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Film-Kritik: Die Tribute von Panem – The Hunger Games

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Film-Kritik: Die Tribute von Panem – The Hunger Games

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Es ist nicht das erste Mal, dass ein erfolgreiches Jugendbuch von einem großen Studio verfilmt wird, so lange der Hype noch trägt. Oft genug kommt dabei vielleicht kein schlechtes aber zumindest mäßiges Kino raus.

Das Paradebeispiel sind die Twilight-Filme, die zwar einigermaßen spannend sind, aber wenig von dem Charme und der Romantik der Bücher (oder zumindest des ersten Buches) auf die große Leinwand transportieren. Das zweite Beispiel ist Harry Potter, wo die ersten zwei Filme relativ langweilig, zahnlos und Mainstream-tauglich waren, bevor die Reihe mit dem dritten Teil die Kurve gekriegt hat.

Nun hat Lionsgate den ersten Teil der postapokalyptischen, dystopischen Hunger Games-Trilogie verfilmt – relativ spät für ein kommerzielles Cash-In, das erste Buch ist mittlerweile vier Jahre alt. Vielleicht hat das Studio sich so lange Zeit gelassen, um alles richtig zu machen.

Alles ist an den Tributen von Panem nun nicht richtig – aber für einen Film, der so deutlich von kommerziellen Interessen geleitet ist, ist er erschreckend gut. Regisseur und Autor Gary Ross (der nach Pleasantville und Seabiscuit das Genre wechselt, vor allem aber ein erfahrener Drehbuchautor ist) legt die beste denkbare Einstiegsszene hin: Er kontrastiert die Dekadenz und Abgebrühtheit des Capitols, der mit brutalsten Mitteln herrschenden Hauptstadt Panems, mit der Armut und Verzweiflung von Distrikt 12 kontrastiert, der Heimat von Katniss.

Katniss ist in der Buchvorlage ein sehr kühler, unnahbarer Charakter, dem man nur deshalb so mühelos folgt, weil die Hunger Games aus ihrer Perspektive erzählt sind. Ross‘ Entscheidung, die (eigentlich zu alte) Jennifer Lawrence für die Rolle der 17jährigen zu casten, ist sicher einer der Hauptgründe dafür, dass der Film so gut ist. Lawrence ist bekannt geworden mit Winter’s Bone (absurd guter Film übrigens), in dem sie eine ganz ähnliche Rolle spielt, sozusagen die Programmkino-Katniss: eine große Schwester, die hart sein muss, um ihrer Familie das Überleben zu sichern.

Katniss tut das, indem sie sich statt ihrer Schwester für die jährlichen Hunger Games meldet, einem Kampf bis zum Tode zwischen 24 Jugendlichen aus den 12 Distrikten, live übertragen via Fernsehen zum Amüsement der herrschenden Gesellschaft.

Jennifer Lawrence‘ Katniss ist so kühl und unnahbar dass man ihr die Skrupellosigkeit abnimmt, die sie während der Spiele an den Tag legt, aber gleichzeitig menschlich und warm und echt – wesentlich menschlicher, wärmer und echter als die Katniss im Buch. Auch der Rest des Castings ist sehr bedacht: Lenny Kravitz als Stylist Cinna ist angemessen cool und sympathisch, Woody Harrelson als schlecht gelaunter Mentor geradezu kongenial, und Amandla Stenberg als die kleine Rue, ein Mädchen aus Distrikt 11, hat mich mit ihrer Performance sehr berührt.

Stilistisch erzählt Ross die Hunger Games mit viel wackliger Handkamera und Grau in den Distrikten und der Spiel-Arena, und auf der anderen Seite mit viel Glamour in der reichen Hauptstadt. Trotz Handkamera und unglaublich vielen Schnitten sind die Action-Szene überraschend geschickt inszeniert, übersichtlich und trotzdem spannend – wahrscheinlich das Ergebnis einer interessanten Besetzung im Schneideraum: der Editor der Oceans’s Eleven-Filme, der viel Erfahrung mit Action hat, und eine Cutterin, die bisher hauptsächlich Programmkino gemacht hat.

Die einzige stilistische Entscheidung, die den Film schlechter und nicht besser macht ist dass die vielen brutalen Tode des Films nicht so blutig aussehen wie sie nunmal sind. Das nimmt dem Film einiges von seinem sozialkritischen Stachel, ist aber andererseits keine große Überraschung, schließlich ist das Kernpublikum wahrscheinlich zwischen 13 und 18 Jahre alt.

Gary Ross gelingt es aber, das auszugleichen, indem er – häufiger als Suzanne Collins in den Büchern – einen Blick aus der Arena hinaus und hinein ins Publikum wirft. Die Spiele selbst mögen eine zahmere Version des japanischen Schockers Battle Royale sein, aber diese Perspektive ist dafür ein hässliches Zerrbild von American Idol oder DSdS – und hält uns so umso wirkungsvoller einen Spiegel vor.

Schade nur, dass der Film – gar nicht so anders als die Reality-Shows die er kritisiert – den restlichen Tributen, den Verlieren der Hunger Games, nur in dem Moment einen Hauch von Aufmerksamkeit widmet, in dem sie auf spektakuläre Weise untergehen.

PS: Eins hat mich schwer getroffen: Die Kleider, die Suzanne Collins im Buch so großartig beschreibt, sind im Film leider nicht annähernd so spektakulär wie in meiner Vorstellung. Grr!

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  • 24. März 2012 auf 12:22

    Hach, ich weiß ja nicht. Als die ersten Trailer kamen, dachte ich, dass ich es vielleicht doch ansehe. Mittlerweile bin ich schon wieder so überladen und genervt, dass ich eigentlich schon fast keine Lust mehr habe. Bei Harry Potter und Twilight habe ich mich erfolgreich gedrückt (in beiden Fällen versprachen Besetzungen und Trailer schon nichts Gutes). Ich bin versucht, es bei dieser Verfilmung auch zu tun, selbst wenn The Hunger Games zumindest aus der Ferne einen besseren Eindruck macht.

    • 25. März 2012 auf 10:42

      Kann ich verstehen, ich bin auch immer skeptisch, wenn ein Film sich anschicken könnte mir meine eigenen Bilder zu sezieren. Aber ich finde den Film trotzdem erstaunlich gut. Die späteren Harry Potter-Filme übrigens auch! Die Besetzung macht sich (zumindest die Kinder, die meisten Erwachsenen sind von Anfang gut – und für meinen Geschmack größtenteils auch gar nicht schlecht besetzt).

  • 27. März 2012 auf 23:14

    Auf diesen Film bin ich ja ganz gespannt. Jedoch muss ich mal meine ganzen Prüfungen ablegen und darf ihn dann endlich auch sehen!
    Bin gespannt, wie sehr die Kritik an den Reality Shows dann außer Acht gelassen werden.

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