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Filmkritik: Before Midnight

Film
Überblick
Item Reviewed

Before Midnight

Author
22. Mai 2013
Genre

Drama, Romance

Regisseur

Richard Linklater

Besetzung

Ethan Hawke, Julie Delpy, Seamus Davey-Fitzpatrick, Jennifer Prior, Charlotte Prior, Xenia Kalogeropoulou

Drehbuch

Richard Linklater, Ethan Hawke, Julie Delpy

Spielt in

Griechenland

Kommt aus

USA

Jahr

2013

Im dritten – und besten – Teil hält der Alltag Einzug in Richard Linklaters „Before“-Serie


Before Midnight PosterSieht man Richard Linklaters Before Midnight ohne Vorkenntnisse, ohne also die beiden vorangegangenen Filme gesehen zu haben, ist der Film ein gut beobachtetes, brillant geschriebenes und oft witziges Beziehungsdrama. Ist man allerdings mit den filmischen Meilensteinen Before Sunrise (1995) und Before Sunset (2004) vertraut, dann gewinnen die Charaktere an Tiefe und werden auf der Leinwand so lebendig wie in kaum einem anderen Film. Before Sunrise war eine erfrischend kitschfreie romantische Komödie, Before Sunset dagegen ein Art experimenteller Liebesfilm in Echtzeit.

Before Midnight, der dritte Teil der Serie um den Amerikaner Jesse (Ethan Hawke) und die Französin Celine (Julie Delpy) löst erst einmal den Cliffhanger seines Vorgängers auf und beantwortet die Frage, ob Jesse damals seine Frau verlassen hat, um bei Celine (Julie Delpy) in Paris zu bleiben: Er hat und er ist, und die beiden sind jetzt, neun Jahre später, ein Paar in einer Langzeitbeziehung, mit den Kindern im Griechenland-Urlaub. Jesse bringt in der Anfangsszene – in der ungewohnten Rolle des besorgten Vaters – seinen Sohn aus erster Ehe zum Flughafen und kehrt dann mit Celine und den zwei gemeinsamen Töchtern zum Ferienhaus zurück. Hier verbringen die beiden ihren Urlaub mit einem Schriftsteller-Kollegen von Jesse und dessen Familie.

BM 01Der dritte Film um das transatlantische Liebespaar ist gleichzeitig eine konsequente Fortsetzung der Geschichte und doch sehr anders als Sunrise und Sunset. Während die beiden sich in den Vorgängern kennengelernt bzw. zum ersten Mal wiedergesehen haben, bestimmt jetzt der Alltag ihre Beziehung. Konsequenterweise verbringen Jesse und Celine große Teile des Films umgeben von anderen Personen und manche Szenen voneinander getrennt. Als sie dann schließlich in bekannter Zweisamkeit durch die Stadt laufen, ist das Resultat gleichzeitig fremd und vertraut. Ihre Dialoge klingen wie gewohnt, mal philosophisch, mal politisch, und mal albern, aber die Beiden plagen andere Sorgen als noch vor einem knappen Jahrzehnt. Vieles dreht sich um die Kinder und den gemeinsamen Alltag, und auch der Unterton ist ein anderer als noch im letzten Film. Wie bei jedem Paar, das lange zusammengelebt hat, zeigt die Liebe klare Abnutzungserscheinungen, und oft können es die zwei nicht lassen, die Knöpfe des jeweils anderen zu drücken. Mal scherzhaft und mal im Ernst, meistens aber in der undefinierten, verminten Grauzone, in der nur eine schmaler Grat einen Witz von einer Beleidigung trennt.

BM 02Wie seine Vorgänger ist Before Midnight ein minimalistischer und dialogbestimmter Film, eine Art erweitertes Kammerspiel. Ähnlich wie in Before Sunrise entfalten sich die Ereignisse gerade in der ersten Hälfte nicht in Echtzeit; der Film springt stattdessen von Szene zu Szene und zeigt Jesse und Celine in verschiedenen one-on-one-Konstellationen und schließlich am Tisch im Gespräch mit zwei anderen Paaren – einem jüngeren und einem älteren. Linklater hat für seinen Film ein fantastisches, organisch wirkendes Ensemble versammelt, und gerade die Szenen in versammelter Runde sind witzig, natürlich, unendlich unterhaltsam und dramaturgisch notwendig.

BM 03Trotzdem ist diese erste Hälfte des Films die deutlich schwächere; Before Midnight entfaltet seine besondere Magie erst dann, als Jesse und Celine wieder alleine sind: Hawke und Delpy, die auch dieses Mal an den Dialogen mitgeschrieben haben, sind durch die Jahre mit ihren Rollen gewachsen und durchsetzen sie mit einem intim persönlichen, authentischen Element, das Filmcharakteren oft fehlt. Ihr Hin und Her streift immer wieder vertrautes Beziehungsterritorium und  ist dabei erschreckend ehrlich, oft frustrierend und manchmal sogar schmerzhaft.

Before Midnight ist nach Before Sunrise, Before Sunset und einer kurzen Szene in Linklaters unterschätztem filmischem Fiebertraum Waking Life der vierte Auftritt von Jesse und Celine. Und obwohl er der ernüchternste und am wenigsten romantische Film der Serie ist, ist er gleichzeitig der beste. Linklater hat den Vorteil, sich darin immer wieder auf die Geschichte des Paares beziehen zu können – sowohl auf die vorhergegangenen Filme, als auch als Jesses fiktionale Buchserie, die von der Beziehung inspiriert ist. Auch der Filmtitel ist eine Fortführung (was kann wohl danach noch kommen, Before Kneipenschluss?) und deutet gleichzeitig an, dass die Beziehung in einer Krise steckt. Aber auch wenn es für Jesse und Celine fünf vor zwölf ist: Paartherapie hat selten so viel Spaß gemacht.

Trailer:

 

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