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PopKulturChat: Interview mit „Hell“ Regisseur Tim Fehlbaum

Film

Am 22. September läuft im Kino der Endzeit-Thriller Hell an, einer der wenigen deutschen Science-Fiction Filme der letzten Jahre. Wir haben uns im Vorfeld mit dem jungen Regisseur Tim Fehlbaum über sein Debüt und die Renaissance des Science-Fiction-Films unterhalten.

Popkulturschock: Sie haben vor kurzem Hell beim Fantasy-Filmfest gezeigt und waren selber vor Ort. Wie war diese Erfahrung?

Tim Fehlbaum: Ich war sehr aufgeregt, weil das ist sozusagen das Spezialistenpublikum, also die Genre-Spezialisten. Und ich bin selber auch Fantasy-Filmfest-Gänger, und das ist wie Publikum sozusagen, in dem man selber auch mal drin saß, und ich weiß dass die sehr kritisch sind und sehr genau hingucken und ich hab manchmal so die Befürchtung: Vielleicht ist ihnen der Film nicht blutig genug… aber er hat dann den Publikumspreis gewonnen.

PKS: Im Moment sind Dystopien sehr angesagt. Warum meinen Sie ist das so?

TF: Als ich im Vorfeld für den Film recherchiert hab, hab ich nen Bericht gelesen mit einer interessanten Theorie: Dass sowas eigentlich immer aktuell ist, und das aber interessanterweise jede Generation das Gefühl hat, dass gerade jetzt besonders aktuell diese Endzeit-Angst sei.

PKS: Wie schwer war es denn für sie, den Film zu finanzieren?

TF: Wir dachten im Vorfeld, dass es sehr schwierig wird, und es wurde uns von vielen Leuten abgeraten, genau wegen der Finanzierung. Wir haben aber dann das Drehbuch eingereicht und sind überraschend gleich von der ersten Förderung gefördert worden. Eigentlich von allen Förderungen, wo wir das Drehbuch eingereicht haben. Von daher kann ich nicht behaupten, dass es da keine Offenheit für sowas gab.

PKS: Was muss ich denn als junger Regisseur machen, wenn ich für mein Projekt Schauspieler wie Hanna Herzsprung haben möchte, und einen Produzenten wie Roland Emmerich?

TF: Also unsere Produzenten Gabriele Walther und Thomas Wöbke sind beide schon lange mit Roland Emmerich befreundet. Und er ist ein sehr loyaler Typ, also mit den Leuten, mit denen er angefangen hat, die zieht er dann auch so mit. Und Gabriele Walther zum Beispiel hat eben seinen ersten Kurzfilm produziert, an der Filmhochschule noch damals. Und die haben ihm einfach das Treatment, unseren ersten Entwurf der Geschichte und eine DVD mit meinem Kurzfilm geschickt, und gefragt, ob er daran interessiert sei. Und bei Hannah Herzsprung – die haben wir ganz lange gar nicht angefragt, weil wir dachten: An so ner Art Film ist sie vielleicht gar nicht interessiert, oder sie hat keine Zeit… Aber irgendwann hat mich meine Casterin überzeugt, ihr das zum Lesen zu geben. Ich hab sie damals in zehn Minuten gesehen und hab sofort gedacht, dass das die richtige für den Film ist. Und zu unserer Überraschung hat sie gesagt, dass sie Interesse hätte.

Tim Fehlbaum und Darstellerin Angela Winkler

Angela Winkler war allerdings schwieriger zu bekommen.

PKS: Und haben Sie dann einfach immer weiter versucht, bis Sie sie hatten, oder hatten Sie zwischendurch einen Plan B?

TF: Nein, hatte ich gar nicht. Es war unklar, ob sie’s machen wird oder nicht, und für mich war sie die Traumbesetzung für die Rolle. Aber da musste ich richtige Überzeugungsarbeit leisten. Sie hatte schon zugesagt, und dann hat sie wieder abgesagt, und dann hatte ich schon Angst, dass sie’s nicht machen wird, und dann bin ich nach Berlin gefahren und hab bei ihr geklingelt und hab sie so lange belagert bis sie gesagt hat: Ja, okay, sie macht’s. Aber als sie sich dann einmal dafür entschieden hat, was das unglaublich. Bei den Dreharbeiten war sie so fokussiert und toll und ganz für das Projekt da.

PKS: Als Regisseur muss man ja viele Fäden zusammenhalten – haben Sie den Glauben an das Projekt zwischendurch auch mal verloren oder daran gezweifelt, ob Sie’s schaffen?

TF: Ich habe wenn dann den Glauben nicht an das Projekt, sondern in mich verloren, also von wegen: Schaff ich das alles? Ich hab oft Pensums-Probleme gehabt, also dass man den Drehtag nicht schafft in der richtigen Zeit, und natürlich hab ich solche Gedanken gehabt. Auch: Kann ich so tollen Schauspielern überhaupt gerecht werden? Also, der Druck war teilweise groß, ja.

PKS: Hätten Sie gerne noch weiter dran gearbeitet, oder haben Sie irgendwann gesagt: So, jetzt ist er perfekt?

TF: Ich hätte ewig dran weiterarbeiten können. Damit hab ich die Produzentin teilweise fast verrückt gemacht, weil irgendwann muss natürlich gut sein, und das ist auch wichtig, dann ist der Film so wie er ist. Und auch wenn ich ihn jetzt noch sehe, sehe ich noch dauernd Dinge, wo ich denke: Ach, da hätte man so, und da hätte man so… Aber irgendwann müssen Sie ja auch dieses Interview abgeben. Also es gibt halt Deadlines.

PKS: Haben Sie mit Hell versucht, einen spezifisch deutschen Film zu machen?

TF: Tatsächlich war es mir wichtig, dass der Film eine gewisse deutsche Identität hat. Zum Beispiel ein gewisser Song, der mir unheimlich wichtig war, und der dann auch im Film gelandet ist. Aber überhaupt, dass es einen apokalyptischen Film mal gibt, der dann aber nicht in Amerika irgendwo in der Wüste spielt, sondern hier auf der Autobahn, also mit den Autobahnschildern, die so aussehen wie in Deutschland und mit Natur, die aussieht wie ein deutscher Wald.

PKS: Wo ist der Film eigentlich gedreht?

Fehlbaum (hier mit Hanna Herzsprung) legt selbst Hand an die Kamera an

TF: Der Film ist zu zwei Drittel in Deutschland gedreht, in Bayern und in Berlin/Brandenburg – die Länder, von denen wir auch gefördert wurden – und ein letztes Drittel haben wir in einem großflächigen Waldbrandgebiet auf Korsika gedreht. Bei den deutschen Sets, da musste man richtig was herrichten, also in Bayern haben wir zum Beispiel die Bäume schwarz angesprüht, damit’s verkohlt aussieht, also mit ökologisch korrektem Spray, das vom Regen wieder abgespült wurde. Und auf Korsika konnten wir dann 360°-Schwenks machen, und da war überall genau das ideale Setting für unsere Geschichte. Was natürlich fast schon zynisch ist, weil die Leute, deren Heimat dieses Waldbrandgebiet ist, war das wahnsinnig schrecklich, und für uns war das das ideale Motiv.

PKS: Gibt es einen Film, nach dem Sie gesagt haben: Ich will Regisseur werden?

TF: Vielleicht der Weiße Hai von Steven Spielberg. Das war ein Wahnsinns-Erlebnis. Aber, nein, ich hatte eine Phase, wo ich ganz viele Hitchcock-Filme geguckt habe, und da kam dieser Wunsch auf.

PKS: Würden Sie sagen, dass Sie als Regisseur in der Tradition von Hitchcock stehen?

TF: Oh, das wäre sehr, sehr hoch gegriffen. Ich glaube, was ich davon mitgenommen habe, ist einfach eine gewisse Faszination für düstere Stoffe. Hitchcock hat zwar auch einige wenige Komödien gemacht, aber in erster Linie hat er düstere Filme gemacht: Psycho, Vertigo, Die Vögel

PKS: Und auch die Komödien waren ja düster…

TF: Da haben Sie Recht, schwarzer Humor!

PKS: Wenn Sie sich jetzt für Ihren nächsten Film ein Genre und einen Hauptdarsteller/in aussuchen könnten – was wäre dann das Traumprojekt?

TF: Beim Genre würde ich mich jetzt nicht festlegen auf Thriller oder Horrorfilme, aber ich würde sagen: Es müsste wieder was Düsteres sein… Also ich meine damit, dass eine Komödie oder ein Liebesfilm eher nicht mein Ding wäre. Das liegt nicht daran, dass ich’s nicht mag, ich gucke sehr gerne Komödien, aber Komödien sind zum Beispiel das allerschwierigste, die Leute zum Lachen zu bringen. Und was Hauptdarsteller betrifft: Ich hatte das Glück, schon in meinem ersten Film mit Traum-Hauptdarstellern arbeiten zu dürfen, deswegen wurde das schon erfüllt.

PKS: Macht Ihnen die Promo-Tour eigentlich Spaß, oder würden Sie sich lieber wieder in ein neues Projekt stürzen?

TF: Nein, gar nicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich das alles zum ersten Mal mache, aber es macht mir unglaublichen Spaß, und ich möchte eigentlich, dass es gar nicht zuende geht. Es ist sehr aufregend, und ich bin momentan auch noch ganz fokussiert auf Hell. Also es ist noch längst nicht über die Bühne.

PKS: Und gibt es schon Pläne für ein neues Projekt?

TF: Nein, keine Pläne. Für mich ist das alles noch so neu und ich bin ganz fokussiert auf den Kinostart.

 

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