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Buchkritik: Deborah Levy – Swimming Home (Heim schwimmen, Booker Prize 2012)

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Buchkritik: Deborah Levy – Swimming Home (Heim schwimmen, Booker Prize 2012)

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Am 16. Oktober, nur eine Woche nach der Verleihung des Deutschen Buchpreises,
findet in London eins der wichtigsten Ereignisse der internationalen
Literatur-Szene statt: Der Gewinner des Man Booker Preises 2012 wird
verkündet. Um uns auf den großen Tag vorzubereiten, stellen wir bis
Dienstag täglich einen der sechs Shortlist-Romane vor.

Worum geht’s?

Zwei Paare, eins berühmt und mit 14jähriger Tochter, eins kinderlos und durchschnittlich, machen Urlaub in Südfrankreich. Da taucht aus dem Nichts Kitty Finch auf, nackt, im Swimmingpool. Schnell stellt sich heraus, dass Kitty nicht so zufällig aufgetaucht ist wie angenommen, und dass sie in kürzester Zeit mehr Schaden anrichten kann als sich auch nur einer der Beteiligten vorstellen konnte.

PopKulturSchock denkt…

Deborah Levy beginnt Swimming Home mit einem der stärksten Sätze, die ich in den letzten zwei Jahren gelesen habe:

When Kitty Finch took her hand off the steering wheel and told him she loved him, he no longer knew if she was threatening him or having a conversation.

Dieser Satz hat nicht nur einen unheimlichen Sog, er gibt auch den Ton an für den Rest des Romans: Die Sprache ist direkt und wuchtig, wie eine Faust in den Magen. Deborah Levy ist gnadenlos mit ihren Figuren, ehrlich und direkt. Auch die Dialoge sind sehr auf den Punkt, und darüber hinaus clever und oft witzig. Die größte Stärke von Swimming Home sind aber die Bilder, die Levy heraufbeschwört – angefangen bei der nackten, rothaarigen und scheinbar toten Nymphe im Swimming-Pool über den unschuldigen Bikini der 14jährigen Nora (der so unschuldig plötzlich gar nicht mehr wirkt) bis hin zurm beunruhigenden letzten Szene.

Gegen die exzentrische Kitty bleiben alle anderen Figuren farblos. Auch wenn das mit Sicherheit beabsichtigt ist, geht Deborah Levy damit vielleicht zu weit: Der Roman ist fast ein Kammerspiel und dort geht es nunmal vor allem um die Beziehungen zwischen den Charakteren. Aber hier ist die Hälfte von ihnen nur schmückendes Beiwerk, und  das fühlt sich an wie eine vertane Chance.

Trotzdem ist Swimming Home ein tolles Buch. Es macht Spaß, es überrascht, es tut an den richtigen Stellen weh und Deborah Levys Bilder bleiben lebendig, auch lange nachdem die letzten Seiten gelesen und die meisten Charaktere wieder vergessen sind.

Die Chancen

Deborah Levy dürfte gute Chancen haben. Sie schreibt seit fast 20 Jahren Theaterstücke und Romane, die die Kritiker lieben, aber der große Erfolg ist ausgeblieben. Das würde es zu einer ‚guten Tat‘ machen, sie zu krönen. Und dass die Jury dieses Jahr großen Wert darauf legt, die Arbeit junger oder wenig beachteter Autoren zu honorieren, hat sie schon damit bewiesen, dass die meisten großen Namen der englischsprachigen Literaturszene es nichtmal auf die Longlist geschafft haben; dabei gab es in der ersten Jahreshälfte eine wahre Flut an großen Veröffentlichungen. Außerdem ist Levys Buch eins von jenen, die sich beim Lesen relativ klein anfühlen, ohne großes Feuerwerk und stilistisches Brimborium, und nach der letzten Seite trotzdem immer größer werden, während andere Titel verblassen. Vom langwierigen Leseprozess der Jury, die Bücher immer und immer wieder liest, dürfte es also profitiert haben.

 

Man Booker Preis bei PopKulturSchock

Man Booker Preis 2012 im Netz:
Booker-Special beim Guardian
Webseite Man Booker

 

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