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Filmkritik-Sparring: Super 8

Überblick
Item Reviewed

Super 8

Author
5. August 2011
Genre

Science-Fiction

Regisseur

J.J. Abrams

Besetzung

Elle Fanning, Kyle Chandler

Drehbuch

J.J. Abrams

Kommt aus

USA

Jahr

2011

Länge

112 Minuten

Rechte: Paramount

Super 8: Unheimliche Begegnung der… nostalgischen Art

Ohio, 1979: Jugendliche drehen mit ihrer Super 8-Kamera einen Zombie-Film als in der Nähe unter seltsamen Umständen ein Zug entgleist. Kurz darauf trifft das Militär an der Unglücksstelle ein, während in der Stadt Menschen verschwinden.

Klingt spannend? Fanden wir auch.

Deshalb haben wir dem neuem Sci-Fi Thriller Super 8 ein Sparring gewidmet.  

Desirée:

JJ Abrams, Regisseur des letzten Star Trek Films und einer der Schöpfer von Lost, war im Sommer 1979 gerade 13 geworden. Mit Sicherheit hatte er Spielbergs Weißen Hai und Unheimliche Begegnung der dritten Art gesehen, und ein paar Jahre später E.T., Indiana Jones und Richard Donners Goonies. Wie sehr er sich damals in diese Filme hineingewünscht haben mag, kann man mehr als erahnen, wenn man seinen neuen Film Super 8 sieht: Eine Gruppe 13jähriger besteht darin auf eigene Faust ein episches Sci-Fi-Abenteuer – und dreht einen Zombie-Film. Und produziert ist der Film von keinem anderen als – na? – Steven Spielberg.

Super 8 ist kein perfekter Film, kein Meisterwerk: Manche Szenen, die in den 80ern völlig normal gewesen wären, wirken heute leider doch ein bisschen verkitscht, und der Übergang zwischen den  Banter-Szenen der Kinder und den Action-Szenen (besonders denen der Air Force) ist nicht immer so geschmeidig wie er sein könnte.

Trotzdem hatte ich in den letzten Jahren selten so viel Spaß im Kino wie gestern abend. Kinder sind einfach die besseren Action-Helden: können klettern wie Affen, kilometerweit rennen ohne in Schweiß auszubrechen, und sie können Lines verkaufen, die bei normalen Actionhelden einfach nur blöd kängen. Und die Schauspieler, die Abrams gecastet hat (allen voran Joel Courtney in der Hauptrolle und Dakota Fannings kleine Schwester Elle) verkaufen nicht nur sich, sondern auch das Flair der 80er so gut, als wären sie nicht erst in den 90ern geboren.

Technisch und von der Inszenierung her mag Super 8 eine einzige nostalgische Hommage sein, sein wahrgewordener Kindheitstraum – aber Abrams fängt die Magie der 80er schlicht perfekt ein. Und diese Magie geht über reine Nostalgie weit hinaus,  schließlich wirkt sie selbst auf jene, die etwas später geboren sind. Sie in bester Qualität auf einer großen Leinwand zu erleben, ergänzt um die technischen Möglichkeiten von 2011 , und das in einem Film, den man noch nie gesehen hat – das ist ein echtes Geschenk.

 

Kai:

Abrams treibt in Super 8 die Spielberg-Hommage zwar auf die Spitze, hat es aber trotzdem geschafft, einen eigenständigen Film zu drehen, der mehr als nur eine Collage aus Klischees der 80er ist. Dabei hat er sich gerade optisch nicht weit von seinem Vorbild (und Produzenten) entfernt, die eine oder langsame Kamerafahrt auf die Gesichter der jungen Darsteller erinnert daran dass genau diese Einstellung nicht umsonst „the Spielberg“ genannt wird. Auch die Vorstadt in der die Jungfilmer leben, könnte direkt E.T. oder (dem von Spielberg produzierten) Poltergeist entsprungen sein.

Spielbergs Filme sind aber nicht das einzige Vorbild, an dem sich Abrams bedient hat; John Carpenters The Thing (das aus einer anderen Welt) und Rob Reiners Teen-Drama Stand by Me haben die Genre-Achterbahnfahrt aus Teen-Drama, Sci-Fi, Thriller, Horror, Actionfilm und Komödie ebenfalls inspiriert. Auch wenn Teile von Super 8 zu einer Materialschlacht ausarten, die Michael Bay alle Ehre gemacht hätte, verliert Abrams nie die Charaktere aus den Augen. Die verhalten sich zwar nicht unbedingt realistisch, aber das auf die gleiche Art wie zum Beispiel die Goonies (komm schon Andy, du kannst unmöglich Mikey und Brand verwechselt haben. Egal wie dunkel es war!!!), also konsistent innerhalb der 80er/B-Movie Realität des Films.

Die Charaktere sind es am Ende auch, die Super 8 zu mehr als nur einer technischen Fingerübung machen. Der naiv-optimistische alles-ist-möglich Geist der späten 70er und frühen 80er Jahre – noch nicht vom ernüchterten Zynismus der 90er gefärbt, der dem Ende der Reagan-Ära gefolgt ist- hat Filme wie die (originale) Star Wars Trilogie oder E.T. möglich gemacht. Dieser Geist ist der Kultur – und natürlich der Popkultur – der letzten Jahrzehnte abhanden gekommen, und ein Film wie Super 8 erinnert daran, was wir verloren haben: Fantasievolle Geschichten, die sich zwar nicht bierernst nehmen, aber auch nicht ironisch gebrochen sind. Abenteur ohne Zynismus, purer Eskapismus also.

Popkultur spiegelt die Gesellschaft und der Geist des kalten Krieges gehört einfach nicht mehr in unsere Zeit, aus gutem Grund. Abrams Film liefert aber ein schlagendes Argument, warum die staunende Blauäugigkeit der 80er zumindest auf der Leinwand ihre Berechtigung hat(te). Und wenn Super 8 Lust auf mehr macht, bleibt ein Trost: Die naive Unschuld von damals ist vielleicht verloren, die filmischen Schätze der vergangenen Jahrzehnte aber nicht; die können nämlich auf DVD oder Blu-ray oder in (viel zu seltenen) Kinoaufführungen noch immer ihre ganz besondere Magie entfalten.

 

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