhändlern ins Fantasy-Regal geräumt worden ist. Da gehört es nicht hin! Das Ende der Geschichten ist ein Drama, in dem Scarlett Thomas das Thema Erzähltheorie dreht und wendet und von allen möglichen Seiten behandelt. Und sie räumt die ganz große Schwäche von Troposphere aus: Ihre neuen Figuren sind so menschlich, dass sie fast aus der Seite springen.

Kai:

Wenn ich zurückblicke, habe ich 2011 erstaunlich viel Zeit mit Popkultur aus den letzten Jahren verbracht: Rock Band 3, Fringe, die Scott Pilgrim-Comics und die ersten Bände von The Walking Dead. Dabei war dieses Jahr nur so vollgestopft mit interessanten Neuerscheinungen, von denen es viele nicht auf diese Liste geschafft haben. In den meisten anderen Jahren wären die Spiele Batman: Arkham City, Uncharted 3 und Skyward Sword in der Top Ten gewesen, genau wie die neuen Alben von Dream Theater und Opeth sowie die epische 3-CD-Box „The Complete Color Spectrum“ von The Dear Hunter. Hier sind also meine zehn Popkultur-Favoriten 2011, in keiner bestimmten Reihenfolge:

The Guard –die drei Hauptfiguren in The Guard – Brendan Gleesons Kleinstadt-Polizist, Don Cheadles FBI-Agent und Mark Strongs Drogenschmuggler wären interessent genug gewesen, um einen Film alleine zu tragen. Anstatt aber die drei einfach bei einem 90-minütigen Gespräch und ein paar Glas Bier zu zeigen (auch das hätte ich mir angeguckt) hat The Guard zusätzlich noch einen cleveren Plot mit perfektem Showdown aufgefahren. Peinlicher deutscher Zweittitel: Ein Ire sieht schwarz.

I Saw the Devil – die unzensierte Langfassung des Koreanischen Horror/Noir/Rachethrillers war gleichzeitig schockierend und hypnotisch. Visuell poliert, psychologisch komplex und über die gesamte Laufzeit so unangenehm konsequent wie das Ende von David Finchers Sieben.

Game of Thrones – Die HBO-Serie hatte nicht nur die Komplexität von George R.R. Martins Epos eingefangen, sondern auch ein für allemal bewiesen, dass High Fantasy im Fernsehen das gleiche dramatische Potential hat wie Mad Men oder Breaking Bad und nicht nur ein „Guilty Pleasure“  für lange Samstagnachmittage (á la Merlin) sein muss.

Anthrax: Worship Music – mit ständig wechselnden Sängern sind die Thrash-Veteranen Anthrax in den letzten Jahren fast zu einer musikalischen Soap mutiert. Umso überraschender also, dass nach fast 30 Jahren Bandgeschichte ein Album kam, dass mit seinen Hooks und der wuchtigen Produktion sogar den Klassiker „Among the Living“ alt aussehen lässt.

Steven Wilson: Grace for Drowning – 2011 hat Steven Wilson ein neues Blackfield-Album aufgenommen und die neue CD von Opeth abgemischt. Vor allem hat er aber ein unendlich kreatives zweites Soloalbum aufgenommen, das scheinbar mühelos die ganze Bandbreite von Prog über Jazz zu Electronic und Avantgarde abgedeckt hat – oft alles innerhalb von einem Song. Mein Album des Jahres, das auf Blu-ray noch besser klingt.

Kate Bush: 50 Words for Snow – Kate Bushs ebenso furchtloses neues Album war weniger ein Comeback als eine konsequente Weiterführung des musikalischen Weges, den sie mit „Aerial“ eingeschlagen hatte. Atmosphärisch, wunderschön und viel zu schnell vorbei.

Habibi – „5 Jahre?!“ war meine erste Reaktion als ich gehört habe, wie wie viel Zeit die neue Graphic Novel von Blankets-Autor Craig Thomson verschlungen hat. Nachdem ich das opulente Geflecht von Geschichten über das Erzählen, Religionen – zweifellos der beste Comic des Jahres – gelesen hatte, wurde allerdings daraus „nur 5 Jahre?“

Patrick Rothfuss: Die Furcht des Weisen – genau wie Habibi ist auch Rothfuss‘ Buch eine Geschichte über das Erzählen. Kein anderer Roman hat mir 2011 gleichzeitig so viel Spaß gemacht und mich literarisch überzeugt wie der Nachfolger von Der Name des Windes. Rund tausend Seiten sind zwar viel, aber der zweite Tag der Abenteuer von Kvothe hätte gerne noch viel, viel länger sein dürfen.

Dark Souls – der Nachfolger von Demon‘s Souls hatte keine bahnbrechende Grafik wie Crysis 2 oder Uncharted 3 und keine komplexe Story wie Deus Ex: Human Revolution. Trotzdem hat mich das finstere, fast komplett handlungsfreie RPG mit seinen atmosphärischen Dungeons und seinen scheußlichen, todbringenden Gegnern häufig bis in den Schlaf verfolgt. Und manchmal scheint es mich sogar aus dem Regal anzustarren.

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