Paste your Google Webmaster Tools verification code here

Filmkritik: Gangster Squad

Film
Überblick
Item Reviewed

Gangster Squad

Author
23. Januar 2013
Regisseur

Ruben Fleischer


Trotz vieler Stars: Ruben Fleischers Gangsterdrama ist hölzern, steril, dumm und von vorne bis hinten geklaut

Gangster Squad Poster. Rechte: Warner Bros.Gangster Squad spielt im Los Angeles der 40er Jahre, der Welt von Sam Spade und Jake Gittes, von L.A. Confidential und L.A. Noire. In dieses vielversprechende Setting schickt Regisseur Ruben Fleischer eine beeindruckende Besetzung: Sean Penn, Josh Brolin, Emma Stone, Ryan Gosling, Nick Nolte und Giovanni Ribisi.

Als das organisierte Verbrechen, mit Ex-Boxer Mickey Cohen (Penn) als Galionsfigur, zunehmend einflussreicher wird, entscheidet sich ein Polizeichef (Nolte) für eine unorthodoxe Taktik: Eine Handvoll unbestechlicher Undercover-Polizisten, das „Gangster Squad“, soll Feuer mit Feuer bekämpfen und Cohen mit seinen eigenen Methoden aus der Stadt vertreiben. Dabei verschwinden nach und nach immer mehr die Grenzen zwischen Polizei und Gangstern.

Gangster Squad Rechte: Warner Bros.Der Vorspann erklärt, Gangster Squad sei „inspiriert von einer wahren Geschichte“. Präziser wäre allerdings gewesen „inspiriert von The Untouchables (Die Unbestechlichen)“; Fleischers Film klaut zwar auch dreist bei einer ganzen Reihe von Filmen, ist aber vor allem eine dreiste Kopie von Brian DePalmas Gangsterklassiker. Nicht nur sind Handlung und Figuren ähnlich angelegt –Brolin ist Kevin Costner, Ribisi ist Charles Martin Smith, Gosling ist Andy Garcia und Penn ist Robert deNiro; selbst die Musik ist stellenweise so nah an Ennio Morricones Untouchables-Score, dass man auch gleich Zeit sparen und das Original hätte verwenden können.

Wo die beiden Filme allerdings unterscheidet ist vor allem die Qualität: Die Dialoge in Gangster Squad sind eine Aneinanderreihung ausgelutschter Klischees, und die Charaktere sehen immer aus als kämen sie direkt aus dem Armani-Katalog. Außerdem gibt es in Fleischers Welt keinen Rassismus: Im makellosen Hochglanz-L.A. sind die Schuhputzer weiß, während schwarze und weiße Polizisten sich vorbehaltlos als Kollegen und Freunde schätzen.

gangster squad Rechte: Warner Bros.Die Absurdität hat einen Grund: Fleischers Film möchte kein ernstes Gangster-Drama sein, sondern „Pulp“, der nicht ernstgenommen wird. Aber auch wenn er in diesem einen Punkt Erfolg hat, fehlt der Spaß, der sonst mit ironischem Trash verbunden ist: Als uninspirierte Aneinanderreihung geklauter Szenen und ausgelutschter Klischees ist er  nicht unterhaltsam, ob ernst gemeint oder nicht. Und zumindest ab und an möchte Regisseur Fleischer dann doch, dass das Publikum mitfiebert: Die Mitglieder des Gangster Squad sind größtenteils unverwundbar, und als Fleischer schließlich doch jemanden sterben lässt, um auf die Tränendrüse zu drücken, verfehlt die Szene komplett den gewünschten Effekt: Im Gegenteil, es ist fast eine Erleichterung, dass der Film um ein wandelndes Klischee leichter ist.

Selbst der Showdown, eine spannungsfreie Mini-Variante von The Raid (aussichtsloser Shootout in einem Haus voller Gangster), ist inkompetent strukturiert und so hölzern gefilmt, das man meinen könnte, es mit einer Amateurproduktion zu tun zu haben – wären da nicht die edlen Sets und großen Stars.

Regisseur Fleischer, der mit Zombieland viel Gefühl für Action und Komik bewiesen hat, wirkt völlig überfordert und fehl am Platz. Die statische Inszenierung, Sets die aussehen wie frisch geschrubbt und ein steriler Video-Look lassen Gangster Squad so künstlich aussehen, dass man zu keinem Zeitpunkt glaubt, sich im Los Angeles der 40er zu befinden.

Eine Spannende Frage wirft er aber trotzdem auf, nämlich wie um alles in der Welt ein Film wie Gangster Squad grünes Licht, ein unangemessen hohes Budget und sogar eine Starbesetzung bekommen hat. Die kann zwar auch Fleischers Film nicht retten, macht ihn aber – und das ist eine beachtliche Leistung – immerhin streckenweise erträglich.

Trailer:

 

Bewertung
Wir finden:
Ihr findet:
Hier bewerten
Total
Unterm Strich

Pop/Kultur/Schock: POP

Gesamtwertung
User-Bewertung
Du hast dies bewertet
Eure Meinung zum Artikel
0%
0%
0%
0%
kommentieren
Antworten
  • 24. Januar 2013 auf 20:00

    Und selbst für Pulp ist er nicht blutig nicht genug, denn anscheinend ist Ruben Fleischer selbst diesem Risiko aus dem Weg gegangen. Dabei hätte der Film mit der Besetzung, der Story und dem Budget so viel Potential gehabt.

    • 25. Januar 2013 auf 10:37

      Ich frage mich, was da hinter den Kulissen passiert ist. Der Film entspricht ganz sicher nicht Fleischers „Vision“, aber auch nicht der der Produzenten. Er sieht eher aus wie ein hässlicher Kompromiss, mit dem niemand wirklich glücklich ist.

  • funky
    1. Februar 2013 auf 10:37

    ohje…hatte mich so auf den film gefreut, aber dieses review lässt ja böses befürchten 🙁

  • funky
    7. April 2013 auf 13:43

    eieiei, also ich hab den jetzt gesehen und die 5 kann ich nicht nachvollziehen. ok, ich war vorgewarnt, und jeder der einen zweiten LA Confidential erwartet hat, wurde sicher ziemlich enttäuscht. aber 5? das bedeutet für ich unschaubare grütze, und das war der film nun definitiv nicht.
    war ein nicht ernstzunehmender, aber trotzdem sehr unterhaltsamer film. bei den schauspielern ging mir sean penn schon ein wenig auf den keks, da er doch sehr übertrieben gespielt hat, aber sonst wars doch i.o.
    es ist halt seine erste grosse big budget produktion gewesen, und es waren ja schon einige namenhafte casts dabei(sogar nick nolte war mal wieder in nem film dabei %) )

    ein zweites „zombieland“ hab ich bei dem film nicht erwartet. da hatten dafür sicherlich zu viele leute ihre finger im spiel.

    einzig das ende fand ich ein wenig beschissen. den faustkampf am brunnen hätte man sich auch sparen können.

    • 7. April 2013 auf 23:44

      Haha, ja die 5 war vor allem meine subjektive Wut und Enttäuschung 🙂 (von der ich auch noch ein bisschen was für das Walking Dead-Finale aufgespart habe; hoffentlich komme ich morgen endlich mal dazu, das zu schreiben).

      Natürlich ist Gangster Squad nicht unguckbar. Aber bei dem Regisseur und der Besetzung und dem Setting hätte der Film einfach soooooo viel besser sein müssen. Für mich hat er absolut alles falsch gemacht; jede künstlerische Entscheidung, die über das Minimalkriterium der „Guckbarkeit“ hinausgeht (sonst hätte man ihn ja auch nicht veröffentlicht) hätte anders fallen müssen. Der Film war nicht spannend, nicht witzig, nicht cool, nicht clever und auch nicht in irgendeiner Form überraschend.

      Hätten 3 Teenager den gleichen Film mit ihrer Super 8 Kamera im Hinterhof gedreht, hätte ich ihn besser bewertet. Aber mit einem polierten Studiofilm mit A-Besetzung, der dreist (und schlecht) andere Filme kopiert, gehe ich einfach härter ins Gericht.

      Then again… was weiß ich schon – ich war schließlich begeistert von Hänsel und Gretel (den ich übrigens am selben Tag wie Gangster Squad gesehen habe) 🙂

      • funky
        8. April 2013 auf 08:08

        ah…hansel und gretel will ich such noch schauen. ich glaub, den schau ich mir hauptsächlich wegen gemma an 😀

  • funky
    29. April 2013 auf 13:58

    wer Gangster Squad kacke fand sollte sich evtl. mal „Limitless“ anschauen. Ist nicht direkt ein GangsterFilm, aber spielt auch zur Zeit der Prohibition.
    Ich fand den Film stark, sogar Shia fand ich gut, und Tom Hardy ist einfach ne krasse Sau. Wüsste gerade keinen anderen der so dermassen bedrohlich rüberkommt wie er

    • 29. April 2013 auf 14:12

      Lawless, nicht Limitless 🙂

      Den fand ich zwar auch nicht aufregend, aber deutlich besser als Gangster Squad.

      • funky
        29. April 2013 auf 21:09

        äh…wie komm ich den auf limitless?! ja, lawless natürlich!
        doch, muss sagen ich fand den richtig gut. hatte irgendwie ne geile athmosphäre und ich find tom hardy spielt einfach nur geil den obergrimmigen

        aber ich sehe schon, wir haben nicht unbedingt den gleichen filmgeschmack 🙂

        • 30. April 2013 auf 00:06

          Ach, da bin ich gar nicht so sicher. Ich fand den Film nicht schlecht. Nur habe ich vom Regisseur von The Proposition und The Road mehr erwartet.

          Aber: Konsens ist eh überbewertet 🙂

      • funky
        1. Mai 2013 auf 13:51

        the proposition hab ich noch nicht gesehen. ich habe auch erst nachdem ich lawless gesehen hatte bemerkt, dass „the road“ auch von ihm ist. den fand ich auch stark.
        the proposition lohnt sich also demzufolge? muss ich mir mal besorgen

        dann wirds evtl. ja doch noch etwas mit dem konsens 😉

        • 2. Mai 2013 auf 09:05

          Siehst du mal 🙂

          Ja, The Proposition lohnt sich. Ein sehr ruhiger und atmosphärischer Rache-Western, allerdings in einem australischen Setting, so dass die Aborigines den Part der Indianer spielen. Musik und Drehbuch(!): Nick Cave.
          Es gibt leider keine anständige deutsche Veröffentlichung, aber ich kann die US-Blu-ray sehr empfehlen. Codeferee, Top-Qualität und viele Extras.

Zeilenkino eine Antwort hinterlassen
Antworten abbrechen

Total

}