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Filmkritik: Lincoln

Film
Überblick
Item Reviewed

Lincoln

Author
23. Januar 2013
Genre

Drama, Historienfilm

Regisseur

Steven Spielberg

Besetzung

Daniel Day-Lewis, Sally Field, David Strathairn, Joseph Gordon-Levitt, James Spader, Hal Holbrook, Tommy Lee Jones, John Hawkes, Jackie Earle Haley, Bruce McGill, Tim Blake Nelson, Joseph Cross, Jared Harris, Lee Pace

Drehbuch

Tony Kushner

Kommt aus

USA

Jahr

2012

Mit dem komplexen Historiendrama wagt sich Altmeister Spielberg auf neues Terrain

Lincoln Poster Rechte: 20th Century FoxSteven Spielbergs Lincoln ist der zweite Film innerhalb kurzer Zeit, der sich um den 16. Präsidenten der USA dreht. Allerdings  könnten die Beiden nicht unterschiedlicher sein: Während in Timur Bekmambetovs Action-Version Abraham Lincoln mit seiner Axt Jagd auf Vampire macht, bekommt er es bei Spielberg mit wahrhaft furchteinflößenden Widersachern zu tun: Bürokraten.

Washington DC, Januar 1865: Während der Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten tobt, versucht Präsident Abraham Lincoln gegen enormen politischen Widerstand, den 13. Zusatzartikel der Verfassung durchzudrücken, der Sklaverei illegal macht. Während er unter Zeitdruck die nötigen Stimmen sammelt, reist eine Delegation aus dem Süden mit einem Friedensangebot an. Daran ist allerdings die Bedingung geknüpft, den Zusatzartikel zu verwerfen.

Fokus auf Dialoge

Lincoln Rechte: 20th Century FoxLincoln ist praktisch die Antithese zu Spielbergs letztem Film War Horse (Gefährten); statt einer bombastischen Biographie des Präsidenten hat er ein subtiles, fokussiertes Politdrama gedreht, dass während eines einzigen Monats spielt und aufgebaut ist wie eine brillante, überlange Folge von Aaron Sorkins The West Wing. Eine Warnung allerdings: Wer sich nicht zumindest rudimentär mit dem politischen System der USA und der Bürgerkriegsgeschichte auskennt, der wird Probleme haben, der Handlung zu folgen. Spielberg verzichtet konsequent darauf, übermäßig viel zu erklären oder zu vereinfachen. Traditionelle Action gibt es so gut wie keine; das Drama spielt sich in Tony Kushners komplexen Dialogen ab, und während sich die Handlung um Sklaverei und Krieg dreht, widersteht Spielberg in beiden Fällen der Versuchung, diese zu zeigen; vielleicht weil er das in Amistad und Saving Private Ryan (dt. Der Soldat James Ryan) bereits abgehakt hat. Einen Schönheitsfehler hat die ansonsten runde Dramaturgie allerdings: In den letzten Minuten bricht Spielberg aus seinem sonst zielstrebigen Narrativ aus und gibt der Geschichte einen historisch korrekten, aber filmisch unpassenden Abschluss.

Großartige Schauspieler, subtile Kamera

Lincoln Rechte: 20th Century FoxDaniel Day-Lewis‘ großartige (und Oscar-nominierte) Darstellung Abraham Lincolns basiert zu großen Teilen auf der Arbeit der Historikerin Doris Kearns Goodwin und zeigt den Präsidenten als engagierten, leidenschaftlichen und hochmoralischen Strategen, der immer ein Lächeln auf den Lippen und eine Anekdote zur Hand hat. Auch wenn der Film (wie eigentlich alle Filme über die Zeit) Lincolns Moral hochspielt und die wirtschaftlichen Aspekte des Bürgerkriegs an den Rand kehrt, ist er nicht ohne Ecken und Kanten. Besonders die Szenen zwischen Lincoln und seiner Frau (Sally Field, auch Oscar-nominiert) sind roher und emotionaler, als man von Spielberg gewohnt ist. In seinen früheren Filmen sind die Emotionen meistens eher durch Bild und Musik gesteuert, bei Lincoln rückt die Technik in den Hintergrund und räumt den Figuren viel Platz ein. Die sind bis in die Nebenrollen mit Charakterdarstellern besetzt: Während Tommy Lee Jones (auch nominiert) und David Strathairn als Lincolns politische Mitstreiter durchaus eindrucksvoll sind, stiehlt vor allem (ein kaum zu erkennender) James Spader als Anwalt und Journalist William N. Bilbo die Show.

Film statt Video

Lincoln Rechte: 20th Century FoxKameramann Janusz Kamińskis taucht den Film in warmes Licht und gibt den Aufnahmen einen eleganten, aber nie auffällig durchgestylten Look. Inzwischen drehen die meisten Regisseure auf HD-Video, Spielberg setzt aber nach wie vor auf traditionelles Filmmaterial, und das zahlt sich hier aus:  Lincoln erinnert an Filme der 70er wie Coppolas Pate (aufgenommen von Gordon Willis), deren einzigartige Optik aktuelle HD-Kameras noch immer nicht hundertprozentig emulieren können.

Trotz seines nostalgischen Looks und seines gemächlichen Erzähltempos ist Spielbergs Lincoln aber ein Film, der thematisch perfekt in die Obama-Ära passt – schließlich geht es auch da um eine Zeit, in der die USA gespalten waren. Kushner und Spielberg akzentuieren subtil die Parallelen zu aktueller Politik, ohne dabei jemals den historischen Kontext aus den Augen zu verlieren. Mit Lincoln ist ihnen ein fesselndes, brillantes Historiendrama gelungen, lang, aber nicht eine Minute langweilig, und Spielbergs bester Film seit vielen Jahren.

Trailer:

 

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