Paste your Google Webmaster Tools verification code here

Film-Kritik: Verblendung

Film
Überblick
Item Reviewed

Verblendung

Author
9. Januar 2012
Originaltitel

The Girl with the Dragon Tattoo

Genre

Thriller

Regisseur

David Fincher

Besetzung

Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer, Stellan Skarsgård, Steven Berkoff, Robin Wright, Yorick van Wageningen, Joely Richardson, Geraldine James, Goran Visnjic

Drehbuch

Steven Zaillian

Spielt in

Schweden

Kommt aus

USA

Jahr

2011

Serie

Millenium-Trilogie


Regisseur David Fincher ist untrennbar mit dem Serienkiller-Genre verbunden. Mit seinem zweiten Film Sieben hat er das Genre revolutioniert und dann mit Zodiac – nach einem tatsächlichen Fall – ein komplexes Procedural über Obsessionen abgeliefert, ohne dem Zuschauer am Ende eine Auflösung zu präsentieren. Fincher ist also eine sehr naheliegende Wahl für die US-Neuverfilmung von Stieg Larssons Bestseller Verblendung. Wir gucken uns in unserem Sparring das „Feel-Bad Movie of Christmas“ (wie der Trailer zum US-Start im Dezember verspricht) aus zwei verschiedenen Blickwinkeln an: Kai hat die Romanvorlage gelesen und die schwedische Erstverfilmung gesehen, während Desirée ganz „jungfräulich“ an die Geschichte herangeht.

Desirée:

Seit Jahren kann man in keine Buchhandlung mehr gehen und nach einem guten Krimi oder Thriller fragen, ohne im Bruchteil einer Sekunde den ersten Band von Stieg Larssons Millenium-Trilogie in der Hand zu halten, dorthin gedrückt von einer Buchhändlerin mit leuchtenden Augen, die einem das Buch ans Herz legt als sei es die literarische (oder immerhin kriminalistische) Sensation des Jahrzehnts. Nicht anders war es in meinem Freundes- und Familienkreis, wo sich kaum ein Buchmensch mehr fand, der Larssons Bücher nicht geradezu eingeatmet hatte. Um die schwedische Verfilmung habe ich mich deshalb mit dem Argument, zunächst das Buch lesen zu wollen, herumgedrückt. Aber jetzt wo David Fincher sich der Sache angenommen hat, gab es kein Argument mehr: Fincher mit diesem finsteren Überstoff, das klingt zu gut um wahr zu sein.

Und der Film beginnt tatsächlich mit einem ganz großen Bang, einem zweieinhalbminütigen Vorspann, gegen den selbst die fast immer brillianten TV-Vorspänne von HBO blass wirken: Fincher inszeniert Themen des Films in wirkungsvollem Petrolgrün/Weiß und vor Trent Reznors und Atticus Finchs treibender Industrial-Score, die im Kino genauso direkt in den Unterleib tritt wie die Bilder. Wer sich gefragt hat, ob man etwas gleichzeitig als ästhetisch empfinden und sich wegen der gleichen Bilder schmutzig fühlen kann: es geht.

http://www.youtube.com/watch?v=tcp9Ysi75f0

Das sind die Pole, zwischen denen sich David Finchers ganze Regie bewegt – allerdings fast nirgends so drastisch wie in diesen ersten Minuten. Das gilt für die oft sehr finsteren aber sehr ästhetisch komponierten Bilder, und auch für die Schauspieler. Vor allem Rooney Mara als seelisch völlig kaputte Privatdetektivin Lisbeth Salander zeigt überhaupt keine Angst davor, bis an ihre Grenzen (und die des guten Geschmacks) zu gehen. Genau wie bei der Schwedin Noomi Rapace sollte diese Rolle ihren Durchbruch bedeuten, denn ihre Performance trägt den Film – auch wenn nicht sie sondern Daniel Craig als Journalist Mikael Blomkvist ihn emotional im Gleichgewicht hält.

Trotz Vorspann, Ästhetik, Performances und einiger unglaublich kompromissloser Szenen ist Verblendung kein perfekter Film, und das liegt vor allem daran, dass mich die ach so gehypte Geschichte von Stieg Larsson ausgiebig enttäuscht hat. So charismatisch Lisbeht Salander auch ist, dramaturgisch tapst Verblendung in mehrere Klischee-Fallen, und sowohl die Auflösung als auch die Entwicklung des Showdowns sind alles andere als unvorhersehbar.

Fragt sich also: Braucht ein Stoff, der – zumindest in dieser Form – so stark gar nicht ist, nach so kurzer Zeit schon unbedingt eine zweite Verfilmung? Beantworten sollten das vielleicht jene, die Stieg Larssons Geschichte in allen drei Inkarnationen kennen. Unter Finchers Filmen jedenfalls ist Verblendung aus diesem – und nur aus diesem Grund – nicht an der Spitze, sondern nur im Mittelfeld.

Kai:

Ich kann Desirées Kritik an Verblendung nachvollziehen, sehe das Ganze aber wohl etwas gnädiger -vielleicht auch, weil meine Erwartungen von vornerein gedämpft waren. Larssons Romanvorlage war mir über weite Strecken zu langatmig und die Geschichte, nach all dem Hype, viel zu konventionell.  Die vorherige Verfilmung, eigentlich fürs schwedische Fernsehen gedreht, hat zwar einige Schwächen des Buches ausgebügelt, wirkte aber dafür wie eine „Greatest Hits“-Version, die von einer wichtigen Szene zur nächsten hetzt, ohne sich genug Zeit für die Charaktere zu lassen.

David Fincher und Autor Steven Zaillian (Schindlers Liste) bleiben zwar auch nah an der Vorlage, aber ihre Version des Girl with the Dragon Tattoo steht sicherer auf eigenen Füßen als die schwedische, die oft lediglich wie ein Begleitfilm zum Buch erscheint. Das liegt zum einen an Finchers eindringlicher Bildersprache, die wie schon bei The Social Network, perfekt von Trent Reznors und Atticus Ross‘ pulsierender Score ergänzt wird. Vor allem aber haben Fincher und Zaillian das faszinierende Verhältnis zwischen Ermittlerin Lisbeth Salander und Journalist Mikael Blomquist konsequenter herausgearbeitet als selbst Larsson in seinem Roman. Rooney Maras Salander kann neben der vielgepriesenen Performance von Noomi Rapace bestehen; Finchers Geheimwaffe ist aber Daniel Craig, der den Film gleichzeitig erdet und durch seine Chemie mit Mara antreibt.

Wie in Larsson Buch brodeln an allen Ecken Faschismus und Sexismus (schwedischer Titel: Männer die Frauen hassen) unter der Oberfläche der Gesellschaft; die Auflösung greift zwar beides auf, ist aber gleichzeitig vorhersehbar und ein bisschen banal. Trotzdem bringt Fincher das erste Kapitel der Trilogie zu einem emotional und dramaturgisch befriedigenden Abschluss, indem er sich am Ende auf die Spannung zwischen Salander und Blomquist konzentriert.

Wie vor ihm Der Pate, Der Weiße Hai und Nicolas Roegs Wenn die Gondeln Trauer Tragen ist David Finchers Verblendung besser als der Roman, auf dem er basiert. Trotzdem ist das Potential des Stoffes arg begrenzt und so bleibt der Film, Finchers kommerziellster seit Panic Room, weit hinter den Möglichkeiten des Regisseurs zurück. Auch wenn die US-Version also ein deutliches Upgrade zur schwedischen Variante ist, bin ich nicht sicher, dass die Welt dieses Upgrade so dringend braucht. Der große Erfolg ist in Amerika ausgeblieben, weshalb eine Fortsetzung eher fraglich ist –erst recht eine von Fincher gedrehte. Immerhin kann er stolz darauf sein, die beste Version dieser Geschichte erzählt zu haben.

 

 

 

Bewertung
Wir finden:
Ihr findet:
Hier bewerten
Desirée
Kai
Unterm Strich

Pop/Kultur/Schock: POP

Gesamtwertung
User-Bewertung
Du hast dies bewertet
Eure Meinung zum Artikel
0%
0%
0%
0%
kommentieren
Antworten
  • 11. Januar 2012 auf 23:52

    Für mich kein Kinofilm, aber na ja, vielleicht schaue ich ihn mir dann auf Blu-Ray an :S
    Aber es wundert mich nicht so ganz, dass der Film in Amerika nicht so gut angekommen ist :S

  • 15. Februar 2012 auf 20:38

    Das Einzigste, das den Film wirklich spannend macht ist der Score!

    • 15. Februar 2012 auf 21:43

      Na jaaaaaa… der Score ist natürlich das Beste am Film, aber Fincher hat auch aus der Geschichte mehr rausgeholt, als wahrscheinlich Stieg Larsson selbst für möglich gehalten hätte.

Antwoten

Desirée
Kai

}