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Filmkritik-Sparring: Killer Joe

Film
Überblick
Item Reviewed

Killer Joe

Author
11. September 2012
Genre

Drama

Regisseur

William Friedkin

Besetzung

Matthew McConaughey, Gina Gershon, Emile Hirsch, Juno Temple

Drehbuch

Tracy Litts

Spielt in

Texas

Jahr

2011

Länge

102 Minuten

Awards

Goldener Löwe: nominiert (Regisseur)

Das neue Opus von Altmeister Friedkin ist großes Kino im kleinen Rahmen 

Desirée:

Fünf Jahre ist es her, dass Exorzist-Regisseur William Friedkin seinen letzten Film gemacht hat, ein gemeines kleines Kammerspiel auf der Grundlage eines Theaterstücks von Pulitzer-Gewinner Tracy Letts. Ein radikaler neuer Weg ist Friedkins neuer Film nicht gerade: Auch Killer Joe ist ein gemeines kleines Kammerspiel auf der Grundlage eines Theaterstücks, und auch dieses Stück stammt, genau wie das dazugehörige Drehbuch, aus der Feder von Tracy Letts.

Letts und Friedkin sezieren darin eine – um es vorsichtig zu formulieren – dysfunktionale Familie, die vollends aus dem Gleis gerät, als Polizist und Freizeit-Auftragskiller Joe in ihr Leben tritt. Da Vater und Sohn nicht im Voraus für die geplante Ermordung von Ex-Frau bzw. Mutter zahlen können, soll die etwa 16jährige Schwester Dottie als Pfand herhalten. Joe ist interessiert.

Friedkin inszeniert die clevere Geschichte witzig und gleichzeitig bitter-, bitterböse. Selten habe ich mich in einem Film so schmutzig gefühlt wie in der Szene, wo erotische Funken zwischen Dottie und Joe fliegen und mir erst zu spät wieder eingefallen ist, dass Dottie erstens sehr jung und zweitens geistig nicht ganz auf der Höhe ist.

Die Intensität des Films ist nicht zuletzt der Verdienst der ungeheuer guten Besetzung. Die ganze Familie spielt sich die Seele wund, aber Newcomerin Juno Temple als Dottie und Matthew McConaughey spielen selbst einen Emile Hirsch an die Wand. Falls der Film ein Hit wird, dürfte McCounaughey, der als Joe sein ganzes bestürzendes Charisma auffährt, für romantische Komödien auf alle Ewigkeit verbrannt sein.

Kai:

Nach dem klaustrophobischen Bug also wieder ein „kleiner“ Film. Auf seine alten Tage hat William Friedkin das Kammerspiel entdeckt  und jetzt zum zweiten Mal einen kleinen Film mit großer Besetzung gedreht. Dabei hätte man aus der Story von Killer Joe problemlos eine opulenten Actionthriller machen können.

Stattdessen setzen  Friedkin und (Kameramann und Vater von Zooey) Caleb Deschanel auf lange Einstellungen, gemächliche Kamerafahrten und statische Großaufnahmen, die direkt aus einem Sergio Leone Film kommen könnten – ein Kontrastprogramm zum elaboraten Look und rasanten Tempo von Deschanels anderem aktuellen Film Abraham Lincoln Vampire Hunter (Besprechung folgt in den nächsten Tagen). Was aber beide Filme gemeinsam haben, sind bemerkenswert schöne Nachtaufnahmen. Große Teile von Killer Joe spielen in verregneten Nächten, und Deschanel versteht es wie kaum ein anderer Kameramann, die Dunkelheit auszuleuchten.

Genau das tut auch Regisseur Friedkin, der in seinen Filmen gewohnheitsmäßig Charaktere (und angeblich auch Schauspieler) in Extremsituationen treibt, in denen sich moralische Grenzen und die Regeln der Zivilisation auflösen. Der minimalistische letzte Akt von Killer Joe zeigt, wie explosiv eine Handvoll (größtenteils unsympathischer) Personen in einem einzigen Raum sein können, wenn die Dynamik stimmt – und wenn man mit Schauspielern wie Thomas Haden Church und (einer hier furchtlosen) Gina Gershon arbeitet.

In den Händen eines geringeren Regisseurs hätte Killer Joe ein Sturm im Wasserglas werden können. Friedkin dagegen baut mit Hilfe von Tracy Letts‘ oft witzigen Dialogen und Caleb Deschanels stylischen Bildern langsam eine unheilvolle Spannung  auf, die sich in einem unvergesslichen Finale entlädt (mit dem vielleicht gemeinsten Product-Placement der Filmgeschichte – werbewirksam ist anders).

Wenn man Killer Joe etwas vorwerfen kann, dann ist es – neben der etwas uninspirierten Musik – dass er viele Möglichkeiten des Mediums verschenkt und sich der Film höchstens durch seine eleganten Bilder von einem Bühnenstück abhebt. Aber gerade die minimalistische Inszenierung wirkt sehr bewusst. Nach mehr als vier Jahrzehnten in Hollywood hat William Friedkin kein Interesse mehr, Filme wie French Connection oder Sorcerer zu drehen – und wenn seine Kammerspiele die Qualität von Killer Joe haben, muss man nun wirklich keine Träne vergießen.

Killer Joe hat bisher keinen deutschen Kinostart.

youtube=http://www.youtube.com/watch?v=cxpvzmvFHTM&w=480&h=270

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Desirée
Kai
Unterm Strich

Pop / Kultur / Shock: SCHOCK, aber sowas von. Vor allem damals, als man Matthew McConaughey noch nicht als abgewrackten Ex-Cop oder Aidskranken Hillbilly gesehen hatte, sondern vor allem in romantischen Komödien.

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Desirée
Kai

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