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Graphic Novel-Kritik: Chew – Flambiert

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Graphic Novel-Kritik: Chew – Flambiert

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Mordopfer, großes Drama und Hühnchen

Die Welt von Chew ist eine der seltsamsten der letzten Jahre, egal in welchem Genre: Huhn ist verboten, die amerikanische Gesundheits-Behörde FDA ist das mächtigste Exekutivorgan der Welt, und zu allem Überfluss gibt es Menschen mit übersinnlichen Kräften, die alle irgendwie mit Essen zu tun haben. So zum Beispiel Protagonist und FDA-Agent und Cibopath Tony Chu, der die Geschichte von allem was er isst höchst graphisch vor seinem inneren Auge sieht. Unpraktisch, wenn es um ein Steak geht, praktisch – aber eklig – wenn man in ein Mordopfer beißt.

Im vierten Band war all das den Chew-Schöpfern John Layman und Rob Guillory offenbar nicht mehr genug. Ihr neuer Plan: Aliens. Oder so. So genau erfahren wir in Flambiert noch nicht, woher die seltsame Schrift stammt, die auf einmal am Himmel auftaucht und sich wie ein riesiges Band um die Erde zieht. Aber wir erfahren, dass sie möglicherweise mit ein paar Fragen zusammenhängt, die bisher nonchalant unbeantwortet geblieben sind. Zum Beispiel: Was sollen eigentlich diese Cybopathen?

Ähnlich wie der vorige Band ist der vierte Teil der preisgekrönten Serie weniger stringent als deren Anfang. Statt einer durchgehenden Geschichte, die in mehreren Portionen über fünf Einzelbände verteilt und dann wieder zu einem Sammelband zusammen genommen worden ist, erzählen die fünf Hefte von Flambiert jeweils eine abgeschlossene kleine Episode. Allerdings greift jede von ihnen einerseits auf Details der letzten Bände zurück und führt andererseits Stränge der Geschichte zusammen. Aus dem schmutzigen Noir mit Twist wird langsam aber sicher ein dramatisches SciFi-Epos.

Stilistisch sind Layman und Guillory dabei so sicher wie immer: Guillory erzählt mit erfrischend klaren Linien, vielen Winkeln, und mit spektakulären Farben, die die Stimmung einer ganzen Szene auf den ersten Blick verraten. Seine Gesichter sind ökonomisch aber ausdrucksvoll, und umso mehr Mühe gibt er sich mit den Hintergründen, in denen er und Layman noch mehr Witze, Bezüge und Anspielungen versteckt haben. Irgendetwas gibt es in fast jedem Panel zu entdecken. Der neue Band ist zwar nicht so experimentell und postmodern erzählt wie der letzte, aber auch hier werden gelegentlich Enden vor dem Anfang erzählt.

Mit Flambiert in die Welt von Chew einzusteigen ist keine gute Idee, auch wenn der vierte Band sicher Lust auf mehr macht. Das Wirrwarr von Charakteren und Handlungssträngen lässt sich ohne Vorkenntnisse nicht mehr durchschauen (um ehrlich zu sein habe ich vorher den dritten Band nochmal lesen müssen um mitzukommen). Daran ändert auch die treuherzige (und sehr witzige) Einführung in die Welt von Tony Chu nichts, die die Autoren dem ersten Heft vorausschicken.

Das sollte aber niemanden vom Lesen abhalten. Chew gehört zum Kreativsten, was der Comic-Markt aktuell zu bieten hat. Mit Flambiert beweisen Guillory und Layman, dass sie nicht nur auf jeder Seite unverschämt viele Ideen abbrennen können, sondern auch den Atem haben um die Geschichte zusammen zu halten und in aller Ruhe Faden um Faden zu verknüpfen.

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