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Kritik: Zeina Abirached – Das Spiel der Schwalben

Comic
Überblick
Item Reviewed

Zeina Abirached - Das Spiel der Schwalben

Author
30. August 2014
Genre

Memoir

Spielt in

Libanon

Jahr

2013

Ein Nachmittag im Bürgerkrieg

spiel-der-schwalben-650Neben Art Spiegelman’s Maus ist Marjane Satrapis autobiographischer Comic Persepolis einer der meist gehypten Comics der letzten Jahrzehnte. Die libanesische Künstlerin Zeina Abirached hat Persepolis nicht gelesen, bevor sie ihr eigenes Debüt schuf – trotzdem könnten die beiden Graphic Novels sozusagen Schwestern sein.

Wie Satrapi erzählt Das Spiel der Schwalben nämlich von einer Kindheit in einem von politischen Unruhen und Bürgerkrieg gebeutelten Land: Zeina Abirached ist im Libanon der 80er Jahre aufgewachsen, direkt an der Grenze, die die beiden Bürgerkriegsparteien voneinander trennte.

Auch stilistisch ähneln sich die beiden Comics: Abiracheds Figuren bestehen aus harten geometrischen Formen in schwarz-weiß, die Gesichter sind genau wie bei Satrapi nur ein paar Striche und trotzdem sehr ausdrucksvoll.

Auf den zweiten Blick sind da aber doch einige Unterschiede: Das Artwork hat eine sehr eigene Handschrift. Abirached verbindet ihre holzschnittartige Optik und die cartoonigen Gesichter mit einem französischen Comic-Trend, bei dem sich der Aufbau der Panels auf einer Seite mit nur geringen Abwandlungen immer wiederholt. So hat jedes Blatt – jede Szene – eine eigene Ästhetik und eine eigene Atmosphäre.

Vor allem aber erzählt Persepolis eine ganze Kindheit, ein Epos, das sich über mehr als 10 Jahre erstreckt. Das Spiel der Schwalben dagegen beschränkt sich auf einen einzigen Nachmittag, in dem sich die Bewohner von Zeinas Haus in der Wohnung ihrer Eltern versammeln, dem Raum im Zentrum des Hauses, um einen Angriff zu überleben. Von dort ausgehend erzählt Zeina Abirached die Geschichten ihrer Nachbarn, stellvertretend für die des libanesischen Volks. Durch die kammerspielartige Rahmenhandlung ist die Geschichte klein und intim, auch wenn sie sich via Flashback dann doch über einige Jahrzehnte spannt. Die Hintergründe des Bürgerkriegs und die konkrete politische Situation bleiben im Hintergrund, stattdessen nimmt Abirached sich Zeit für jede ihrer Figuren und für die beklemmende und trotzdem irgendwie heimelige Atmosphäre.

Kein Wunder, dass Das Spiel der Schwalben so viele Preise gewonnen hat. Sie hätte sich vielleicht ein wenig Zeit nehmen können, um ihre Geschichte in die politische Situation des Libanon einzuordnen, aber Zeina Abirached hat sich eben entschieden, nur die Auswirkungen dieser Situation auf die Bewohner des Libanons zu erzählen. Dadurch ist ihre Graphic Novel persönlich und bewegend, aber erstaunlicherweise nie trostlos. Im Gegenteil, Das Spiel der Schwalben vermittelt vor allem eins: Dass es auch inmitten von Tod und Zerstörung möglich ist, eine glückliche und geborgene Kindheit zu haben.

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Ein Kammerspiel in kantiger Optik, das emotional und auf den Punkt von der Misere des libanesischen Bürgerkriegs erzählt, ohne dabei Wärme und Humor aus den Augen zu verlieren.

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