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Filmkritik-Sparring: The Tree of Life

Film
Überblick
Item Reviewed

The Tree of Life

Author
22. Juni 2011
Genre

Drama

Regisseur

Terrence Malick

Besetzung

Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain, Hunter McCracken

Drehbuch

Terrence Malick

Kommt aus

USA

Jahr

2011

Terrence Malicks The Tree of Life hat dieses Jahr die begehrte Goldene Palme des Filmfestivals in Cannes. Wir waren im Kino und betreten den Ring

Filmposter The Tree of Life, Rechte: Concorde Filmverleih

Kai:

Bei The Tree of Life, seinem fünften Film in knapp 40 Jahren, hat Terrence Malick endgültig alle erzählerischen Konventionen aus dem Fenster geworfen.
Tree of Life wechselt zwischen Eindrücken einer Kindheit im Texas der 50er, Szenen im Leben des inzwischen erwachsenen Protagonisten in der Gegenwart und – so absurd das auch klingt – Bildern von der Entstehung der Erde. In den Rückblenden ist Brad Pitt der Vater der angeblich
sehr stark autobiografisch gefärbten Hauptfigur, die in den Gegenwarts-Szenen von Sean Penn gespielt wird.

Der Film entzieht sich herkömmlichen Kategorien und lässt sich nur schwer mit anderen Filmen vergleichen. Hin und wieder wird in diesem Zusammenhang Stanley Kubricks Science-Fiction Meisterwerk 2001 – A Space Oddyssey (2001 Odysse im Weltraum) genannt. Abgesehen von einer formalen Ähnlichkeit – auch Kubricks Film geht weit in die Vergangenheit zurück und beginnt mit der Dämmerung der Menschheit – sind 2001 und Tree of Life aber nicht nur unterschiedliche, sondern geradezu gegensätzliche Filme. Malicks Ansatz hat nichts gemeinsam mit Kubricks penibel geplantem Narrativ, statt dessen hat er eine intuitive und assoziative Kette von Erinnerungen und Eindrücken gefilmt. Anders ausgedrückt, Kubricks 2001 ist ein intellektuelles, oft psychedelisches Experiment, während Tree of Life eine Meditation über Leben und Schönheit ist, die komplett aus dem Bauch kommt.

Malicks Film ist deshalb auch kaum mit objektiven Maßstäben zu bewerten; der Stream-of-Consciousness Ansatz zielt auf eine rein emotionale Verbindung mit dem Zuschauer ab und verschmilzt persönliche Erinnerungen, die durch eine Art Traum-Logik zusammengehalten werden, mit der kollektiven Vorvergangenheit der Menschheit. Formell und visuell trägt Tree of Life zwar die gleiche Handschrift wie Malicks frühere Filme (philosophische Voiceover, viel subjektive Kamera und scheinbar unmotivierte Naturaufnahmen) – aber ohne das narrative Rückgrat, das die früheren Werke zusammenhält, ist es eine völlig andere Art Film geworden.

Tree of Life ist auf jeden Fall einer der bemerkenswertesten Filme der letzten Zeit: Ambitioniert, wunderschön anzusehen und gleichzeitig ein bisschen frustrierend.

Desirée:

Ich habe noch nie erlebt, dass im Kino so viele Menschen früher gegangen sind – manche nach 20 Minuten, manche sogar noch kurz vor Schluss. Dabei ist Terrence Malicks neuer, hoch gelobter und mit der goldenen Palme ausgezeichneter Film zwar wegen der ungewohnten (bzw. nicht vorhandenen) narrativen Struktur einerseits sperrig – aber andererseits so emotional, dass ich mich darin geradezu aufgehoben gefühlt habe.

Malicks Natur-Bilder mögen zufällig wirken, aber es ist genau die Art Moment, für den man als Kind alles stehen und liegen lässt, um mit großen Augen zuzusehen: Luftblasen, die über eine Pfütze wandern, Licht, das Spinnennetz-artige Muster auf den Waldboden wirft. Ob das die Intention dieser Bilder ist – ich habe nicht die geringste Ahnung. Aber für mich hat sich so ein Kontext mit den Kindheits-Erinnerungen des kleinen Jack ergeben.

Die wiederum folgen zwar keinem Erzählmuster, aber sie ergeben sich trotzdem natürlich auseinander: Wie echte Kindheitserinnerungen sind sie fragmentiert und aus dem Kontext gerissen, aber eine Sequenz tritt die nächste los. Interessant fand ich, dass – obwohl ich nicht im Texas der 50er, sondern im Nordrhein-Westfalen der 80er Jahre aufgewachsen bin, obwohl ich keine jüngeren Brüder habe und meine Eltern ganz anders sind – mir alles, was Malick erzählt, unendlich vertraut vorkam. Die Erklärung dafür ist vielleicht, dass Tree of Life statt  einer konkreten Geschichte eine Art Essenz der Kindheit erzählt, die wir alle teilen.

Tree of Life verlangt viel von seinen Zuschauern: Dass man sich völlig auf den Film einlässt, sich von ihm tragen und mitnehmen lässt – und dass man selbst dann bereit ist, sich ab und zu ein bisschen langweilen oder verwirren zu lassen. Wenn ich gerade im Stress gewesen wäre, ich bin sicher, ich hätte mich durch die zweieinhalb Stunden gequält oder wäre eine derjenigen gewesen, die aus dem Kino geflohen sind. So hat The Tree of Life mich berührt – und manche Bilder haben sich so tief eingegraben, dass ich sie jetzt, ein paar Tage später, noch so klar vor mir sehe, als säße ich immer noch im dunklen Kino.

Trailer:

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Desirée
Kai
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Pop/Kultur/Schock: KULTUR

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  • Virginia
    23. Juni 2011 auf 12:55

    hört sich aber spannend an! guck ich mir eh an! weit weglaufen kann man ja nicht vom sofa, falls es nicht gefällt haha! denke wird mir aber wohl richtig gut gefallen!

  • ThomasL.
    23. Juni 2011 auf 14:20

    Hab ihn gestern im vollen Odeon gesehen.. es sind nur sechs leute geflüchtet, zwei am anfang, zwei mittendrin, und zwei eine minute vor ende (was für einige Heiterkeit im Puplikum gesorgt hat:D ).
    Ich fand den Film schon irgendwann anstrengend, wenngleich ich dennoch fand, dass die zwei einhalb stunden mir nicht so lange vorkamen. Was die Bilder angeht stimme ich Desirée vollkommen zu. Aber nochmal würde ich mir den Film glaub ich nicht anschauen…

    • 23. Juni 2011 auf 17:38

      Eine Minute vor Ende? Hihi! Aber kurz vor Ende sind bei uns auch nochmal einige verschwunden, wahrscheinlich weil alles noch ein bisschen verwirrender wurde… Ich glaub, ich würde den Film schon gern nochmal sehen – aber wohl nicht sofort. Hast Du ein Lieblings-Bild?

      • ThomasL
        23. Juni 2011 auf 21:12

        Nein, hab ich nicht, waren viele schöne dabei.. Als dann ganz am Ende nochmal das göttliche feuer kam (naja so nenn ich’s) ging ein Gelächter durchs Publikum, weil wohl jeder drauf hoffte, eins der Bilder davor wäre endlich das letzte:D
        Was ich noch sagen wollte, ist, dass ich den ältesten Sohn etwas psycho fand… Den Vater dagegen fand ich nicht soo schlimm, wie er wahrscheinlich dastehen sollte… Klar streng – für heutige Zeiten sowieso – aber ich glaube auch nicht soo weit von der durchschnittstrenge der 50er entfernt…

  • 23. Juni 2011 auf 17:39

    Da bin ich aber gespannt was Du sagst wenn Du ihn gesehen hast!

  • 25. Juni 2011 auf 13:09

    Leute haben wirklich das Kino vorzeitig verlassen? Org :O
    Jetzt mach mich der Film ganz schön neugierig!!!

Antwoten

Desirée
Kai

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