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Filmkritik: Gefährten (Steven Spielberg)

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Filmkritik: Gefährten (Steven Spielberg)

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Nach nur ein paar Monaten schon der nächste Spielberg! Heute läuft Gefährten in den Kinos an, wir knüpfen ihn uns im Filmkritik-Sparring vor.

Kai:

Zwei Seelen wohnen ach in Steven Spielbergs Brust. Zum einen ist er ein großes Kind, ein naiver Geschichtenerzähler, der Abenteuer wie Jurassic Park oder zuletzt Tim und Struppi inszeniert wie kein anderer. Gleichzeitig beschäftigen ihn in Filmen wie Schindlers Liste, München oder Die Farbe Lila existenzielle Fragen. War Horse (deutscher Titel Gefährten), Spielbergs neunundzwanzigster Spielfilm, steht zwischen diesen Welten. Er handelt von Klassenkampf, Krieg und Tod, aber durch das naive, verspielte Objektiv des optimistischen 80er Spielbergs, der uns E.T. und Jäger des verlorenen Schatzes beschert hat.

War Horse basiert auf einem erfolgreichen Bühnenstück, das wiederum eine Adaption eines Bestsellers ist. In der Geschichte geht es um Freundschaft, Familie, Abenteuer, Krieg und Tod. Ungewöhnlich daran: Der Protagonist ist ein Pferd.

Auf dem Papier ist Gefährten, halb Erster-Weltkrieg-Historiendrama, halb Tierfilm, ein ungewöhnlicher Stoff für Spielberg, aber der Eindruck trügt – schon in der ersten Szene, in der der zukünftige Besitzer Albert mit großen Augen sein Pferd Joey durch den Zaun beobachtet, fängt der Regisseur gekonnt (mit virtuoser Unterstützung von John Williams) die naive, kindliche Faszination ein und erzeugt damit seine ganz eigene eine Art von Magie.

Das erste Drittel von War Horse ist pures Historiendrama, und spielt mit bekannten Charaktertypen wie dem ewig betrunkenen Vater mit gutem Herz, der gütigen, sorgenden Mutter und dem geldgierigen Grundbesitzer. Spielberg weiß, wie dick aufgetragen diese Figuren sind (respektive over the top gespielt von Peter Mullan, Emily Watson und David Thewlis) und legt filmisch entprechend viele Briketts ins Feuer und beschwört das klassische over-the-top Kino der goldenen Hollywoodzeit herauf.

Strukturell ähnelt War Horse vor allem dem kanadischen Film Die Rote Violine, in dem eine Geige über Generationen von Besitzer zu Besitzer wandert. Auch das Pferd Joey ist keine echte Hauptfigur (obwohl es stellenweise Lassie-artige Intelligenz an den Tag legt), sondern wird oft zu einem narrativen Werkzeug, das der Geschichte erlaubt, beliebig Handlungsort und Perspektive zu wechseln, und so in kurzen Episoden das Leben von Menschen auszuleuchten, die durch den Krieg in die verschiedensten Lebensumstände geraten sind.

In der beeindruckendsten und besten Szene treffen sich ein deutscher und ein britischer Soldat im Niemandsland, um das verletzte Pferd aus dem Stacheldraht zu befreien, während ihre Kollegen in den Schützengräben den Atem anhalten.

Zu solchen dramatischen Höhen schwingt sich War Horse nur selten auf, aber Spielberg zeigt, dass er noch immer eine Geschichte erzählen kann wie kaum jemand anders. Die Geschichte hat ein paar Längen und hin und wieder hätte John Williams Musik gerne mal eine Szene aussitzen können, aber alles in allem ist War Horse purer 80er-Spielberg. Voller großer Gefühle, meisterhaft in Szene gesetzt und bei aller Tragik durchtsetzt mit naiv-optimistischer (und zugegeben anachronistischer) Spielberg-Magie.

Desirée:

War Horse ist einer von diesen großen Spielberg-Filmen, wo die einen im Kino sitzen und denken: Für so etwas ist Film erfunden worden, und die anderen sich manipuliert und zu großen Emotionen gezwungen fühlen.

Ich persönlich habe mich bei War Horse – und zwar zum allerersten Mal überhaupt bei Spielberg – in der zweiten Gruppe wiedergefunden. Dabei ist Spielberg sogar in vielem dezent, wo er es nicht sein müsste. Dafür dass Gefährten ein Kriegsfilm ist, ergreift er zum Beispiel erstaunlich wenig Partei: Fast alle Charaktere haben helle und dunklere Seiten, Antagonisten oder sogar richtige Bösewichte kommen gar nicht vor. Egal ob Engländer, Deutsche oder Franzosen, Spielberg betrachtet alle aus dem gleichen Blickwinkel. Auch die Kriegsszenen sind kein bisschen aufdringlich gefilmt, die Kamera hat einen überraschend nüchternen Blick auf das Geschehen.

Aber auch wenn ich all das zu schätzen wusste und War Horse mich außerdem sehr gut unterhalten hat (aus all den Gründen, die Kai oben nennt, jaja, Spielberg ist magisch, zugegeben), hatte ich das Gefühl, mir wird da durch filmische Mittel etwas aufgedrängt, was ich durch die Geschichte alleine nicht unbedingt empfinden würde. Das liegt an Spielbergs großen Bildern, daran, dass man ganz schön viel einfach hinnehmen soll – dass das Pferd unglaublich intelligent ist, zum Beispiel – und außerdem an John Williams‘ Musik.

Williams weiß was er tut, und seine Themen sind auch in War Horse sehr schön – aber dafür, dass es nicht nur um eine Freundschaft sondern auch um einen schrecklichen Krieg geht, sind große Teile der Score zu idyllisch und pastoral. Vor allem aber ist sie oft erdrückend emotional an Stellen, wo einem die Charaktere noch gar nicht so richtig ans Herz gewachsen sind.

War Horse ist einer dieser seltenen Kriegsfilme, die keine Agenda zu haben scheinen und überhaupt kein Interesse daran, die Boshaftigkeit dieser oder jener Seite anzuprangern. Und trotzdem ist der Film pathetisch genug inszeniert, dass man nicht anders kann als immer mal wieder ein paar Tränchen zu verdrücken – während man sich gleichzeitig fragt, warum man jetzt eigentlich genau weint.

http://www.youtube.com/watch?v=luY_D2_gFbk&w=480&h=270

 

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Desirée
Kai
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  • ***
    16. Februar 2012 auf 15:21

    öhm, ist war horse derselbe film wie sekretär? nicht oder? und wenn nicht: schon wieder „derselbe“ film 😉

  • daniel
    19. Februar 2012 auf 00:17

    liebe desiree, bist wohl eine die denkt tiere sind doof dumm. glaubst wohl, nur der mensch kann denken?
    habe schon inteligentere tiere wie menschen gesehen.

    • 19. Februar 2012 auf 12:13

      Also, ich glaube nicht, dass Tiere „doof dumm“ sind, aber seien wir ehrlich – die Chancen dass z.B. ein Otter die nächste Mathematik-Olympiade gewinnt, sind überschaubar.

  • 20. Februar 2012 auf 00:54

    Ich kenne solche Filme. Manchmal drücken diese Filme auf die Tränendrüse und man fragt sich aus welchem Grunde man jetzt Tränen vergießt :S

  • 13. Dezember 2013 auf 23:14

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Desirée
Kai

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