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Hans Zimmer Live

Musik

Der Live-Auftritt des Filmkomponisten rockt – wenn auch erst nach etwas Anlauf

o_12_HANS-ZIMMER_live-on-tour-2016_Foto_Pierre-FutschEin passender Name für Hans Zimmers erste Konzerttournee wäre „Midlife Crisis Tour 2016“ gewesen. Andere kaufen sich einen neuen Sportwagen, der laut Pressetext „erfolgreichste Filmkomponist unserer Zeit“ erfüllt sich dagegen einen lang gehegten Traum und präsentiert sich als Rockstar. Das nötige Selbstbewusstsein hat er auf jeden Fall: Unbeeindruckt steht er neben Größen wie Mike Einziger (Incubus) und Ausnahmegitarrist Guthrie Govan (Steven Wilson, Aristocrats) vor ausverkauften Arenen und greift entspannt in die Saiten.

Auf der Bühne stehen (und sitzen) allerdings nicht nur die hochkarätigen Mitglieder seiner Band, sondern außerdem ein großzügig besetztes Orchester und ein rund zwanzigköpfiger Chor; alles in allem um die hundert Musiker. Das erlaubt Zimmer die Flexibilität, Orchester-Bombast, intime Passagen und Rock-Riffs gleichermaßen überzeugend zu spielen.

Zumindest theoretisch – die erste Hälfte der Show bleibt nämlich leider weit hinter den Möglichkeiten der Besetzung zurück; Zimmer beginnt sein Konzert mit einem farblosen Medley (Driving Miss Daisy, Sherlock Holmes, Madagascar), das manchmal fast an Fahrstuhlmusik erinnert. Auch das Arrangements der Lion King-Musik klingt – trotz des Original-Sängers – etwas müde, und selbst Gassenhauer wie Gladiator und Pirates of the Caribbean sind zu vorhersehbar und entfalten sich nicht als die dramatischen Höhepunkte, die sie eigentlich hätten sein sollen. Immerhin verleiht Zimmer dem Abend mit seinen charmanten, manchmal etwas tapsigen Ansagen in gebrochenem Deutsch eine persönliche Note.

o_01_HANS-ZIMMER_live-on-tour-2016_Foto_Pierre-FutschDer zweite Teil dagegen, angefangen mit dem unverkennbaren Marimba-Sound von True Romance, ist fast schon eine Antithese zum Vorhergegangenen, dramatische und spannende 90 Minuten ohne Durchhänger. Eine Art Centerpiece ist darin das „Journey to the Line“ Thema aus Terrence Malicks Meisterwerk The Thin Red Line, gespielt als atmosphärisches Post-Rock Crescendo, auf das Godspeed You! Black Emperor stolz gewesen wären.

In den letzten Jahren sind Filmmusik-Konzerte sind zu einem populären Format und in vielen Fällen zu einem Garant für volle Hallen geworden. Anstatt aber wie viele seiner Kollegen die Musik eins zu eins nachzuspielen und dabei auf der Leinwand Szenen aus den Filmen abzuspulen, hat Hans Zimmer seine Tour zu einem ungewöhnlichen Event gemacht. Auch mit einem zweitklassigen Orchester hätte er die Arena ohne Zweifel ausverkauft; Zimmer hat aber bewusst die besten Musiker ihres Faches um sich versammelt, um gemeinsam mit ihnen auf der Bühne Spaß zu haben.

Billig war das sicher nicht. Aber nach mehr als drei erfolgreichen Jahrzehnten hinter den Kulissen Hollywoods hat Hans Zimmer sich seinen Auftritt als Rockstar redlich verdient.

 

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