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Filmkritik: Hell

Film

Hell ist zwar auch das englische Wort für Hölle – und diese doppelte Bedeutung ist bestimmt kein Zufall – vor allem bezieht er sich aber auf den Überschuss an Sonnenschein, mit dem sich die Charaktere in Tim Fehlbaums dystopischem Thriller herumschlagen müssen. Schließlich droht schon das Poster dem arglosen Publikum: „Die Sonne wird euch verbrennen“.

In der nahen Zukunft hat die Strahlung der Sonne so stark zugenommen, dass die meisten Tiere ausgestorben und die Wasservorräte erschöpft sind. In Folge herrschen Bürgerkriegs-artige Zustände, die den Großteil der Bevölkerung das Leben gekostet haben. In einem sonnengeschützten Auto, zugekleistert wie der Vampir-Van in Kathryn Bigelows Near Dark, versuchen Phillip, Marie (Hannah Herzsprung) und deren kleine Schwester Leonie die Berge zu erreichen, wo es angeblich Wasser geben soll. An einer Tankstelle schließt sich ihnen der charismatische Einzelgänger Tom (Stipe Erceg) an. Als bei einem Überfall Leonie gekidnappt wird, müssen sich die anderen drei entscheiden, wo ihre Prioritäten liegen.

Regisseur Fehbaum hält sich nicht lange damit auf, das apokalyptische Setting zu erklären. Wichtig ist nur, dass Essen und Wasser unbezahlbar sind und es klug ist, im Schatten zu bleiben– wie der nach drei Stunden Sonne schwer verbrannte Arm von Tom belegt. Statt dessen bleibt Hell dicht an den Charakteren, vor allem Marie, aus deren Sicht die Geschichte erzählt ist.

Hell entwickelt sich  in der zweiten Hälfte immer mehr zum nervenaufreibenden Suspense-Horror. Dabei zahlt es sich einerseits aus, dass Fehlbaum virtuos die Werkzeuge des Suspense beherrscht, andererseits spielt Hannah Herzsprung glaubhaft die emotionale Achterbahnfahrt ihrer Figur. Allerdings haben nicht alle Akteure in Hell die selbe Leichtigkeit; gerade die große Angela Winkler (Die Blechtrommel) legt ihre Rolle zu dick aufgetragen theatralisch an, wodurch der Charakter etwas eindimensional gerät. Trotzdem schaffen es Hanna Herzsprung und Stipe Erceg, den Film mühelos zu tragen.

Neugierig: Marie (Hannah Herzsprung)

Nachdem ein unausgegorener, unorigineller und mäßig gespielter Horrorstreifen wie Anatomie gefeiert wurde wie die Rückkehr von Fritz Lang, konnte man schon mal den Glauben ans deutsche Genrekino verlieren – gerade in einer Zeit, in der Horror und Science Fiction weltweit eine riesige Renaissance erleben.

Dafür ist Hell umso bemerkenswerter. Fehlbaum macht zwar aus seinen filmischen Vorbildern keinen Hehl (er bedient sich großzügig bei Science-Fiction- und Horrorfilmen wie Mad Max 2, The Road und The Texas Chainsaw Massacre), hat aber eine ganz klare eigene Vision die sich nicht auf naheliegende Klischees stützt. Außerdem nutzt er gekonnt das Setting der deutschen Provinz, um der Geschichte einen individuellen Stempel aufzudrücken. Sicher war es auch ein mutiger Schritt von Paramount, einem jungen Regisseur,

Innen größer als außen: Regisseur Fehlbaum im Kofferraum

frisch von der Filmschule, mit einem Projekt dieser Größe zu vertrauen – wobei die Verbindung mit Produzent Roland Emmerich sicher nicht geschadet hat.

Hell ist kein perfekter Film – er hat ein paar kleinere dramaturgische und logische Schwächen und Charaktere, die sich manchmal unrealistisch verhalten. Wenn man aber bedenkt, dass er a) ein Debüt ist und b) aus einem Land kommt, das in Sachen Horror und Science-Fiction auf eine alles andere als eine stolze Tradition zurückblickt, kann man nur tief beeindruckt sein, was Tim Fehlbaum hier auf die Beine gestellt hat: Einen effektiven, hochspannenden Endzeit-Thriller, der gleichzeitig an internationale Standards heranreicht und eine klare deutsche Identität bewahrt.

Link zu unserem exklusiven Interview mit Regisseur Tim Fehlbaum

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