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Grabbelkiste: Wie jetzt, Kult?!

Buch

In unserer Rubrik “Grabbelkiste” stellen wir die unterschiedlichsten Popkultur- Listen zusammen – ob nun Bücher, die uns als Kind Angst gemacht haben oder Filme, die man nur in den frühen Morgenstunden gucken kann.

Vor ein paar Tagen habe ich zum ersten Mal in meinem Leben das MGM-Musical The Wizard of Oz mit der jungen Judy Garland in der Hauptrolle gesehen. Das heißt, ich bin genau 27 Jahre, 7 Monate und 5 Tage alt geworden, ohne auch nur eine Szene aus dem Film zu kennen. Nichts Besonderes – dachte ich. Als Kai, der eine Weile in den USA gelebt hat, davon erfahren hat, ist ihm allerdings beinahe die Milch aus der Nase geschossen. In den USA kann den Film nämlich offenbar jedes Kind rückwärts rezitieren. Zum Vergleich die Zahlen bei Amazon: 67 Rezensionen in Deutschland versus 1102 beim amerikanischen Mutterkonzern.

Bei der Gelegenheit ist mir bewusst geworden, dass ich in letzter Zeit mehrere Filme gesehen und Bücher gelesen habe, von denen ich vorher entweder nie oder nur im Vorbeigehen gehört hatte, die aber in englischsprachigen Ländern Kultstatus haben – und zufällig sind sie alle Kinder- oder Young Adult-Fantasy.

The Phantom Tollbooth von Norton Juster kann man auf so gut wie jeder englischsprachigen Liste der besten Kinderbüchern finden. Von der deutschen Ausgabe „Milos ganz und gar ungewöhnlich Reise“ dagegen hat offenbar kaum jemand je gehört.

Norton Juster war Architekt und Kinderbuchautor und hat in den frühen 60ern geschrieben. „The Pantom Tollbooth“ steht in der Tradition von Klassikern wie Alice im Wunderland, Peter Pan oder dem notorischen Der Zauberer von Oz: eine spannende aber vor allem witzige Reise in ein fantastisches Land, das unsere Realität auf clevere Art widerspiegelt und kommentiert. Juster beschäftigt sich mit Sprache und Klang. In seinem „Land Beyond“ gibt es einen Markt, auf dem Wörter feilgeboten  und ein Schloss, in dem Geräusche festgehalten werden; buchstabierende Bienen und Musiker, die das Wetter beeinflussen können. The Phantom Tollbooth ist etwas harmloser als Alice oder Peter Pan, also für Erwachsene nicht das spannendste Leseerlebnis. Norton Justers Ideen sind allerdings so kreativ und so witzig, dass sein Buch trotzdem Spaß macht. Trotzdem wünschte ich, ich hätte es als Kind gelesen; vermutlich hätte ich es vergöttert.

A Wrinkle in Time (dt. Die Zeitfalte), der erste Band von Madeleine L’Engle’s Time Quintet, ist wesentlich spannender, dafür nicht so verspielt. L’Engle schreibt eine gut durchdachte Mischung aus Science Fiction und Fantasy, durchzogen von humanistischen Ideen. Obwohl es unglaublich beliebt ist, gehört A Wrinkle in Time zu den Büchern, die in den USA am häufigsten ‚challenged‘ worden sind, sprich Leute haben versucht, es verbieten zu lassen – aus religiösen Gründen. Madeleine L’Engle stellt nämlich, obwohl selbst gläubige Christin, in ihrem Roman verschiedene Religionen und philosophische Ideen nebeneinander. Vor allem erzählt sie aber einfach eine faszinierende Geschichte, in der eine eigenwilliges aber charmantes Helden-Trio einen epischen Kampf zwischen Licht und Schatten ausfechten muss und dabei jeder Menge interessanter Fragen aufwirft. Sehr lesenswert!

Ray Bradburys Fahrenheit 451 steht mittlerweile in so vielen deutschen Haushalten als Schullektüre herum, dass sein Ruf schon anfängt unter den kollektiven Erinnerungen an die Oberstufe zu leiden. Dabei kann Ray Bradbury wirklich schreiben, und Something wicked this way comes (der Titel ist Shakespeare’s Macbeth entwendet) finde ich geradezu genial. Es ist Urban Fantasy der finstersten Art, und auch wenn Teenager die Hauptrollen spielen, würde ich Something Wicked nichtmal meinem schlimmsten Feind anvertrauen, vorausgesetzt er wäre a) unter 15 oder b) zart besaitet. Nicht, dass die Geschichte besonders blutig wäre, aber Ray Bradbury spielt auf so geschickte Weise mit menschlichen Ängsten und Sehnsüchten und demontiert so konsequent alles, worauf man sich als Leser glaubt verlassen zu können, dass sein Buch zu einem kleinen, delikaten Albtraum wird.

Als der junge Schriftsteller William Goldman 1973 The Princess Bride (dt. Die Brautprinzessin) veröffentlicht, interessiert sich kein Mensch für sein Buch. Über zehn Jahre später strickt er aus der Geschichte ein Drehbuch, das von Rob Reiner verfilmt und zu einem Riesen-Hit wurde. Sowohl der Film als auch das Buch sind eine hervorragende Satire auf Märchen- und Fantasy-Stoffe, während The Princess Bride gleichzeitig als toll erzählte Fantasy- oder Märchengeschichte funktioniert. Goldman schafft es, die klischeehaften Züge an seinen Figuren erbarmungslos aufs Korn zu nehmen und sie gleichzeitig komplex und liebenswert zu gestalten. Das gleiche gilt für die Handlung, der es irgendwie gelingt, gleichzeitig vorhersehbar und unvorhersehbar zu sein.

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