Paste your Google Webmaster Tools verification code here

Everybody Wants Some!! und The Neon Demon – Synergie durch Kontraste

Film

Warum Nicolas Winding Refns neuer Film ein faszinierendes und erstaunlich schlüssiges Gegenstück zu Richard Linklaters ist

Everybody Wants SomeEs liegt voll im Trend, die Monotonie des Mainstreamkinos zu beklagen – und das aus gutem Grund: Der überwiegende Teil der aktuellen Blockbuster sind Fortsetzungen, Adaptionen, Remakes oder Reboots und selbst die vereinzelten Filme, die aus diesem Muster herausfallen, weichen meistens nicht allzu weit von der Formel ab – Disney hat gerade den neuen Star Wars Film Rogue One zu mehrwöchigen Nachdrehs verdonnert, angeblich weil er zu ernster und düsterer war, als ein Star Wars-Film zu sein hat (und wer weiß, vielleicht haben sie damit recht).

Mangel an Kreativität kann man aber nicht nur den großen Studios vorwerfen; auch das Arthouse-Kino folgt oft festen Regeln und viele Programmkino-Hits der letzten Jahrzehnte – zum Beispiel Juno, Little Miss Sunshine, Ziemlich Beste Freunde oder The King’s Speech – sind genauso vorhersehbar wie ihre Big Budget-Konkurrenz.

Neon DemonDass es nicht so sein muss, zeigen dagegen die aktuellen Filme der Arthouse-Prominenz Richard Linklater und Nicolas Winding Refn, die auf faszinierende Weise entgegengesetzte Pole des filmischen Spektrums erkunden. Linklaters erster Film seit Boyhood, die 80er Dramedy Everybody Wants Some!! (2.Juni), folgt ein paar Tage einer liebenswerten College-Basketballmannschaft, und ähnlich wie bei Dazed & Confused, seinem Liebesbrief an die 70er, verzichtet Linklater fast vollständig auf Konflikt und Drama, zugunsten von Charme, Authentizität (wenn auch nostalgisch gefärbter) und einem durchweg sympathischen Ensemble. Everybody Wants Some!! erschafft eine Welt, in der zwei ereignislose Stunden wie im Flug vergehen.

Ähnlich wie Linklater ist auch der Däne Nicolas Winding Refn seit seinem Neo-Noir-Hit Drive ein Star des Indie-Kinos, wenn auch einer, der Kritiker und Publikum regelmäßig vor den Kopf stößt. The Neon Demon (23. Juni), sein satirisches Horrordrama, in dem ein Mädchen von Land in Los Angeles in die Welt der Supermodels eintaucht, zeichnet sich gleichermaßen durch kalte, stilisierte Ästhetik wie durch abstoßende Charakterzeichnung aus.

EWS 01Es wäre schwer, zwei gegensätzlichere Filme zu finden, und gerade deshalb ergeben sich zwischen Neon Demon und Everybody Wants Some!! faszinierende Parallelen, thematisch wie ästhetisch. Steven Spielberg hat einmal E.T. und Poltergeist (Regie: Tobe Hooper) als zwei Seiten derselben Medallie bezeichnet, als Porträt des “American Dream” und des “American Nightmare” einer kalifornischen Vorstadt im Jahr 1982.

In einem ähnlichen Verhältnis zueinander stehen auch Refns und Linklaters Film, von denen zwar nur einer im Jahr 1982 spielt, die sich aber beide intensiv auf die 80er beziehen. Linklater fängt die kulturelle Naivität und den verträumten Optimismus der Reagen-Ära ein, während Refn seine finstere Zeitgeist-Satire mit der Bild- und Klangästhetik von Ridley Scotts Sci-Fi Noir Blade Runner (1982) inszeniert und mit zahlreichen Verweisen auf Filme von Brian De Palma und David Lynch unterfüttert. In Neon Demon prallen zwei Welten gewaltsam aufeinander, ein naives Mädchen vom Land – Elle Fannings Charakter könnte fast Linklaters filmischem Universum entsprungen sein – trifft auf eine kalte, abstoßende und feindliche Welt, deren glänzender Oberfläche sie nicht widerstehen kann. Linklaters Welt ist wie ein verlorenes Paradies, Refns dagegen ist die menschenfeindliche Dystopie, die sie zerstört hat.

ND 01Der freundliche “Americana”-Charme von Everybody Wants Some!! (benannt nach einem Van Halen-Song) konnte vergleichsweise viele Kritiker um den Finger wickeln, während Refns kalter, zynischer Meta-Horror bei der Premiere in Cannes ausgebuht wurde; auf ein Mainstreampublikum zielt aber keiner der zwei Filme ab. Beide sind kompromisslose Statements, die ohne Abstriche der Vision ihres Regisseurs entsprungen sind. Und gerade ihre diametral entgegengesetzten Ansätze sind der Grund, warum sich selten zwei so grundverschiedene Werke so perfekt ergänzt haben.

 

 

 

 

Eure Meinung zum Artikel
0%
0%
0%
0%
Kommentare
Antworten

Antwoten

}
%d Bloggern gefällt das: