Paste your Google Webmaster Tools verification code here

Filmkritik: Sucker Punch

Film
Item Reviewed

Filmkritik: Sucker Punch

Author

Rechte: Warner

Sucker Punch: Bioshock meets Charlie’s Angels

Manche Genremixe passen zusammen wie Rum und Cola: Liebesgeschichten mit Katastrophenfilmen, Science-Fiction mit Action oder Thriller und Horror. Die Idee für Sucker Punch dürfte die Studiobosse dagegen– wenn überhaupt – wohl erst nach ein paar Gläsern Cubra Libre begeistert haben: Ein vom Schicksal gebeuteltes Mädchen lernt, sich in der männerdominierten Welt zu behaupten – und tanzt für selbige Männer. Außerdem tritt sie gegen einen bunten Reigen von Kreaturen an, der sich wie das who-is-who feuchter Geek-Träume liest: Orks, Samurai, Steampunk-Kampfmaschinen, Zombie-Soldaten und (yeah!) Drachen.

Die Handlung in Kürze: Um sich das Vermögen seiner verstorbenen Frau unter den Nagel zu reißen, läßt der Vater der jungen Baby Doll seine Tochter kurzerhand für geisteskrank erklären und gibt eine Lobotomie in Auftrag. In der Psychatrie flüchtet sich Baby Doll in eine andere Realität, ein halbseidenes Varieté,
in dem sie auf eine Reihe finsterer Gestalten trifft, aber auch ein paar Mädchen wie Sweet Pea und ihre Schwester Rocket, die – genau wie Baby Doll – lieber woanders wären. Die Flucht spielt sich auf verschiedenen Ebenen und in mehreren Stufen ab, von denen jede in einer Tanzszene und ausgedehnter, perfekt choreographierter Greenscreen-Action endet.

Die Dominanz der Action-Szenen, die an überlange Videospiel-Cutscenes erinnern, degradiert die Figuren – und somit Darsteller wie Scott Glen, Carla Gugino und „Mad Man“ John Hamm – größtenteils zu Statisten. Auch die Mädchen (u.a. Donnie Darko-Veteranin Jenna Malone und Vanessa Hutchens aus Disneys High School Musicals) glänzen eher durch lässige Slow-Motion Schwertkämpfe als durch stille Charaktermomente.

SPOILER – den nächsten Abschnitt sollte nur lesen, wer den Film schon gesehen hat

Einen Mangel an erzählerischen Kniffen kann man Regisseur Zack Snyder nicht vorwerfen. Schon die Kamerafahrt im Vorspann spielt mit verschiedenen Ebenen, indem wir Baby Doll zuerst auf einer Theaterbühne sehen, deren Kulisse sich im Laufe des Shots in einen „realen“ Raum verwandelt. Auch ein überraschender Twist im letzten Akt – nicht Baby Doll, sondern Sweet Pea ist die Protagonistin der Geschichte – spielt mit erzählerischen Konventionen. So clever wie er tut, ist dieser Kunstgriff allerdings nicht: Tatsächlich gibt Snyder einfach nur der überraschenden Überlebenden, dem „Final Girl“ aus dem Horror-Genre, einen neuen Namen; um eine überzeugende Hauptfigur zu sein, hat sie aber nicht genügend Backstory und auch nicht die nötige Charaktertiefe. Immerhin gibt es am Anfang einen Hinweis auf eine mögliche Verbindung der beiden Mädchen – während der Lobotomie wechselt der Film auf eine andere Erzählebene, und plötzlich sitzt nicht mehr Baby Doll, sondern Sweet Pea im OP-Stuhl.

SPOILER ENDE

Die visuelle Seite ist nicht weniger ambitioniert als die erzählerische: Snyder, seit der homoerotischen Muskelschau 300 der unbestrittene König des Greenscreen-Films (bei dem die Hintergründe komplett aus dem Computer kommen) gibt jeder seiner Welten ein individuelles Flair und setzt das dunkle Sanatorium, das burleske Tanztheater und die atemlose Steampunk/ Fantasy/ Sci-Fi-Ebene effektiv voneinander ab. Dabei ist interessanterweise die „mittlere“ Ebene die am wenigsten stilisierte; der Look der Sanatorium-Rahmenhandlung wirkt ebenso künstlich wie die Sepia-gefärbten Actionszenen.

Daß Sucker Punch kein kopflastiges Programmkino geworden ist, sollte keine Überraschung sein. Snyder gilt spätestens seit seiner ambitionierten, aber umstrittenen Adaption des Comic-Klassikers Watchmen als der Michael Bay des (vergleichsweise) denkenden Mannes, der komplexe Themen gerne als Adrenalin-getränkte Materialschlachten inszeniert. Diesmal hat er zwei Extreme ins Rennen geschickt, die sich eigentlich kategorisch ausschließen: Exploitation und Emanzipation.

Rechte: Warner

Wahnsinn? DAS… IST… GREENSCREEN!!!

Tatsächlich lassen sich die emanzipatorischen Ideen in Sucker Punch nicht wegdiskutieren – schließlich geht es um junge Frauen, die sich ihr Recht auf Selbstbestimmung erkämpfen. Aber der gut gemeinte Ansatz tritt in den Hintergrund, wenn die perfekt gestylten, in Schulmädchen-Outfits gekleideten Damen in Zeitlupe durch die Luft wirbeln und sich viele der (vorwiegend männlichen) Zuschauer wohl weniger für ihre Freiheit als ihre Körbchengröße interessieren dürften. Das ist überhaupt das Problem des Films – Snyder fährt viele ambitionierte aber wiedersprüchliche Konzepte auf, die sich letztendlich zu einem diffusen Flickwerk ergänzen.

Sucker Punch ist weniger ein Fall von „Style over Substance“ – obwohl tatsächlich das visuelle Kawumm das Drama kräftig überschattet – als vielmehr eine gewagte Mischung, die am Ende nicht aufgeht: Zu gleichen Teilen Jane Eyre, Matrix und Moulin Rouge. Ein Cocktail, bei dem für jeden etwas dabei ist, und man sich trotzdem fragt, wer so ein Gebräu eigentlich trinken soll.

Bewertung
Wir finden:
Ihr findet:
Hier bewerten
Total
Unterm Strich

Die konzeptionellen Mängel ändern aber nichts daran, dass Sucker Punch als Popcorn-Kino perfekt funktioniert, wenn auch nicht unbedingt als das Meta-Charakterdrama, das er gerne wäre. Wenn man sich also nicht zu sehr daran stört, dass viele der (zugegeben klugen) Ideen nicht ganz aufgehen, bleibt immer noch einer der originellsten und visuell aufregendsten Actionfilme der letzten Jahre übrig. Mit Drachen!

Gesamtwertung
User-Bewertung
Du hast dies bewertet
Eure Meinung zum Artikel
0%
0%
0%
0%
kommentieren
Antworten

Antwoten

Total

}