Paste your Google Webmaster Tools verification code here

Graphic Novel: Fanny Britt & Isabelle Arsenault – Jane, der Fuchs & ich

Comic
Überblick
Item Reviewed

Fanny Britt & Isabelle Arsenault - Jane, der Fuchs & ich

Author
28. April 2014
Originaltitel

Jane, le renard & moi

Kommt aus

Kanada

Jahr

2014 (Originalausgabe: 2012)

Länge

104 Seiten

Verlag

Reprodukt

 Poetischer Realismus in Wort und Bild

Britt & Arsenault: Jane, der Fuchs und ich; Rechte: Reprodukt„Heute kann man nirgends langgehen.“ Mit diesem einen Satz irgendwo zwischen Verzweiflung und Resignation beginnt das Graphic-Novel-Debüt von Fanny Britt & Isabelle Arsenault. Dieser Satz, der einzige auf der ersten Seite, steht zwischen drei großzügigen Panels, die auf den ersten Blick ganz harmlos wirken: ein Schulhof, bevölkert von einem Haufen fröhlicher Kinder. Aber beim zweiten Blick starren sie uns fast alle von der Seite her an, und das ziemlich schief. So freundlich wirkt ihr Lachen plötzlich gar nicht mehr.

Jane_Fuchs_ich_grauHélène ist die offizielle Außenseiterin an ihrer Schule, auserkoren und zum verbalen Abschuss freigegeben von den hübschen Mädchen mit den blonden Pferdeschwänzen, die es in jeder Schule gibt. Warum, weiß der Geier. Hélènes einziger Schutzwall sind die 13 Seiten von Charlotte Brontës Jane Eyre, die sie jeden Tag im Schulbus schafft, und die ihre Welt für eine halbe Stunde erleuchten.

Das ist buchstäblich gemeint: Die kanadische Illustratorin Isabelle Arsenault, Trägerin des wichtigsten kanadischen Literaturpreises, lässt Hélène auch optisch nur in diesen Szenen aus ihrem unerbittlich grauen Alltag ausbrechen. Die sepia-grauen Bleichstiftzeichnungen, in denen jeder Strich zu sehen ist, weichen farbigen Panels mit ganz klaren Linien, einer Welt, in der es für Zweifel gar keinen Platz gibt und deren Protagonisten mit geradem, offenem Blick aus den Panels herausschauen. Ganz anders als Hélène, deren Blick immer abgewandt ist. Arsenault gelingt es trotzdem, die beiden Welten zu verbinden: beide dürften mit Aquarellfarben entstanden sein, mit Bleistift die eine, mit dem Pinsel die andere.

Jane_Fuchs_ich_buntDie Theaterautorin Fanny Britt lässt den Zeichnungen genügend Luft zum Atmen. Ihre Texte beschränken sich sehr diszipliniert auf das, was wirklich Sprache braucht, um verstanden zu werden. Sie sind verknappt und zielstrebig und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb? – steckt in jedem Satz so viel Melancholie: „Meine Brüder schließen sich lieber mit Mario Bros. und Lakritzbonbons in ihr Zimmer ein. Die sind spindeldürr, die dürfen das.“ Es würde einem das Herz brechen, wenn nicht immer irgendwo ein Hoffnungsschimmer versteckt wäre.


Jane, der Fuchs und ich
ist für Kinder gedacht – und verständlich – und trotzdem absolut erwachsen. Britt und Arsenault nehmen ihre Geschichte und ihre Protagonistin ernst. Und indem sie sich so elegant gegenseitig die Bälle zuwerfen, beweisen sie auch in die Kompetenz ihrer Leser großes Vertrauen. Diese Kombination gibt es gar nicht so oft, und sie macht diese Graphic Novel auch für Erwachsene zu einer echten Entdeckung. Zumal sie so unerbittlich ins Schwarze trifft – und gleichzeitig so poetisch ist. Jane, der Fuchs und ich ist kein Buch, das man mal eben so nebenbei liest – oder kauft, denn der Preis ist nicht ganz ohne. Dafür schreit es geradezu danach, immer wieder gelesen zu werden, um nach und nach alle Nuancen zu entdecken.

Das sagen die Anderen:


„Fanny Britt und Isabelle Arsenault haben sich mit viel Fingerspitzengefühl mit dem Mobbing und dem Außenseiter-Dasein auseinandergesetzt. Obwohl die bewegende Geschichte sehr zu Herzen geht, schenkt sie mir zauberhafte Augenblicke und am Ende sogar die wunderschöne Hoffnung, dass alles gut werden kann.“ Klappentexterin

„Zwischen den präzisen schwarz-grau-weiß gehaltenen Bleistift-Zeichnungen entsteht das Bild einer Kindheit, lakonisch und herzzerreißend.“ Süddeutsche Zeitung

„Die Magie einer solchen Geschichte ist, dass sie wie eine ausgestreckte Hand ist, von Hélènes Schule zu unserer, die uns wissen lässt: Wir sind nicht allein.“ The New York Times Book Review

 

Bewertung
Wir finden:
Ihr findet:
Hier bewerten
Total
Unterm Strich

Literatur nicht nur als Zufluchtsort, sondern als Brücke zu Anderen - kein neues Thema, aber hier sehr schön aufbereitet; mit wunderschönem, nüchtern-poetischem Artwork (ja, nüchtern-poetisch!) und viel Sensibilität.

Gesamtwertung
User-Bewertung
Du hast dies bewertet
Eure Meinung zum Artikel
0%
0%
0%
0%
kommentieren
Antworten

Antwoten

Total

}