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Filmkritik: Alexandre Ajas Maniac

Film
Überblick
Item Reviewed

Alexandre Ajas Maniac

Author
2. Mai 2013
Originaltitel

Maniac

Genre

Horror

Regisseur

Franck Khalfoun

Besetzung

Nora Arnezeder, Elijah Wood

Drehbuch

Alexandre Aja, Grégory Levasseur

Jahr

2012

Ein berüchtigter 80er Slasherfilm bekommt ein Programmkino-Makeover

He’s a maniac, maniac that’s for sure
He will kill your cat and nail him to the door

Maniac PosterSo klang die Urfassung des Songs Maniac. Bevor Sänger Michael Sembello seinen Text für den Film Flashdance umgeschrieben hat, war sein Song eine Hommage an William Lustigs schmutzigen Slasherfilm aus dem Jahr 1980. Der hatte zwar reichlich Fans, auch wenn nicht jeder begeistert war: Filmkritiker Gene Siskel hat damals angeekelt nach wenigen Minuten das Kino verlassen, und auch für den deutschen Strafvollzug war auch nach ein paar Tagen Schluss mit Lustig: Maniac wurde kurz nach dem Kinostart im Namen von Paragraph 131 StGB  beschlagnahmt (genau wie ein Jahr später The Evil Dead – die Kritik des Remakes kann man hier lesen); wer also den Film in seiner ungekürzten Fassung verkauft oder zeigt, macht sich nach deutschem Gesetz strafbar.

Die Titelfigur in Maniac ist der schitzophrene New Yorker Frank Zito, der junge Frauen ermordet, um Schaufensterpuppen mit ihren Skalps zu dekorieren. In der neuen Fassung von Franck Khalfoun, produziert und geschrieben von Horror-Remake-Profi Alexandre Aja (The Hills Have Eyes, Piranha 3D) spielt Elijah „Frodo“ Wood den Killer. Die Geschichte ist komplett mit subjektiver Kamera gedreht (wie zuletzt Gaspar Noes Enter The Void), so dass man die Geschichte durch Frank Zitos Augen verfolgt und so zu seinem Komplizen wird.

http://www.youtube.com/watch?v=-TqDyuGnUk4

Maniac 02Im Kino lief Khalfouns Film noch ohne Schnitte, bei der Version für den heimischen Fernseher war die FSK aber weniger gnädig. Aber während die FSK 18 Version ein paar deftige Schnitte erlitten hat, hat das Label Ascot Elite alternativ auch eine ungekürzte Fassung mit dem SPIO/JK-Siegel veröffentlicht.

Die Verweigerung der FSK 18-Freigabe mag übertrieben sein, aber sie kommt nicht von ungefähr. Alexandre Ajas Maniac hat zwar den dreckigen Grindhouse-Look des Originals abgestreift, ist aber ähnlich kompromisslos, wenn es ums Blutvergießen geht. Gerade weil man die Morde und Skalpierungen direkt durch Zitos Augen sieht – und dabei seine Gedanken hört –  erzeugt Khalfouns Film ein sehr unangenehmes Gefühl in der Magengrube.

Wood, den man mehr hört als sieht, trägt den Film auf seinen Schultern, aber auch sein weiblicher Gegenpart Nora Arnezeder ist charismatisch und überzeugend. Hin und wieder erinnert Arnezeder an (eine französische) Kate Winslet, was den bizarren Effekt hat, dass sich Maniac stellenweise wie eine Slasher-Version von Michel Gondrys Eternal Sunshine of the Spotless Mind (Vergiss mein nicht) anfühlt.

maniac 04Das Maniac-Remake verbeugt sich ein paar Mal vor dem Original, unter anderem in einer cleveren Hommage an dessen berühmtes Poster, bewahrt sich aber eine deutliche einene Identität. Für den bekennden Horror-Fan Elijah Wood ist die Besetzung als Serienkiller zwar Neuland (mit Ausnahme seiner kleinen Rolle in Sin City), aber gerade das kindliche Gesicht und sonst so saubere Image des ehemaligen Kinderstars führen dazu, dass man nach Alexandre Ajas Maniac erst mal dringend duschen möchte. Kann es für einen Horrorfilm ein größeres Kompliment geben?

William Lustigs Film von 1980 ist essentielles Grindhouse-Kino und hat seinen Kultstatus nicht ohne Grund, aber Khalfouns Remake ist der deutlich bessere Film.

Die Blu-ray

Maniac ist kein ästhetisch schöner Film, und ich würde auch die Blu-ray nicht unbedingt als Demo-Disk empfehlen, um die neue Leinwand vorzuführen.  Durch grelle Farben, wechselnde Kontraste und  bewusste Unschärfen entsteht ein surrealer Eindruck. Der liegt nicht am Transfer, sondern entspricht der Absicht des Regisseurs. Szenenweise erreicht das Bild nämlich Referenzwerte, sowohl was die Schärfe als auch was die Farbwiedergabe angeht.

Auch der Ton ist ordentlich ausgefallen, wenn auch etwas frontlastig; die beiden DTS-HD Master Tonspuren (Englisch und Deutsch) nutzen die Surroundkanäle nicht besonders aggressiv, sondern vor allem für subtile Ambience. Ansonsten ist der Ton gut abgemischt; die Dialoge klingen sehr klar, und vor allem die Musik, von der pulsierenden elektronischen Score bis zu Schuberts Ave Maria.

maniac 03Etwas enttäuschend sind dagegen die Extras. Die beschränken sich auf Trailer, ein paar Interviews mit Khalfoun, Aja und den Darstellern, und ein kurzes, deutsch synchronisiertes „Making of“. Ein Audiokommentar wäre sehr willkommen gewesen, oder wenigstens eine Featurette über die Themen des Films und die popkulturelle Bedeutung des Originals. Andererseits ist Alexandre Ajas Maniac kein A-Titel, und so kann man dankbar sein, dass der Film Genrefans mit ordentlichem Sound und nahezu perfektem Bild erfreut. In der deutsche Fassung geht zwar manchmal etwas von den Zwischentönen des Originals verloren; trotzdem ist die Synchronisation vergleichsweise gelungen, gerade für einen eher kleinen Film.

 

 

Trailer:

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Es sollte sich von selbst verstehen, dass Alexandre Ajas Maniac kein Film für jeden Geschmack ist. Der Film hat zwar durchaus Programmkino-Ambitionen, aber um neunzig Minuten lang Elijah Wood zuzusehen, wie er mordet und skalpiert, sollte man idealerweise zumindest ein bisschen Horror-affin sein. Für Genrefans ist er jedenfalls ein Highlight, einer der faszinierendsten und verstörendsten Horrorfilme der letzten Jahre (auch ohne Katzen, die an die Tür genagelt werden), und einer der seltenen Fälle, in denen ein Remake das Original übertrifft.

Pop/Kultur/Schock: SCHOCK

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