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Filmkritik-Sparring: Cloud Atlas

Buch
Überblick
Item Reviewed

Cloud Atlas

Author
12. November 2012
Originaltitel

Cloud Atlas

Genre

Science Fiction

Autor

Literaturvorlag: David Mitchell

Regisseur

Andy Wachowski, Lana Wachowski, Tom Tykwer

Besetzung

Tom Hanks, Halle Berry, Jim Broadbent, Hugh Grant, Susan Sarandon, Hugo Weaving, Jim Sturgess, Doona Bae, Ben Whishaw, Keith David, James D'Arcy, Xun Zhou, David Gyasi

Drehbuch

Andy Wachowski, Lana Wachowski, Tom Tykwer

Jahr

2012

Länge

172 Minuten

Awards

5x Deutscher Filmpreis (Kamera, Schnitt, Kostümbild, Szenenbild und Maskenbild)

When Lola met Neo: Cloud Atlas ist die ambitionierte Zusammenarbeit von Tom Tykwer und den Wachowski-Geschwistern

Kai:

Man kann Cloud Atlas lieben oder man kann ihn hassen, aber wenn man Tom Tykwer und den Wachowski-Geschwistern eines nicht vorwerfen kann, ist das ein Mangel an Ambition. Die Verfilmung von David Mitchells mehrfach preisgekröntem Roman ist alles andere als ein Film von der Stange. Nach einer bombastischen Einführung trennen sich die sechs Geschichten, aus denen sich Cloud Atlas zusammensetzt. Die spielen zwischen 1849 und einer fernen, apokalyptischen Zukunft, und decken eine Vielzahl von Genres ab: Historienfilm, Künstlerdrama, Verschwörungsthriller, Komödie, dystopische Science-Fiction und Endzeit-Abenteuer.

Das klingt wie Stückwerk; Tykwer und die Wachowskis schaffen es aber, die einzelnen Fäden zu einem stimmigen Ganzen zu verbinden. Zum einen verwenden sie immer und immer wieder die selben Schauspieler, die mal männliche, mal weibliche Rollen in verschiedenen Ethnien spielen und dabei mal mehr und mal weniger sympathisch sind – außer „Agent Smith“ Hugo Weaving, der in jeder der sechs Geschichten den Bösewicht spielt. Durch die rotierende Besetzung ist das Thema Wiedergeburt im Film verankert, ohne dass es klar ausgesprochen werden muss. Auch die Musik greift das auf, mit einem immer wiederkehrenden Thema in ständig neuen Variationen (Eigenwerbung am Rande: In meinem Beitrag über die Musik von Cloud Atlas, der am 15.11. nachmittags bei WDR3 TonArt läuft, gehe ich etwas mehr ins Detail, inklusive Interviews mit den Komponisten Johnny Klimek und Reinhold Heil. Kann man ab Donnerstag Abend auf der WDR-Website hören).

Hugh Grant (Bewerbungsfoto)

Dass Cloud Atlas trotz seiner verschachtelten Struktur kein komplizierter Film ist, liegt an der Gradlinigkeit der Geschichten selbst. Die stützen sich mehrfach auf gut-böse Schemen und sind sehr nachvollziehbar erzählt. Die Komplexität erwächst aus den Querverbindungen der Geschichten, sich wiederholenden Themen und dem Erzählrhythmus, der – wenn auch anders als im Buch – selbst an ein Musikstück erinnert und sich gegen Ende hin verdichtet.

Fantastisch sind in ihren Rollen vor allem Tom Hanks, der radikal gegen Typ spielt, Jim Broadbent und (der neue „Q“) Ben Wishaw. Außerdem ist Hugo Weaving als Frau (angelehnt an Nurse Ratchett aus Einer Flog Übers Kuckucksnest) schon das Eintrittsgeld wert, von Hugh Grant als Krieger mit Ganzkörpertätowierung ganz zu schweigen.

Cloud Atlas ist nicht frei von Schwächen, ist aber so mutig und experimentell und bricht so konsequent mit filmischen Traditionen, dass es unmöglich ist, herkömmlichen Maßstäbe anzulegen. Tykwer und die Wachowskis schießen so weit über die meisten Ziele hinaus, die sich Filme gewöhnlich setzen, dass niemand, der sich auch nur ansatzweise für das Medium interessiert, an Cloud Atlas vorbeikommt.

Aber selbst wenn man das Experiment als gescheitert betrachtet; konsensfähig sollte immerhin eins sein: Der perfekte Einsatz von David Hasselhoffs „Looking for Freedom“.

Desirée:

Es ist lange her, dass mich ein Film das letzte Mal so richtig von den Füßen gefegt hat, dass eine Geschichte so episch war, dass ich mich darin verloren habe – und dass ich bei einem mehr als drei Stunden langen Film nicht ein einziges Mal auf die Uhr geguckt habe. Aber ausgerechnet Cloud Atlas, die Verfilmung des Booker-nominierten Romans Der Wolkenatlas, hat das geschafft – obwohl David Mitchell, der Autor der Vorlage, sein Buch jahrelang eisern als ‚unverfilmbar‘ bezeichnet hat.

Aber, wie Mitchell kürzlich in einem Interview gesagt hat: „If the directors of The Matrix wanted to adapt a book you had written, how long would you agonize before saying yes?“ Nicht nur die Wachowskis und ihre Erfahrung mit großen, Universen umfassenden Konzepten dürften Mitchell von dem Projekt überzeugt haben, sondern auch Tom Tykwer, der schließlich bei Lola rennt schon bewiesen hat, dass er Geschichten mit komplexer Struktur mühelos erzählen kann.

Tatsächlich hätte die Geschichte, so wie Mitchell sie erzählt, wohl als Film nicht so recht funktioniert, denn das Buch ist aufgebaut wie eine Matroschka-Puppe: Er erzählt die erste Hälfte der ersten Episode, dann die erste Hälfte der zweiten, der dritten und so weiter und macht die Geschichten dann mit der zweiten Hälfte der Geschichte jeweils wieder ‚zu‘. Im Film hätte das geheißen, dass wir dem Anwalt Adam Ewing nach der Hälfte des Films gut zweieinhalb Stunden lang nicht mehr begegnet wären. Zurückblättern nicht möglich.

Also haben Tykwer und die Wachowskis eine Puzzle-artige Struktur gewählt, der Film wechselt also viel schneller zwischen den einzelnen Episoden – und behält seltsamerweise dabei nicht nur die Fäden in der Hand, sondern verwickelt und verzahnt sich zu einem sehr starken, sehr emotionalen und überhaupt nicht zerfaserten Kern.

Dass Cloud Atlas mich so bewegt hat, ist sicher auch der Verdienst des Looks, der Schauspieler und der Musik – vor allem aber hat mich die Emotionalität des Films direkt in dem Bauch getroffen. Die Struktur des Films ist so vergeistigt und komplex, dass ich damit überhaupt nicht gerechnet hatte. Aber die Regisseure inszenieren die emotionalen Stellen des Films so schamlos direkt, dass Cloud Atlas mehr Traum ist als Gedankenspiel.

Die Verfilmung des Wolkenatlas‘ hätte viel besser wohl nicht gelingen können. Das einzige was man Tykwer/Wachowski vorwerfen kann, ist dass sie die humanitäre Botschaft des Films wesentlich weniger subtil an den Mann bringen als David Mitchell. Aber dass es jemandem gelingen könnte, dieses Buch so zu adaptieren, dass ein auf eigenen Füßen stehendes filmisches Meisterwerk dabei entsteht, damit hätte wohl kaum jemand gerechnet.

Deutscher Trailer:
youtube=http://www.youtube.com/watch?v=lS33A3JzH_Q&h=480&h=270

US-Trailer:
youtube=http://www.youtube.com/watch?v=hWnAqFyaQ5s&h=480&h=270
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Desirée
Kai
Unterm Strich

Pop / Kultur / Schock: Von allem das Beste - aber wenn wir uns entscheiden müssen, dann für KULTUR

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  • 14. November 2012 auf 23:42

    Mit solch einem Fazit hätte ich nicht gerechnet ^^
    Wobei ich Halle Berry absolut nicht mag und daher vermutlich auf den Film verzichten werde.

    • 15. November 2012 auf 15:39

      Vielleicht hätte der Film dir auch eh nicht gefallen – eine ganze Reihe Kritiker haben ihn hierzulande schlecht besprochen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass er in 10-20 Jahren als Meisterwerk gilt. Blade Runner ist auch überall verrissen worden, als er neu war. Ich glaube viele waren einfach überwältigt und wussten nicht, wo sie ihn einordnen sollen.

      Halle Berry finde ich übrigens auch nur selten gut, in Cloud Atlas aber sehr.

Antwoten

Desirée
Kai

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