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Filmkritik: The Divide

Film
Überblick
Item Reviewed

The Divide

Author
4. Januar 2012
Regisseur

Xavier Gens

Jahr

2011


Kaum jemand sitzt gerne alleine zu Hause, hat Stubenarrest oder muss Arbeit erledigen, die nicht warten kann. Vor allem bei schönem Wetter. Wenn man sich aber einen Keller mit einer Gruppe schlechtgelaunter Fremder teilt, während draußen nicht etwa die Sonne strahlt, sondern nuklearer Fallout, ist das auch nicht wirklich besser. Das ist die Situation in The Divide, einem postapokalyptischen Thriller, der auf dem Fantasy Filmfest 2011 gezeigt wurde.
Während New York von Explosionen erschüttert wird, flüchten sich die Bewohner eines Hochhauses in den Keller.

http://www.youtube.com/watch?v=NUF5HJWA_Q4

Hier hat sich der Hausmeister zehn Jahre nach 9/11 einen elaboraten Bunker eingerichtet, in dem er vor allen Eventualitäten geschützt ist. Und hier hockt er nun mit einer Handvoll Gästen, während draußen die Welt auseinanderfällt.

The Divide ist vor allem ein Kammerspiel, in dem sich ungewöhnlich schnell menschliche Abgründe auftun. Die dynamische Kamera ist von der ersten Einstellung an von der Aggressions- und Testosteron-geladene Stimmung durchtränkt. Frontière(s)-Regisseur Xavier Gens begleitet die Figuren hautnah und hält auch dann drauf, wenn man lieber weggucken würde. Wie es sich für ein Ensemble-Drama gehört, ist keine der Figuren einfach gut oder böse; jede ist eine andere Schattierung von grau, und teils eine andere als man am Anfang erwartet.

Gens  erlaubt seinem Ensemble, sich schauspielerisch auszutoben. Bei aller technischer Finesse und dem ausgefeilten Drehbuch, sind die Schauspieler der Fokus; Milo Ventimiglia (Heroes), Michael Biehn und Rosanna Arquette zeigen viel Mut zur Hässlichkeit; die Show stiehlt aber die bizarre und beeindruckende Performance von Michael Eklund. Durch das von Klaustrophobie und Paranoia beherrschte postapokalyptische Setting kommen die schlimmsten menschlichen Züge zum Vorschein, wenn die Charaktere nach und nach die Fesseln der Zivilisation abstreifen.

Aber auch wenn der Handlungsverlauf eine Reihe von überraschungen Wendungen hat, lebt der Film nicht von Twists oder schockierenden Enthüllungen – also keine „cheap thrills“ a la M. Night Shyamalan. Trotzdem ist er ein Abstieg in die Hölle: eine hässliche Charakterstudie, in der am Ende des Tunnels kein Licht wartet. Nicht jede Figur ist gleichermaßen glaubhaft, besonders ein Charakter vollzieht einen sprunghaften Wandel. Man kann darüber streiten, ob das ein geschickter Kniff oder ein dramaturgischer Fehler ist, aber effektiv ist es auf jeden Fall. Der Zuschauer verliert eine klare Identifikationsfigur – und damit den Boden unter den Füßen.

The Divide ist ein konsequenter und unangenehmer Thriller – so unangenehm, dass ich mich frage, ob er den wohlverdienten Kinostart bekommt (wir halten euch auf dem Laufenden). Vielleicht erhöht ja die Chancen, dass der Film eine deutsche Coproduktion ist. Die Handlung mischt Sartres Geschlossene Gesellschaft mit der Sci-Fi Paranoia von Cube und dem klaustrophobischen Schrecken von The Descent, betrachtet durch das Objektiv des neuen französischen Horrors (wie z.B. Martyrs), der keinen Spaß versteht und keine Gefangenen macht. Das Ergebnis ist beeindruckendes, nervenaufreibendes und unvergessliches Schauspielerkino – zu genießen auf eigene Gefahr.

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